• sibyllezion

Über die Kunst mit Gott involviert zu sein, ohne vom Pferd zu fallen: Kinder Gottes.







"Denn unser Wissen ist Stückwerk und unser prophetisches Reden ist Stückwerk. 10 Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. 11 Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war. 12 Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin. 13 Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen." (1.Korinther 13, 11)




"Und als Jesus ein Kind herbeigerufen hatte, stellte er es in ihre Mitte 3 und sprach: Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr keinesfalls in das Reich[2] der Himmel hineinkommen. 4 Darum, wenn jemand sich selbst erniedrigen wird wie dieses Kind, der ist der Größte im Reich[3] der Himmel; 5 und wenn jemand ein solches Kind aufnehmen wird in meinem Namen, nimmt er mich auf. 6 Wenn aber jemand eines dieser Kleinen, die an mich glauben, zu Fall bringt[4], für den wäre es besser, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde." (Mt 18, 2 ff)


Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. (Joh 14,26)




Meine lieben Freunde,


ich habe einen aufgeweckten, selbstsicheren und ausgesprochen schlauen Sohn. Ja, er ist ein Prachtstück von Sohn, wir lieben ihn sehr.


Im Moment ist er neun Jahre alt, ein Alter, in dem die ersten Anzeichen des (viel zu schnell) kommenden Teenageralters auftauchen: Wir dürfen das Badezimmer nicht mehr betreten, wenn er duscht. Wenn seine Freunde da sind, ist seine geliebte Mama nur noch dafür da, die Süßigkeitenschale aufzufüllen. Die Antworten, wie es in der Schule war, werden knapper- "ja, alles gut", "ach, die sind alle doof". Er wird cooler, abgegrenzter, nicht mehr so anhänglich und kuschelig, wie er war. Ich beobachte sein Wachsen mit Erstaunen, mit Stolz auch, und ein wenig Wehmut.


Abends jedoch, wenn die Schatten lang werden, braucht er mich. Es ist ausgeschlossen, dass wir das Ritual langsam beenden, das wir seit vielen Jahren pflegen: Obwohl er längst selbst lesen kann, liest entweder Papa oder ich vor- Asterix mit Papa, fünf Freunde mit Mama. Wir beten gemeinsam, bitten Jesus, die Nacht, die Träume und unser ganzes Sein zu schützen, und erst dann ist er bereit, nach reichlich viel Kuscheln und Nähe, sich in die unsichere Zeit des Schlafes zu begeben.

Wenn er krank ist, dann braucht er meine Nähe, meine Hand, meine Fürsorge. Plötzlich wird aus dem großen, coolen, starken Jungen ein kleiner Junge, der meine Nähe sucht. Wenn Konflikte in der Schule auftreten, mit anderen Kindern, mit Gewalt oder Übergriffigkeit, sucht er Schutz bei uns, erzählt, wie er sich fühlt. Und wir tun das beste, um entweder ihn zuzurüsten, sodass er selbst damit klarkommen kann oder gegebenenfalls einzugreifen, wenn tatsächlich Ungerechtigkeit vorliegt.


Sein Wissensdurst ist endlos. Immer mehr will er wissen, verstehen, die Welt um sich herum begreifen. Auch dazu braucht er insbesondere seinen Vater, der ihm erklärt, wie Chemie funktioniert, wie das Universum aufgebaut ist, der mit ihm über biologische Zusammenhänge spricht und ihm erklärt, wie man ein Schnitzmesser so hält, dass man sich nicht den Finger absäbelt. Er fragt viel, und wir nehmen uns Zeit, zu antworten.


Manchmal überrascht er uns. Gestern, beim Abendessen, sagte er: "Weißt du, Mama, ich glaube ja, Gott schreibt eine Geschichte und wir sind Teil davon. Also weiß er auch alles, was wir tun." Als ich sagte, dass ich das auch so begreife, staunte er und sagte: "Da weiß man dann sicher, dass ich dein Sohn bin". Nein, mein Sohn. Da weiß man dann sicher, dass du Jesus Stimme hörst- mit deinen neun Jahren.


