• sibyllezion

Über die Angst, die uns antreibt. Männer und Frauen- und Unterschiedlichkeit der Herzen.

Aktualisiert: 17. Sept.






Meine lieben Freunde,


ich habe viel geschrieben, über Konflikte, über Geistführung, über Einheit- und darüber, dass wir aus Liebe nachfolgen- nicht aus Gehorsam, nicht aus Unterwürfigkeit.


Der größte Konflikt aber, der in Gemeinden vorherrscht,den habe ich bislang gekonnt umschifft: Es ist die Gegensätzlichkeit von Männern und Frauen. Vergeblich habe ich versucht, das zu tun,was mir sonst so leicht von der Hand geht- einen Aufhänger zu finden, der euch entführt, der ein leichtes, beschwingtes Beispiel bringt für diese Problematik.


Allein, ich merke, das hier ist tiefgreifend. Invasiv. Es berührt alle Ebenen des Miteinanders von Männern und Frauen- und besonders auch die christliche Gemeinde.


In den letzten zwei Jahren habe ich mich erstmalig mit der Thematik Mann-Frau umfassend auseinandergesetzt.

Auslöser war eine Ehekrise der Extraklasse. Mein Mann und ich, wir hatten uns verloren. Während im Außen alles wie gewohnt weiterlief, schrumpften unsere Gespräche auf ein Minimum. Was essen wir heute? Soll ich noch was mitbringen? Weißt du, wo meine Schuhe stehen? Kannst du das eben noch Korrektur lesen? Hast du eine Wunschliste für Weihnachten? Der Frust stand mir bis zu den Haarspitzen. Wenn er nicht mal mehr weiß,was er mir schenken soll...


Wir mussten den Fakten ins Gesicht sehen:

Irgendwo zwischen Alltagsstress und Kindeserziehung war etwas verloren gegangen. Der Blick füreinander war getrübt, die Konflikte unvermeidlich. Wir waren verschieden- und während ich mich nicht gesehen fühlte, wurde ich immer mehr mit einer männlichen Eigenschaft konfrontiert,die insbesondere dann zutage tritt, wenn Männer im Stress sind, und gestresst war mein Mann fürwahr.

Er war im Prüfungsstress des Referendariates, das er mit Anfang vierzig an seinen Doktor und seine lange Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Uni anschloss: Von einer wohldotierten Position war er zurück in die Abhängigkeit von Beurteilung und lernendem Status zurückgeworfen, mit allem, das dranhing. Weniger Geld, nie enden wollende Unterrichtsvorbereitung und Verlust von Ansehen und Sicherheit in sich selbst waren die Folge. Er arbeitete - immer.

Mein ehemals so zugewandter, aufmerksamer, lustiger und liebenswerter Mann wurde immer wortkarger und fokussierter auf die Aufgaben, die vor ihm lagen. Und immer harscher im Tonfall- mir und unsrem Sohn gegenüber.


Mein Mann nennt dieses Verhalten "das Mammut jagen".


Es ist eine treffende Beschreibung dafür, wenn Männer sich einem Ziel verschreiben, das es unbedingt und bedingungslos zu erreichen gilt. Alles andere wird zweitrangig, es überfordert nur und tritt weit in den Hintergrund.

Wenn Männer fokussiert sind, vor neuen Herausforderungen stehen, sind sie in der Tat Krieger und Jäger. Nichts wird wichtiger, nichts essentieller, als das, was sie tun, gut zu machen. Durchzubringen, zu vollenden. Durchschnittlichkeit ist dabei keine Option. Es muss etwas besonderes sein, es muss zeigen, dass sie es draufhaben, wie John Eldredge es nennt, und es ist wahr - es ist so.


Was bei einem solch männlichen Verhalten verloren geht, ist indes Beziehung.

Es sind all die schönen Details, die das Leben lebenswert machen. Und umso angstgetriebener Männer sind, desto aggressiver werden sie versuchen, ihr Ziel mit allen Mitteln zu erreichen- denn Versagen ist die schlimmste Angst des Mannes.


Vor kurzem las ich einen Artikel, der eine interessante These aufwarf, auch wenn ich der (jüdischen) Autorin* nicht weiter folgte als bis zu diesem Ansatz, aber er packte mich, weil er tatsächlich viel offenbart:


Sie sagte, dass Adam aus dem Staub geschaffen wurde. Aus toter Materie heraus geschaffen war Adam einzig lebendig durch den Odem Gottes, und mit dem Tod würde er wieder zu nichts werden, der Odem verließ ihn, und er zerfiel zu Staub. (1.Mose 2, 7)


Dann führte sie aus, dass Eva anders geschaffen war, aus Adams Flanke/Rippe (je nach Übersetzung), aus dem Leben -, nicht Staub und Erde. (1.Mose 2,22)

Eva stammte aus dem Leben und wird später selbst zur Lebensspenderin.


Die These, die sie daraus ableitete, finde ich höchst spannend:


Adam, so sagte sie, wird in Zusammenhang mit dem Tod angetrieben von der Angst, ein Nichts zu sein, alles zu verlieren, und muss daher streben,etwas zu erreichen, zu beherrschen, zu erschaffen, was bleibenden Wert hat und seinen Wert beweist.


Evas Angst und Assoziation mit dem Tod ist hingegen die Angst, sich selbst in etwas anderem zu verlieren, sich wieder in Adam zu verlieren- aber sie weiß, dass sie nicht nichts ist. Sie weiß, sie stammt aus dem Leben selbst. Daher kämpft sie nicht um den Aufbau von Selbstwert, sondern darum, nicht abgewertet zu werden, in ihrem Wert nicht verletzt zu werden.


