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Das Vaterhaus Gottes- willkommen Zuhause.

Aktualisiert: 2. Mai




"Jeder, der sein Haus, seine Geschwister, seine Eltern, seine Kinder oder seinen Besitz zurücklässt, um mir zu folgen, wird dies alles hundertfach zurückerhalten und das ewige Leben empfangen. 30 Viele, die jetzt einen großen Namen haben, werden dann unbedeutend sein. Und andere, die heute die Letzten sind, werden dort zu den Ersten gehören.« (Mt 19,29)



"Ich will ihnen in meinem Hause und in meinen Mauern einen Ort geben und einen bessern Namen denn den Söhnen und Töchtern; einen ewigen Namen will ich ihnen geben, der nicht vergehen soll." ( Jesaja 56,5)


&

"Wer ohne Christus lebt, steht draußen vor der Türe des Vaterhauses; obdachlos auf der Straße"
(Ambrosius von Mailand)

Meine lieben Freunde,


es ist lange her, dass ich verletzt und irritiert das Haus einer Freundin verließ.


Jung war ich, und sehnsüchtig wartete ich auf den Mann, den Gott mir an die Seite stellen würde.

Der Anruf war spontan gekommen. Eine gute Bekannte meldete sich aufgeregt bei mir in ihrer überenthusiastischen Art, eine weltbekannte Predigerin aus den Staaten habe zugesagt, in ihrem Wohnzimmer ein exklusives Teaching zu geben. Es ginge um die richtige Partnerwahl, und "das sei doch auch mein Thema". Es sei eine unerreichte Ehre, dass sie, die so viel Salbung trage, dies anbiete.


Also ging ich hin, leicht irritiert von diesem Leiterkult, der diese Worte begleitete. Die Frau, der ich begegnete ( und von der ich bis dato noch nie etwas gehört hatte) war reich. Offensichtlich steinreich, das verriet ein Blick in ihr selbstzufriedenes Gesicht, auf ihre Goldklunker und ihre Designer Kleidung sofort.

Forschend blickte ich in ihre Augen- und fand Kälte. Nein, ich mochte sie nicht. Sie wirkte so selbstüberzeugt, dass es schon an Arroganz grenzte.


Mit gönnerhafter Miene begann sie, uns die Anweisungen zu geben, nach denen wir unsre zukünftigen Ehepartner auswählen sollten:


"Ihr wollt einen gottesfürchtigen Mann, keinen, der Kompromisse eingeht."


"Ihr müsst ihn ( mit einem aufgesetzten Kichern) attraktiv finden, es bringt ja nichts, wenn ihr später mit ihm aufwacht und denkt: "Ach du meine Güte!". Nein, körperliche Anziehung ist auch wichtig! Einen hässlichen Mann will doch keiner!"


"Ihr wollt einen Mann, der seine Sachen zusammenhat und keine versteckte Sünde mit sich herumträgt. Ihr wollt keinen Alkoholiker und ihr wollt, dass er sich reingehalten hat. Und natürlich wollt ihr niemanden, der ein Problem mit Pornographie hat!"


"Ihr wollt einen Mann, der euch versorgen kann. Der euch beschützen kann. Kein Muttersöhnchen!"


Bis hierhin sah ich die Checkliste noch- zumindest irgendwie- ein. Ein wenig viel äußere Faktoren und sehr viel Moral, dachte ich. Von Liebe und Verbundenheit war keine Rede. Irgendetwas war schief. Es kam mir mehr vor wie der Basar zum Erwerb eines Zuchthengstes- aber- nun gut. Sie war ja ...gesalbt! Eine große Leiterin!


So zumindest sagte meine Bekannte, die mit strahlenden Augen an ihren Lippen hing. Vielleicht...war ja ich das Problem...


Doch dann passierte es: Als letzten Punkt holte sie zum Rundumschlag aus.


"Natürlich müsst ihr seine Familie kennenlernen. Ihr wollt selbstverständlich nicht, dass sich Generationsflüche auf euch übertragen! Ihr wollt keinen Mann aus einem unchristlichen Haus! Und ihr wollt auch nicht einen Mann mit zerrütteter Vergangenheit! Glaubt mir, ihr Lieben, da draußen gibt es genug gute Häuser, aus denen ihr euch einen Mann wählen könnt! Ihr braucht kein Wrack. Wenn seine Familie ein Desaster ist, dann dreht euch rum und geht. Sowas braucht ihr nicht, ihr seid mehr wert. Gott will euch mit besserem segnen!"


Wie ein Schlag ins Gesicht waren ihre Worte.


Ruckartig stand ich auf, schnappte meine Jacke und floh vor die Haustüre. Tränen schossen mir in die Augen, mein Herz raste in Schmerz und unerträglicher Scham. "Nein!" tobte es in mir, "nicht schon wieder!"

"Niemals, Jesus", wimmerte ich kurzatmig- niemals werde ich einen christlichen Mann finden."


