• sibyllezion

Der perfekte Vater.

Aktualisiert: 24. Juni




"Alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts, bei dem keine Veränderung ist noch Wechsel von Licht und Finsternis. "( Jakobus 1,17)
"Niemand hat Gott je gesehen; der Eingeborene, der Gott ist und in des Vaters Schoß ist, der hat es verkündigt." ( Johannes 1,18)
"Verkauft man nicht zwei Sperlinge für einen Groschen? Dennoch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne euren Vater. Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Haupt alle gezählt. Darum fürchtet euch nicht; ihr seid kostbarer als viele Sperlinge." (Mt 10, 29-31)

"Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn es hat eurem Vater wohlgefallen, euch das Reich zu geben." (Lukas 12, 32)


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"Der Gott, der dieses Universum aus dem Ärmel schüttelte, es mit Galaxien und Sternen füllte, mit Pinguinen und Papageientauchern - das ist der Gott, der mit herrlicher Sturheit liebt." (Brennan Manning)
 



Meine lieben Freunde,


Das Verhältnis zu meinem Vater hatte Licht und Schatten.


Ich war ein Papakind.

In den ersten Jahren meines Lebens gab es wohl keinen größeren Helden, als dieser in meinen Augen starke, bärtige Mann, der Schafe hatte und immer ein wenig nach Sägespäne und Pfeifentabak roch. Der kunstvoll in seiner kleinen Schreinerscheune drechselte, und kleine Holzpferdchen aussägte. Dessen starke Arme mich durch die Luft wirbelten und auf den ich sehnsüchtig wartete, sobald die Zeit kam, in der er um die Ecke fuhr- nach einem langen Arbeitstag, nach einer langen Zeit der Abwesenheit auf Montage.


Wenn ich an die ersten Erinnerungen an meinen Vater denke, dann steht er im Garten, und gräbt Beete um. Dann pfeift er. Mein Vater pfiff immer. Volkslieder, Hippielieder, Liedermacher, Kirchenlieder. Seine Augen blitzten übermütig und er liebte es, draußen zu sein. Kartoffelfeuer anzuzünden. Mit seinen Händen zu bauen. Zu säen und zu ernten.


Wenn ich an meine ersten Erinnerungen an meinen Vater denke, dann an gesellige Abende. An Freunde und Lachen. Daran, auf seinem Schoß eingekuschelt gesessen zu haben- stolz auf meinen Papa. Geborgen auf seinen Knien.


Doch wenn ich an meinen Vater denke, dann überschattet sich diese Erinnerung bald. Trennung, Affairen, Strenge und Gleichgültigkeit. Leistungsanspruch und Abwesenheit. Nicht verstehen von Trauer, und ein Anspruch, zu hoch für mich zu erfüllen. Niemanden neben sich duldend.


Wenn ich an meinen Vater denke, dann denke ich an vergebliches Sehnen, an fehlende Unterstützung, an das plötzliche Ausbleiben der Antwort auf die Frage: "Siehst du mich?"

"Nein, du bist mir nicht wichtig. Ich habe vergessen, dass heute Papatag ist und ich habe wichtigeres zu tun." "Nein, ich habe vergessen, dass ein kleines Mädchen auf den Steintreppen sitzt und darauf wartet, als letzte vom Kindergarten abgeholt zu werden."


Auf die Frage: "Bin ich schön?" erschallte als Echo: "Nein, ich bin mir nicht mal sicher,ob du meine Tochter bist." "Nein, du bist trotzig, aufsässig, altklug-, und das, was du leistest, interessiert mich nicht."


Auf die Frage: "Bin ich wert, unterstützt zu werden?" kam die Antwort: "Nur, wenn du auch ablieferst. Wenn du fällst, zweifelst, träumst- dann unterstütze ich das nicht."


Mein Vater hatte zwei Seiten. Und ich fiel bald, sehr bald vom Prinzessinnenstuhl in die Aschenputtel-Rolle.


Meine Eltern hatten sich scheiden lassen.

Und all der Dreck, der dann aufgewirbelt wird, landete ungebremst auf einem fünfjährigen Mädchen. Nie sollte sich das Verhältnis wieder stabilisieren. Die Sehnsucht nach dem Vater wurde zum inneren Kampf, akzeptabel zu sein. Und Scheitern in seinen Augen zur Selbstverdammnis. Ich scheiterte oft. Ich konnte es ihm nicht recht machen. Und irgendwann gab ich es auf, auf Liebe zu hoffen.


"Alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts, bei dem keine Veränderung ist noch Wechsel von Licht und Finsternis. "( Jakobus 1,17)


Keine Veränderung noch Wechsel von Licht und Finsternis.


In 1.Johannes 4,16 steht, dass Gott Liebe ist.

Jesus ist die vollkommene Verkörperung des Vaters.


Lange habe ich mich an Jesus gehalten. Ich habe das nicht verstanden- der Vater, der himmlische Vater war furchterregend. Fordernd. Mächtig. Er hatte die Macht zu erheben und zu vernichten.


Doch Gott ist der perfekte Vater, die perfekte Liebe.


Jemand, bei dem man weiß, wo man dran ist. Jemand, der nicht mit unbilliger Härte verdammen will. Jemand, der klare Grundsätze hat, der Ungerechtigkeit, Unterdrückung und dunkle, selbstsüchtige Wege nicht duldet, der insofern schon "der Herr im Hause" ist. Aber auch ein Vater, der uns die Freiheit lässt, unsre eigenen Wege zu wählen, während er sehnsüchtig darauf wartet,dass wir zu ihm umkehren, und der dann über alle Sünde hinwegsieht auf das, was wirklich zählt: Das Herz, das ihn sucht. Ein Vater, der uns besser kennt, beurteilen und anleiten kann, als wir uns selbst. Der auf die Frage: "Bin ich gesehen?" antwortet: "Egal, wo du bist, und wie weit du weggelaufen bist, ja, ich sehe dich noch. Ich kenne dich. Jedes einzelne Haar auf deinem Kopf.Du kannst jetzt rauskommen!" Der auf die Frage: "Bin ich schön?" antwortet: "Du bist kostbarer als Rubine. Du bist beim Namen gerufen. Du bist erkannt und gewollt. Du bist mein Kind."

Der auf die Frage : "Bist du stolz auf mich? Bin ich eine Freude für dich?" antwortet:

"Du bist mir wertvoll, und ich sehe dich mit Freude wachsen. Was du nicht kannst, rechne ich dir nicht zu. Meine Weisheit und mein Ratschluss sind immer da. Meine Versorgung ist immer da. Und ich werde dich stoisch weiterlieben"



"Die Güte des HERRN hat kein Ende,[1] sein Erbarmen hört niemals auf, 23 es ist jeden Morgen neu!" ( Klagelieder 3,22)


Wir sind es gewohnt, dass alle Güte irgendwann auch mal erschöpft ist.

Alle Liebe hat ein Ende, und wir reagieren ungehalten und hart auf die Kämpfe unsres Nächsten. Zudem ist es allgemeiner Konsens, dass Unterstützung nur solange gewährt wird, wie eine bestimmte Altersgrenze nicht überschritten ist. Wer erwachsen ist, hat seine Angelegenheiten selbst zu regeln. Eigenverantwortung- an anderer Stelle gerne abgelehnt, wird ganz groß ausgerufen, sobald es um eigenständiges Leben und Selbstversorgung geht- und damit auch um das Ablegen von Verantwortung, Unterhaltszahlung und Hilfestellung . Mit Argwohn werden alle betrachtet, die es bis dann nicht auf die Reihe bekommen haben- in welchem Bereich auch immer. Die elterliche Hilfe weicht Kritik. Beurteilung. Missgunst.

"Nun, wer solche Entscheidungen trifft, muss mit den Konsequenzen eben leben!"


Gott- ist so nicht.


Gott bleibt lebenslang verfügbar. Er wartet mit liebenden Armen auf alle, die sich immer wieder verlaufen. Seine Güte ist jeden Tag neu.

Unveränderlich liebt Gott uns durch alles innere Chaos, alle äußere Rebellion, alle Konflikte durch- solange wir- ja, solange wir in seinem Haus wohnen bleiben. Solange unser Herz ihn liebt. Und selbst wenn wir unsren Glauben drohen zu verlieren, haben wir die Zusage, dass Jesus für uns einsteht. Uns nicht loslässt. Für uns ist, und niemals gegen uns. Selbst wenn wir untreu werden- bleibt dieser Vater uns treu.