Es ist wundervoll zu sehen, dass dieser kleine Kerl sich bereits jetzt Gedanken macht über Jesus, Gott, den Heiligen Geist, auf die manch Erwachsener niemals kommt.


Aus irgendeinem Grund, der mir wirklich nicht einleuchtet, strebt jeder Christ nach Erwachsen-sein. Rational, unabhängig und selbstverantwortlich. Ich frage mich dann immer, ob Paulus Aussage in Korinther 13,11: "Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war." die Aussage von Jesus verdrängt, überlagert, nihiliert hat, der sagte: "Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen." (Mt 18,3).


Ich glaube, dass Paulus, der einst dachte, alles zu wissen, 1.Korinther 13 zutiefst nachdenklich und sinnierend geschrieben hat. Er, der einst Christen verfolgte, in voller Autorität, ohne jedes kindliche Vertrauen, ohne "kindliche Klugheit", sich voll und ganz auf seine Einsicht verlassend, erkennt, dass alles, das wir wissen, nur Stückwerk ist. Er weiß, dass er voll und ganz erkannt ist von Gott: Gesehen, verstanden, nackt und bloß vor ihm, während er die ganze Herrlichkeit Gottes nur "wie durch einen Spiegel in der Dunkelheit" sehen kann. Eines Tages, sagt er, werden wir erkennen. Bis dahin bleiben Glaube, Liebe und Hoffnung. Er weiß, dass wir die ganze Komplexität von Gottes Plan, nicht einmal die ganze Komplexität von Jesus Wesen jemals erfassen können, wir können nur spekulieren. Seiner Stimme vertrauen, dem, was er offenbart, bevor wir ihn sehen und alles sich zusammenfügt zu einem Gesamtbild, das uns umwerfen wird. Vielleicht lachen wir. Befreit, weil endlich alles Sinn macht, weil sich seine Souveränität und Gelassenheit, geboren aus Allmächtigkeit, in einem schalkhaften Lächeln bemerkbar macht. Wenn wir erkennen, dass all unsre Angst, all unsre Trauer, all unsre Zweifel einfach nur unbegründet waren angesichts dieses liebevollen, herrlichen Königs und Gottes.


Paulus geht einen gewaltigen Schritt zurück von dem Anspruch, alles verstanden zu haben- und räumt ein, dass derjenige, der die ganze Weisheit hält und ist, für uns aus unsrer begrenzten Perspektive einfach nicht begreifbar ist.


Kindern geht es auch so.


Kinder fragen ihre Eltern, warum Dinge so sind, wie sie sind, und vertrauen darauf, dass sie die Puzzlestücke zu dem haben, was ihnen fehlt. Kinder suchen Schutz und vertrauen darauf, ja, bestehen darauf, dass wir ihn gewähren. Kinder suchen Nähe und Trost, wenn sie krank sind, sie brauchen es, umsorgt zu werden. Oftmals jedoch, in dem Anspruch der Selbständigkeit, geht dieses wertvolle Vertrauen verloren. Sie versuchen es alleine zu regeln, und dort, wo die Kapazitäten, die Fähigkeiten ausgehen, weil sie den Gesamtzusammenhang nicht begreifen, endet alles in einem einzigen Chaos. Ihnen fehlt Einsicht, Überblick, Erfahrung. Hätten sie uns doch mal gefragt, denken wir seufzend, während wir die Scherben aufkehren.


Wisst ihr, so sehe ich unsre Gemeindelandschaft auch.


Alle versuchen, selbst zu erklären, cool, abgegrenzt, die einzige Wahrheit beanspruchend, während unser König so groß ist, dass all die Streiterei doch völlig unnötig ist.