Die ganze Scham meiner niedrigen Herkunft, der zerrütteten Familie, der Armut und Ausgrenzung schwappte wie eine riesige Welle über mich und hielt mich gefangen. Unerreichbar der Traum, für Jesus zu leben und es besser zu machen. Unerreichbar die Vision, zu der Frau werden zu dürfen, als die er mich geschaffen hatte. Unmöglich- einen Mann zu finden, mit dem ich für Jesus leben konnte. "


"Nicht für dich. Es gibt Frauen aus besserem, heiligerem Hause. Genügend."


Alkoholismus. Krankheit. Streit. Armut. Fehlender christlicher Stammbaum. Nichtgläubige Geschwister. Und eine Mutter, die ein Herz war, aber -schwerbehindert. Und ich selbst- war auch nicht die reine Jungfrau, die hier propagiert wurde als das Maß aller Dinge. Wertlos. Inakzeptabel. Schmuddelkind. Mein "nicht würdig sein" der guten Gaben des Vaters- wurde mir wie mit einem Füllhorn der Verfluchung über den Kopf gegossen.


"Wenn es das ist, was zählt, Jesus- dann werde ich immer einsam sein. Wenn das die Kriterien sind für eine gute christliche Ehe, dann habe ich nichts zu bieten. Ich habe nur dich. Ich habe nur mein Herz voller Liebe und Sehnsucht zu dir. Zählt das denn garnichts?"


Selten fühlte ich mich leerer, bedeutungsloser und wertloser als an diesem Tag.



Die Herkunft. Das Haus, aus dem du kommst.


Bist du Esel oder Rennpferd? Deine Herkunft entscheidet. Bist du aus gutem Hause, oder bist du Kind einer alleinerziehenden Mutter? Ein Heimkind?


Waren deine Familienverhältnisse gesegnet oder zerstört? Bist du behütet oder ungeschützt aufgewachsen? Gab es Liebe und Sorglosigkeit oder Mangel an allem?


Von frühester Kindheit an wirst du definiert über das, was deine Familie repräsentiert. Über die Kleidung, die du trägst, den Stadtteil, aus dem du kommst: Bist du reich? Bist du arm? Fährst du mit auf Skifreizeit? Trägst du Diesel, Benetton, Camp David -oder trägst du Second hand oder Billigware aus China? Ist dein Vater Arzt oder Straßenfeger? Ist deine Mutter Managerin oder Putzfrau?

Dein Status entscheidet über deinen Wert in dieser Gesellschaft. Und wenn du ihn nicht erfüllst, dann bist du wertlos- ist das Urteil dieser grausamen, gefallenen Welt. All das Gute, Erstrebenswerte, Schöne, das anderen zuteil wird, scheint unerreichbar fern, während du zurück in deine Ecke kriechst, von der aus du nur sehnsüchtig und traurig zusehen kannst.


Eine Wunde wurde aufgebrochen an diesem Tag.


Nein, diesen verlangten Stammbaum konnte ich nicht bieten.

Dafür hatte ich eine Menge Kämpfe, Irrwege, Zielverfehlung und Leid im Gepäck. Eine Menge Angst und ein chronisches Gefühl, zu kurz gekommen zu sein, während die Welt mir alles abverlangte.

Und nun- brach auch noch die Zusage Gottes, dass alleine seine Gnade für mich zählte- oder zumindest schien es so. Hoffnungslosigkeit. Aufgeben. Resignation. "Der Schandfleck der ich bin geht besser zurück in die Gosse, woher er kommt. Wie konnte ich denken, es gäbe Gutes für mich?"


Bis heute steigen Tränen in meine Augen, wenn ich daran denke. Und ich denke, vielen, vielen geht es ebenso.


Was ist meine Identität? Wohin gehöre ich? Und kann man mich mit meiner Geschichte überhaupt lieben?

Es ist die eigene Bedürftigkeit, die eigene Gebrochenheit, die einem begegnet, wenn man auf solche Weise beurteilt wird. Doch ist es gerechtfertigt? Nein. Es ist die schlimmste Irrlehre, die in christlichen Kreisen existiert.


Es ist eine Schande, dass man in christlichen Kreisen für seine Herkunft beurteilt wird; dass man sogar von Generationenflüchen spricht, die sich durch die Familiengeschichte des Partners auf einen übertragen. Nicht umsonst hat Gott an die Stelle einer solchen Sippenhaft die Eigenverantwortung gesetzt:


Wie kann ein Kind Gottes noch unter Gottes Fluch, Gottes Zorn stehen? Wie kann ein Kind Gottes für die Verfehlungen seiner Vorfahren verantwortlich gemacht werden?



