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Das Vaterherz Gottes

Aktualisiert: 3. Jan.











Meine lieben Freunde,


"Ich kann diesen Widerspruch auch nicht auflösen zwischen dem rachsüchtigen Gott des Alten Testaments und Jesus. Er hat zwei Seiten, und das müssen wir aushalten.Und auch im Neuen Testament finden sich diese Aussagen über Gottes Strenge und Strafe. Gott ist nicht nur gnädig, und für uns Menschen oft unverständlich"

Das Gespräch, in dem dieser Satz fiel, ist viele Jahre her. Ich war in meinen Zwanzigern, blutjung aus heutiger Sicht. Es war ein Freund, der diesen Satz sagte, in seiner Ausbildung zum Theologen und freikirchlichen Pfarrer. Ich denke oft an diese Aussage. Ich war (und bin es heute noch viel mehr) überzeugt, dass Gott gut ist. Ein Vater. Unendliche Liebe. Und doch waren da die Strafgerichte im Alten Testament, die klaren Regeln- das Gesetz.


Der jüdische Gott. JAHWE.

Ein Gott mit zwei Seiten, fürwahr. Ein Gott, der Plagen schickt über die Ägypter und den erstgeborenen Sohn aller tötet, die nicht zu ihm gehören. Ein Gott, der eine Sintflut über die ganze Erde schickte, nur Noah und seine Familie rettend- und Tiere. "Was ist mit den ganzen Kindern?" fragen wir uns entsetzt. Wie soll man einem solchen Gott vertrauen? Wie kann man damit umgehen, dass Moses, ein einziges Mal versagend und sich anstelle Gottes setzend, das gelobte Land, das Land seiner Verheißung nicht betreten durfte?

"Und Mose nahm den Stab ⟨von dem Ort⟩ vor dem HERRN, wie er ihm geboten hatte. 10 Und Mose und Aaron versammelten die Versammlung vor dem Felsen; und er sagte zu ihnen: Hört doch, ihr Widerspenstigen! Werden wir für euch Wasser aus diesem Felsen hervorbringen? 11 Und Mose erhob seine Hand und schlug den Felsen mit seinem Stab zweimal; da kam viel Wasser heraus, und die Gemeinde trank und ihr Vieh. 12 Da sprach der HERR zu Mose und zu Aaron: Weil ihr mir nicht geglaubt habt, mich vor den Augen der Söhne Israel zu heiligen, darum sollt ihr diese Versammlung nicht in das Land bringen, das ich ihnen gegeben habe. 13 Das ist das Wasser von Meriba, wo die Söhne Israel mit dem HERRN stritten und er sich an ihnen heilig erwies."

(4. Mose, 9-13, Elberfelder Übersetzung, Hervorhebung Autor)


Angst vor Gott, Ablehnung von Gott. Die Annahme, dass er uns nur sieht, "wenn es ihm gefällt".

Gottesferne. Gesetzlichkeit.


All das hinterlässt in uns eine Wüste. Der frühere Leiter von Steiger International Minneapolis Mark Johnson hat mal gesagt, dass es unsre natürliche Bestimmung ist, in Gemeinschaft mit Gott zu leben. Die letzte Antwort auf unsre Fragen. Dass wir dazu erschaffen sind. John und Stasi Eldredge ergänzen, dass der Ruf unsrer tiefsten inneren Sehnsucht, dieser undefinierbar schmerzhafte Ruf unsres Herzens in dem Wunsch nach Einheit mit Gott begründet ist. Wir wollen glauben, dass Gott gut ist. Unser Vater. Jemand, der uns annimmt und sich an uns erfreut. Jemand, der uns liebt, obwohl er uns kennt.

Dieser Zwiespalt ist eine Frage, mit der ich mich lange auseinandergesetzt habe.


Was mir dabei auffällt, ist immer dasselbe: Egal ob Adam oder Eva, egal ob Moses oder Gideon: Was sie nicht getan haben an dem Punkt, an dem sie es vermasselt haben,- es war, sich in Sack und Asche zu hüllen. Sie haben nicht -um Verzeihung gebeten.

Ich frage mich, was wäre denn passiert? Was wäre passiert, wenn Adam und Eva die Schuld nicht auf die Schlange abgewälzt hätten? Was wäre passiert, wenn Moses erwidert hätte: "Oh mein Schöpfer, was habe ich getan? Vergib mir!