Anstatt ihn um seine Weisheit zu bitten und auf seine Antwort zu warten, versuchen wir uns an ihm zu bedienen, eben doch unsre eigenen Wege zu wählen statt seiner: So viele verschiedene Lehren, und jede beansprucht für sich, der eine Heilsweg zu sein. So viele Gemeinden, so viel Theologie und Schriftgelehrtsein auf der einen Seite- so viel Gefühl und Erfahrungs- und Experimentierdrang auf der anderen Seite.


Ich glaube an Erweckung. Ich glaube daran, ich erfahre auch, dass der Heilige Geist real ist. Aber vielleicht müssen wir uns mal wieder das Buch abends vorlesen lassen. Weil der Heilige Geist die richtige Stimmung, Betonung, den richtigen Kontext kennt. Weil er doch da war, mit Paulus. Weil er doch da war, mit Petrus, Jesaja, Mose, David. Er kann uns erklären, wie es gemeint war, wie es wirklich war. Er kann uns erklären, warum wir die Geistesgaben nicht so erleben wie Paulus es getan hat. Er kann den Staub von Jahrhunderten wegpusten und die Bibel lebendig werden lassen. Er kann es und wird es tun. Aber fragen wir ihn? Über eine religiös-fromme Floskel hinaus?


Um ihn zu hören, müssen wir aufhören, "wie Erwachsene zu denken und das kindliche abzutun". Sonst werden wir das Himmelreich nicht sehen. "Papa, wie ist das gemeint? Papa, zeigst du mir, wie es geht? Papa, kannst du das für uns regeln?" Vertrauensvoll. Eingestehend, dass wir nicht alles wissen. Dass wir Schutz brauchen. Versorgung, Führung, Weisheit. Denn kein Vater erteilt ungefragt Rat. Kein Vater ist übergriffig, aber er freut sich, wenn wir zu ihm kommen, um von seiner Weisheit zu lernen.


Was geht schief in der Erweckungsbewegung?


Oh, es ist der Eigenanspruch, nichts weiter, der die Tür öffnet für falsche Geister. Das eklatanteste, was die Erfahrung des Heiligen Geistes von Magie unterscheidet, ist die Blickrichtung: Der Heilige Geist, er lehrt dann, wenn wir ihn fragen. Wenn wir ihn als Lehrer respektieren. Aber er lässt sich nicht in die Karten schauen noch befehlen. Die Magie ist es, die von "unten nach oben" arbeitet, die nach "oben" strebt: Nach Macht, Kontrolle. Nach Befehlsgewalt und Selbsterhöhung, Gottgleichheit. Nach Himmeln und anderen Sphären, nach Manipulation und danach, sich in Bewusstseinzustände zu bringen, die die "geistliche Welt" wahrnehmbar macht- durch Hypnose, Trance, Meditation. Der Mensch erzwingt Phänomene und öffnet sich. Und die Geister, die er rief, nun, die wird er nicht mehr los, bis er nach dem König schreit. "Jesus, hilf mir!" Christusähnlichkeit hingegen: Nun, Jesus wurde Mensch. Er diente. Er erniedrigte sich. Er verzichtete auf die Eigennutzung seiner Allmacht, um uns gleich zu werden, er heilte nur andere, nicht sich selbst. Er gab sein Leben, er stand zur Ansprache bereit, er war durch und durch demütig, nicht herrschsüchtig. Er wählte Einfachheit, nicht Reichtum. Er wählte Freundschaft, nicht Ehre. Er wählte nicht das Herrenhaus, sondern den Stall und die Orte, an denen man ihm anbot, zu bleiben. Er, der alles erschaffen hat, das Wort, aus zu dem alles hin erschaffen ist, wählte Besitzlosigkeit.

Christusähnlichkeit...ist nicht Gottgleichheit im Sinne von Machtanspruch und Selbsterhöhung.