"Denn nur wer sündigt, der soll sterben. Der Sohn soll nicht tragen
die Schuld des Vaters, und der Vater soll nicht tragen die Schuld des
Sohnes, sondern die Gerechtigkeit des Gerechten soll ihm allein
zugutekommen, und die Ungerechtigkeit des Ungerechten soll auf ihm
allein liegen." (Hesekiel 18,20)

"So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind. 2 Denn das Gesetz des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus, hat dich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes. " ( Römer 8,2)


Doch es offenbart auch etwas, das nicht verstanden ist:


All das, was vorher war, was ohne Jesus war, es ist reingewaschen in seinem Blut. Es war, es ist nicht mehr. Für Gottes Kinder darf nicht mehr zählen, woher du kommst oder was geschah. Du wirst in ein neues Haus eingesetzt, eine neue Herkunft. Und zerschunden, wie du bist, wirst du ins Vaterhaus gebracht, neu eingekleidet und geheilt. Du trägst jetzt den Siegelring seines Hauses, den Siegelring des neuen Lebens in Jesus, und auf ihm steht:


"Gerettet aus Gnade und dem Haus Gottes hinzugefügt."


Deine Identität liegt künftig in ihm, in ihm allein.


Und in seinem Haus gibt es keine Hierarchien der besseren und schlechteren. In seinem Haus gibt es Geschwister, die alle auf demselben Wege dieser schützenden Burg hinzugefügt wurden- und keiner fand jemals den Weg alleine dorthin.


Der Zugang zu diesem Haus, der einzige Weg war das Eingeständnis des eigenen Scheiterns. Der einzige Weg in das größte, schönste, ehrenvollste Haus der Ewigkeit ist Jesus und die Annahme seiner Gnade:


" Da ist weder Grieche[6] noch Jude, Beschneidung noch Unbeschnittensein, Barbar[7], Skythe[8], Sklave, Freier, sondern Christus alles und in allen." (Kolosser 3,11 Elberfelder) 


Doch jetzt gehörst du diesem Haus an. Er hat dich beim Namen gerufen, du bist sein- für ewig.

Du bist nicht mehr, als was dich die Welt definierte. Du bist nicht mehr, was deine Herkunft dir vermittelt. Du bist nicht mehr, was dir geschah, was du tatest, wo du scheitertest, und auch nicht das, was dich mit Stolz erfüllte. Jetzt bist du Teil des Vaterhauses Gottes. Hier liegt deine Identität allein.


Was ist das für ein Haus?


Ein reiches! Ein freudiges! Ein liebevolles! Mit einem gerechten Vater, der so groß und mächtig ist, dass es schon angsteinflössend sein könnte, wenn- ja, wenn er nicht die Liebe in Person wäre. Das Haus eines Vaters, der alle Fäden in der Hand hält. Ein Haus, in dem du lernen sollst, was es heißt, ein Kind Gottes zu sein.


Lebst du in seinem Haus?

Nein. Du bist ausgesendet. Du bist eingekleidet, du bist als sein Kind ausgewiesen. Aber du bist noch nicht in sein Haus gebracht worden. Jesus hat dich zurückgelassen- aber nicht verwaist. Er hat dir den Tröster, den Anwalt, den Lehrer an die Seite gestellt, den du brauchst. Den Heiligen Geist selbst. Er hat darum gebeten, dass der Vater dich bewahren möge. (Joh 17).


Warum aber musst du noch eine kleine Weile in der gefallenen Welt leben?

Weil es viele, viele gibt, die genauso gesagt bekommen wie du, dass sie nichts wert sind. Weil es viele gibt wie dich, die falsche Wege wählten. Und weil es viele Pharisäer gibt, die die Tür zum Vaterhaus geschlossen halten, aus Hochmut, Arroganz und Eitelkeit. Und deine Aufgabe ist es, in deine Identität hineinzuwachsen, dem Vater zu vertrauen, dich von ihm versorgen zu lassen und auf seine Versorgung und Vollmacht zu vertrauen, während du dich um die kümmerst, in deren Gesichtern du liest, wie sie leiden. Wie verloren sie sind.


Denn der Vater will, dass sie alle gerettet werden.


Der Mann, den ich schließlich traf, der an meiner Seite ist seit nunmehr 15 Jahren, mit dem ich eine christliche Ehe führe seit nunmehr 13 Jahren, war die perfekte Wahl Gottes. Es war ihm egal, was oder wie meine Familie aufgestellt ist- auch er hat seine Verletzungen. Er ist nicht perfekt- und ich bin es auch nicht. Das schöne ist, dass wir das voneinander auch garnicht erwarten. Oft hält er ein Wissen, das ich nicht halte- und ich eines, das ihm fehlt. Und über allem wissen wir, dass wir Jesus gehören. Und dass er das unvollkommene perfekt macht- solange wir unser Bestes geben, und solange wir lieben.


Was es bedeutet, diesem Vaterhaus anzugehören, welche Versorgung du erwarten darfst, was die Ziele sind und wie du in deine Aufgaben findest- darum geht es diese Woche in den täglichen Wochenthema- Beiträgen auf meiner Facebookseite und in den Community Gruppen:


https://www.facebook.com/Sibyllezion


Und sicherlich auch in den nächsten Blogbeiträgen.


Sei gesegnet,Kind Gottes. Du gehörst dem Vater, also lass dich nicht belügen, berauben oder bestehlen.


Sibylle bat Jahwe.


Quellen:

Bibelstellen: Hoffnung für Alle, zitiert nach: www.bibleserver.com

Foto: Pixabay

Lobpreis: "Beloved"; Seth &Rachel Enos.

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