Was wäre geschehen, wenn Gideon, der es vordem so, so gut gemacht hatte, um Verzeihung gebeten hätte, nachdem er wider besseren Wissens den Götzen erschaffen hatte, der erneut zur Anbetung von toten Idolen führte?


Wir wissen es nicht. Wir wissen aber, dass David anders war. David hat viel vermasselt. Seine unersättliche Begierde, wenn es um schöne Frauen ging, machte ihn nicht nur zum Ehebrecher, sondern auch zum Mörder. Moses Unbeherrschtheit hatte ihn schon einmal aus dem Land vertrieben, damals, als er den Sklaventreiber seines Volkes erschlug.

Ich glaube, dass es die größte Überwindung für uns Menschen ist, an Vergebung zu glauben. Wir erklären, finden Ausflüchte, versuchen es, irgendwie wieder gut zu machen. Aber wir gestehen Fehler nicht gerne ein. Lieber leben wir mit den Konsequenzen und lassen uns immer weiter von Gott wegtreiben, als dass wir unsre eigene Fehlerhaftigkeit eingestehen, eigene Fehleinschätzungen, eigenes Herrschen-wollen.

Wir verdammen uns selbst in die größte Dunkelheit. Wir rechtfertigen uns selbst. Wir glauben, dass Vergebung von Gott nicht gewährt wird.


Die Strafgerichte, die Gott im Alten Testament über die gefallene, von ihm so entfernte Welt schickte, waren unaussprechlich grausam. Immer wieder fallen dabei dieselben Sätze: "Mein Volk hat mich vergessen. Mein Volk trinkt aus falschen Quellen. Mein Volk rennt toten Götzen hinterher. Mein Volk sucht überall nach Glück und Geborgenheit, nur nicht bei mir."

In diesen Urteilen lässt Gott die Abwesenheit von Liebe zu. Seine Abwesenheit. Um uns zu zeigen, wie das Leben ohne ihn ist.


Ich liebe die Geschichte von Jona. Schon immer. Gott, der einlenkt, als sich Ninive ihm wieder zuwendet und um Verzeihung bittet. Sehr theatralisch, mit wochenlangem Fasten und Wehklagen. Er erbarmt sich. Das Strafgericht bleibt aus. Er ändert seine Meinung, als er sieht, dass seine Menschen sich ihm wieder zuwenden.


Nein, Gott ist nicht zwiespältig noch doppelzüngig. Gott ist auch nicht unberechenbar in seinem Wesen. Gott ist ein liebender Vater, der sich erbarmt. Er ist ein Vater, der konsequent ist und der seine Kinder nicht nur in der Liebe läutert und führt, sondern auch in die Gerechtigkeit und dazu, dass sie aufrechte und verlässliche Menschen werden, die lernen, einander zu lieben.

Im Gleichnis vom verlorenen Sohn hat der Sohn, nachdem er es so richtig an die Wand gefahren hat, einen tollen Plan der Wiedergutmachung in der Tasche: Er will sich verdingen als gelernte Fachkraft bei seinem Vater, das Erbe zurückzahlen, seinen Status als Sohn aufgeben und für den Vater arbeiten.

Dr. Kenneth E. Bailey sagt, dass das den Gesetzen des Judentums entsprach. Dass die zuhörenden Pharisäer in diesem Moment applaudierten. Wiedergutmachung, Rückzahlung, Verzicht. Natürlich war es nicht möglich in ihren Augen, dass nach einer solchen Entehrung des Vaters der Sohn irgend etwas anderes erwartete. Die Aussage:"Zahle mir mein Erbe aus" entspricht im nahöstlichen Kulturraum der damaligen Zeit (und auch noch heute!) der Aussage: "Fall tot um, Alter!"