Der Heilige Geist, Gott, Jesus: Das ist eine Bewegung von "oben nach unten": Gott wird Mensch. Gott schenkt Vision. Gott erwählt. Gott führt. Gott berührt das Innerste. Gott segnet. Gott heilt. Gott spricht in unsre Welt, und nicht wir in seine. Sein Wille geschehe, durch uns, nicht wie wir es bestimmen.

Paulus sagt, er habe den Himmel besucht, nicht wahr? Es war eine geschenkte Vision, nicht ein dauermeditierender Paulus, der visualisierte und sich für Welten öffnete, die er nicht begriff. Jesus wird wiederkommen, zu uns, er wählt den selben Weg nochmal, auf dieser Erde mit uns. Warum also sollen wir vor der Zeit zu ihm reisen? Und wo enden wir dann?


Wen treffen wir dort?


Haben wir nicht den Auftrag, möglichst viele für ihn zu gewinnen? Hier? Haben wir nicht genug zu tun mit seiner Aussage, wir sollen tun, was er uns sagt? Nicht, was wir wollen? Sein Auftrag: Licht der Welt zu sein, Liebe, Hoffnung und Glaube, und kostbares Salz der Erde, Wahrheit, Klarheit und Würze...


Ihr Lieben, ich sehe das Feuer brennen in den Gemeinden- aber niemand hat jemals gesagt, wir sollten Feuer sein. Keine Fireballs, keine Flammenwerfer, keine Feuerpfeile. Denn Feuer- zerstörerisches Feuer- ist die Waffe Satans. Das reinigende Feuer Gottes ist die Bedrängnis, das alle Schlacken wegbrennt, von aller Sünde befreit, von allen falschen Wegen. Denn die Liebe duldet keine Dunkelheit. Denn das Leben wehrt den Tod. Denn der Opfertod Jesu am Kreuz besiegte Satan.


Papa. Abba, lieber Vater.

Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder...


Mögen wir Gott wieder lieben lernen. Achten lernen. Uns verneigen vor dem, was er erschaffen hat. Vertrauensvoll um seinen Rat fragen. Seinem Ruf folgen, wenn er kommt. Und ihm vertrauen, dass er uns nicht wie Sklaven hält, sondern als Söhne und Töchter liebt.

Und im Gegenzug dafür, dass er soviel gibt und gewährt- sollten wir akzeptieren, wenn er sagt:


"Aber diese Schublade öffnet nicht, sie ist gefährlich."


New Era ist der zweite Begriff zu New Age. Das neue Zeitalter ist aber das Zeitalter der Wiederkehr Jesu. Es ist die neue Welt, die neue Schöpfung. Es gibt kein New Era, Freunde, kein New Age auf dieser Erde. Jesus ist mit uns bis ans Ende dieses Zeitalters. Till the end of this age. Und dann- kommt er wieder.


Ich kann verstehen, dass wir alle da sein wollen. Aber weder können wir das Königreich beschleunigen, erbauen noch beherrschen. Wir können es erwarten und darauf vertrauen, dass es kommen wird. Dass er kommen wird. Möge unser König, Freund und Herr uns dann antreffen mit offenen Herzen und kindlicher Klugheit.


Mit nachdenklichen Grüßen, ganz viel Liebe und dem Wunsch, dass ihr nicht verwirrt werdet. Wisst ihr...ich habe die Schublade schonmal aufgemacht. Sah super aus, was da lag. Und dann enthüllte es seine Dunkelheit- wie Extasy Pillen, wie Heroin, wie alles, was so verlockend aussieht und uns am Ende doch nur binden will. Lasst den Ring der Macht liegen, wenn er euch angeboten wird. Er ist dazu gedacht,"sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden, im Lande Mordor, wo die Schatten drohn" (J.R.R. Tolkien). Und auch dieser Ring...sah erstmal unscheinbar, schön und irgendwie faszinierend aus.


Segen, Sibylle.


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