Ich habe selten eine fundamentalere Wahrheit gelesen, um ehrlich zu sein.


Frauen, so wird uns oft nahegelegt, müssen ihren "Selbstwert entdecken/entwickeln".

Irgend etwas fand ich daran immer schief. Denn wir Frauen wissen, ganz tief in uns, dass wir wertvoll sind.

Wogegen wir kämpfen, ist die permanente Abwertung, die Erniedrigung, das Nicht Gesehen sein in unsrem Wert- aber nicht mit dem Gefühl, wertlos zu sein.

Wir sind verletzt von all den Aussagen, wir seien wertlos- eine Aussage, die eine Todeswaffe in der Hand eines Mannes gegenüber eines Mannes ist- aber nicht gegenüber der Frau.


Der innere Kampf der Frauen- es ist der Kampf um Anerkennung und darum, nicht zu verlieren,was wir als Wert tief in uns schützen, tragen und teilen wollen.


Der innere Kampf der Männer hingegen- er ist tatsächlich die Angst vor Scheitern, vor nicht Erreichen von Zielen, die Angst, nicht mehr zu sein.


In Mose 3,16 finden wir den Fluch, die Konsequenz des Sündenfalles, der über Jahrhunderte, ja Jahrtausende als neue Ordnung der Dinge eingesetzt und missbraucht wurde:



"Und dein Verlangen soll nach deinem Mann sein, aber er soll dein Herr sein." 



Was Adam zu seiner Frau sagte, als er sie das erste Mal sah, war eine Aussage der Freude, des Jubels und des Staunens: "Da sagte der Mensch: Diese endlich ist Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch; diese soll Männin[15] heißen, denn vom Mann ist sie genommen." (1. Mose 2,23)


Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch. Sie ist von meiner Art, sie gehört zu mir. Sie ist eine Männin! In Adams Staunen erkennt seine Männin nicht nur die Gleichwertigkeit mit ihm, sondern auch ihre Andersartigkeit. Deswegen sehnt sich die Frau nach dem Mann.


Er aber wird über dich herrschen.

Aus der Angst heraus, nichts zu werden, denn die Folge der Sünde ist ja der Tod, wird der Mann herrschen, erbarmungslos auch über Eva.

"Er wird sich der Herrschaft verschreiben, der Kontrolle, der Übermacht. Dem Erreichen von Zielen, und dadurch unerreichbar werden für dich."


Ein Fluch, eine Stelle, die weitreichende Konsequenzen hat für unsre Gesellschaft, für die Hierarchie und für die Position der Frau.


Der Kreuzestod aber, und das ist die gute Nachricht, das Opfer Jesu beinhaltet ein Versprechen:

Es ist das Versprechen, dass weder der Mann zu nichts noch die Frau entwertet wird- es ist das Versprechen des ewigen Lebens in Christus selbst. Die Wiederherstellung aller Dinge.


Haben wir diese Wiederherstellung erlebt, mein Mann und ich?


Oh, auch das längste Referendariat kommt irgendwann zu einem Abschluss, nicht? Es gab einen Tag, an dem sich mein Mann schüttelte und sagte, er sei überhaupt nicht mehr er selbst gewesen. Es gab einen Tag, an dem ich weinend vor ihm stand und sagte, ich hätte unsre Ehe nie in Frage stellen dürfen und erbete seine Vergebung.


Wisst ihr, eine Ehe, die bricht nicht so leicht, wenn Jesus sie zusammenhält. Auch dann nicht, wenn alle dunklen Mächte der geistlichen Welt sich dagegenstemmen. Gott wird intervenieren.

Und in unsrem Falle tat er es, in dem er eines Tages nur zwei Sätze sagte:


"Kauf ihm Wild at heart. Er muss es lesen. Jetzt."


Eine Ansage, die aus heiterem Himmel kam. Ich hatte Autor und Buch ganz vergessen...

Und dann tut man besser, was Gott sagt. Denn manchmal ist eine Krise ein Beginn einer Berufung, eines Rufes, einer Reise.


Nächste Woche beginnen wir mit dem, was die Eldredges lehren- und dem höheren Sinn, also dem, was Gott mir für die Gemeinden, für uns, in größeren Zusammenhängen zeigt, und das ergänzend und erweiternd zu ihrer Botschaft hinzukommt.


Der erste Artikel der neuen Serie- wird sich mit dem Begriff Eser kenegdô, unsrer Kraft, unsrer Berufung befassen- und mit dem Grund, warum Frauen in Gemeinden so wichtig und unersetzlich sind- und besser wahr- und ernstgenommen werden. Denn wir alle sind auf dem Weg in die Heiligung und Wiederherstellung in Christus:



"Wir alle aber schauen mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn an[5] und werden ⟨so⟩ verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, wie ⟨es⟩ vom Herrn, dem Geist⟨, geschieht⟩" (2.Korinther 3,18)


Als Männer und Frauen. Verschieden und komplementär.


Seid gesegnet,

Sibylle/ Zionstochter.


Quellen:

Bibelstellen, hier zitiert nach rev. Elberfelder Übersetzung 2016.

Foto: Pixabay

Worship: Be unto your name- Robin Mark

* Artikel: https://www.br.de/fernsehen/ard-alpha/sendungen/alpha-forum/ruth-lapide-eva-gespraech100~attachment.pdf?

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