Der Vater jedoch...er reagiert anders. Das Dorf ist aufgebracht über das Fallen des Sohnes. Als wohlhabender Mann wird der Vater innerhalb des Dorfkerns gewohnt haben. Die Rückkehr des Sohnes würde ihn durch das ganze umliegende Dorf geführt haben. Dass der Vater ihm entgegenläuft, rennt, es ist undenkbar. Er entwürdigt sich vor den Augen des ganzen Dorfes bis aufs Äußerste, um seinem Sohn die Demütigung zu ersparen, die damit verbunden ist, von den Dorfbewohnern bespuckt zu werden. Er nimmt diese Demütigung auf sich, in dem er sein Gewand so weit hochzieht, dass man die Unterwäsche sieht und rennt. Beides geht im jüdischen Kontext nicht. Ein erwachsener Mann rennt oder eilt nicht. Er schreitet würdig. Ein erwachsener Mann hebt nicht sein Gewand! Er achtet darauf, dass es ansehnlich hinter ihm her wallt!

Dem Vater ist das egal. Die Liebe ist so groß, dass er auf seine Ehre verzichtet, um seinem Sohn Schmerz zu ersparen.

Der Sohn im Gegenzug- er ist überwältigt von dieser unerwarteten Liebe- und akzeptiert sie. Kein Wiedergutmachungsplan mehr. Unendliche Liebe raubt ihm jede Möglichkeit der Selbstrechtfertigung. "Ich bin unwürdig"- sagt er- "unwürdig deiner Liebe." Und lässt sich umarmen.

Es ist eine unübersehbare Parallele. Ein Herz, das blutet für die, die verloren sind. Das sich nach Versöhnung und Wiederherstellung sehnt. Das Wunden verbindet und heilt.

Das ruft und warnt. Und sich bis zum Äußersten entblößt, um den verirrten Sohn wieder in die Arme zu schließen.

Die Theologie nennt das: Die Überschattung des Kreuzes.

Warum schreibe ich das heute?

Weil wir, wenn wir Heilung wünschen, vertrauen müssen. Weil wir das Vaterherz Gottes sehen müssen. Weil wir aufhören müssen zu glauben, dass Gott uns doch vielleicht verdammt. Er hat in einem schon schier verzweifelten Akt Jesus sterben lassen, ungerechtfertigt, Schuld tragend, die nicht seine war, auf ihn gepackt durch das ungerechtfertigte Urteil, durch die Wut der Bürger, weil er ihre Pläne und Ansprüche auf ein weltliches Königreich (zu diesem Zeitpunkt) nicht erfüllte. Er hat die Wut und Ablehnung, das falsche Gottesbild bis zur Schmerzgrenze vor Augen geführt. Die Dunkelheit, die Lüge. Die Selbstsucht und die Ferne.

"Vergib mir" sagte der Sünder am Kreuz, und war noch in derselben Stunde wie Jesus im Königreich des Vaters. Gott hat alles gegeben, um uns seine Liebe zu zeigen. Das einzige, was er erwartet, ist ein einziges "Vergib mir".


Vergib mir, dass ich dachte, du wärest nicht genug. Vergib mir, dass ich daran gezweifelt habe, dass du Liebe bist. Vergib mir, dass ich mich vor dir verschanze. Vergib mir, dass ich mein Herz verhärte, um durchzuhalten, statt zu dir zu kommen. Vergib mir, dass ich nicht vertraut habe. Und vergib mir, dass ich anderen nicht vergebe, sondern sie mit einer Härte verurteile,die doch nur meine Schwäche zeigt.

Gott ist gut. Seine Arme sind immer offen.

Wir, die wir in der Gnade leben, sollten lernen, dass Gott nichts zurückhält, nicht verdammt. Und dass, wenn Jesus von Heilung spricht, er Heilung meint.

Wie tun wir das?

Indem wir unsre Herzen öffnen und nicht verhärten. In dem wir annehmen, dass Gott Liebe ist. Und wenn er Liebe ist, dann dürfen wir mit allem zu ihm kommen und bitten, das, was wir vermasselt haben,wieder in Ordnung zu bringen. Das, wo andere uns verletzt haben, wieder zu bereinigen.

Das, wo wir glauben, nie wieder heil werden zu können, ihm zu überreichen.


Denn wisst ihr? Der Sohn...er hat gestunken. Er war voller Schlamm. Er war erschöpft und hungrig, als er zuhause ankam. Er wurde gebadet. Er wurde neu eingekleidet. Er wurde vorm Zorn seines älteren Bruders beschützt. Er erhielt seinen Siegelring zurück. Einmal zurück, war die Fülle wieder sein.

Und wir? Wir sind versöhnt. Wir sind gerechtfertigt durch Jesus. Miterben seines Reiches. Gottes Kinder. "Covered with your precious blood, Jesus", heißt es im englischen Sprachraum.

Neues Herz. Neuer Geist. Neues Leben. All das- ist immer nur einen Schritt entfernt.

Was also war der große Unterschied, den David machte?


Oh, er glaubte, dass Gott gut ist! Und Umkehr fiel ihm nicht schwer. Er fiel. Er versagte. Und wusste sich doch "Freund Gottes geheißen." Und deswegen war er so offen mit Gott. Er hatte keine Angst vor ihm. Er betete ihn an. Er liebte ihn. Als er zu Gott zurückkehrte, nachdem er so tief gefallen war, flehte er um seine Liebe. Und empfing sie. Und so tun wir es auch.



INTERAKTIV

Wochenchallenge:

- In welchen Punkten haderst du mit Gott als Vater?

-Wo überlagert das Vaterbild, das dein irdischer Vater dir vermittelt hat, die perfekte Gnade und Güte Gottes?

- In welchen Bereichen weichst du lieber aus, als um Vergebung zu bitten- nicht in Selbstkasteiung, sondern in der Erwartung von Güte und Liebe, Heilung und Fülle?

- Kannst du dir vorstellen, dass Jesus Opfer dir wirklich die Chance auf ein neues Leben in Liebe geschenkt hat oder sitzt du innerlich immer noch am Schweinetrog und schmiedest Wiedergutmachungs-Pläne? Dann geh nach Hause. Dein Vater läuft dir entgegen.

Wochengebet:

Liebster Vater. Jesus. Heiliger Geist.

Ich danke dir für jede Einzelne, die du zu diesem Artikel geführt hast. Wir danken dir für deine Güte, für deine Liebe, deine Freude über uns.Wir danken dir, dass du der perfekte Vater bist, der uns nicht verdammt, sondern zu sich ziehen will- mehr und mehr.

Jesus, wir danken dir für dein Opfer, deine Auferstehung und Himmelfahrt. Wir nehmen diese dankbar an und lieben dich. Danke, dass du all das, was wir vermasseln, bereits gesühnt hast. Danke dafür, dass wir in dir befreit zum Vater kommen können. In dir leben wir und finden Frieden. In dir wachsen wir und sind geliebt und geschützt. Danke für deine Perfektion in uns durch den Heiligen Geist.

Jesus, fülle uns mit deinem Heiligen Geist. Fülle uns zum Überfluss mit deinem Leben, deiner Weisheit, deiner Gnade. Ich bitte dich für alle, die du hierher geschickt hast um eine neue, eine frische Offenbarung des Vaterherzens. Ich bitte um Heilung und um das behutsame Öffnen von Herzen, da, wo sie verhärtet sind- durch Verletzung, Trauma, Dunkelheit, Scheitern, Selbstanklage, Versagen. Heiliger Geist, fülle uns, lehre uns, liebe uns gesund. Lass es hell werden in uns und gieße deine Hoffnung, deine Wahrheit, deine Schönheit, deine Freundlichkeit in unsre Herzen aus.

In deinem Namen Jesus, der kostbarer ist als alle Diamanten. Amen.


...wisst ihr....damals, als Gott sagte, es sei Adam und Eva verboten, vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen...ich bin überzeugt, es war die Warnung eines blutenden Vaterherzens. Sie kannten das Böse nicht. Sie lebten in Frieden und Glück. Gott wusste, was geschehen würde, wenn sie die Dunkelheit erkannten. Und er wollte nicht, dass sie sterben würden. Es war beschützend, beschützende Liebe.


"Und der HERR, Gott, gebot dem Menschen und sprach: Von jedem Baum des Gartens darfst du essen;

17 aber vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, davon darfst du nicht essen; denn an dem Tag, da du davon isst, musst du sterben!" ( 1. Mose 2, 16, Elberfelder Übersetzung, Hervorhebung Autor.)


In Liebe angeboten,

Sibylle


Quellen:

Foto: Pixabay.

Dr. Kenneth E.Bailey, " Lost younger son": Ganze Predigt (englisch): https://youtu.be/5RMUm-hLAlo

John und Stasi Eldredge (Teachings, Podcasts, Daily Reading & more): https://www.wildatheart.org


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