Sein Wesen hat er in verschwenderischer Schönheit offenbart. Eine unendliche Vielfalt an Tieren, an Landschaften, atemberaubende Harmonien, unbegreifliche, festgesetzte Naturgesetze, er, der all das geschaffen hat, in unfassbarer Kreativität und mit großer Liebe zum Detail- er ist unser Vater.

Großzügigkeit und Schönheit verkörpert er, Vielfalt liebt er, unermesslich freigebig ist er. Humor schlägt uns entgegen- und Zärtlichkeit. Ein wachender Vater, der eifersüchtig ist, der seine Kinder nicht teilen will mit Dieben und Zerstörern. Ein bewahrender Vater ist er- ein Vater, der uns beschützen will, und doch die Freiheit gibt, zu wachsen. Ein Vater, der uns aus aller Verstrickung mit Dunkelheit und Selbstverliebtheit befreien will, der falsche Selbstbilder auflöst, und der den Lügen alter Verletzungen zuruft:


Du bist gewollt! Du bist gesehen! Du bist schön! Ich habe einen Plan für dich!


Unser Bild wird vom himmlischen Vater ist überlagert und gestört. Von dem, wie wir Vaterschaft erlebt haben, von dem, welcher Mangel in uns aufkommt, wenn wir an Väter denken. Von dem aber auch, was das alte Testament an Strenge und Strafe für Sünde vermittelt.


Doch Jesus- hat den Weg zur Versöhnung freigemacht. Keine Verdammnis mehr, ist das Versprechen. Keine Strafe mehr. Dein Fehlverhalten wurde gesühnt. Was bleibt- ist Liebe und Annahme. Ein Vater, der da ist, der verfügbar ist.


Ich habe lange gekämpft mit dieser Tatsache. Ein liebender Vater, der immer da ist, der mich liebt und sieht- das wirkte wechselhaft. Irgendwo muss doch seine Geduld ein Ende haben mit mir! Bestimmt liebt er mich doch nicht, ich bin doch nicht perfekt genug, nicht gut genug, nicht ...genug.


Ein Vater, der Rat gibt, für mich kämpft, der mich mit Liebe überschüttet, der mir Anteil gibt an allem, was er besitzt- ein Vater, der tröstet, aufrichtet, und mir Dinge erklärt, ein Vater, der mir an der Seite steht in tiefen Konflikten, der mir die Tränen abwischt und der sich über mich freut- dem ich weder zuviel noch zuwenig bin- unvorstellbar fremd.


"Das kann nicht sein!" rumort es in mir, "das ist zu schön, um wahr zu sein."

Und alles stemmt sich in mir dagegen- all die wertvolle Lebenserfahrung, die menschliche Weisheit. "Sei vorsichtig!" mahnt es, "so ist Gott nicht"


Doch dann schaue ich auf sein Selfie. Dann schaue ich auf Jesus- und ich erkenne den Vater.

Und es gibt keinen liebenswerteren, zugewandteren, heilenderen Anblick als den, der uns offenbart wurde.


Gott als den liebenden Vater kennenzulernen- es ist ein Prozess. Ein Prozess, in dem wir konfrontiert werden mit inneren Überzeugungen des Wertlos-seins, unsres Versagens, unsrer Überzeugung, nicht liebenswert zu sein.


Gott als liebenden Vater kennenzulernen, wird uns mit allem konfrontieren, was wir als Selbstbild der Selbstverdammnis aufgebaut haben. Und Stein für Stein wird sich der liebende Vater herabbeugen, sanft die Hände von den Wunden ziehen und nicht nur ein Pflaster, sondern die Salbe bringen, die heilt.


Was wir dafür tun müssen?

Wir müssen wagen, zu vertrauen. Wir müssen wagen, zu glauben. Und wir müssen zulassen, etwas zu lernen, was wir vielleicht nie erfahren haben.


Heute schließe ich mit einem Gebet. Ein Gebet für alle, deren Herzen verwundet sind. Ein Gebet für alle, die immer noch glauben, der Vater sei ein Wechsel zwischen Licht und Schatten.


Ach, mein Vater. Habe ich ihm vergeben?


In all dem Chaos unsrer Beziehung, wisst ihr, in allem Fehlen und in allem Mangel, in allem Versagen und aller Verletzung: Mein Vater war Christ.

Es wird der Tag kommen, an dem ich ihn wiedersehe. Und dann wird all das, was zwischen uns kam, weg sein. Wir werden uns in die Arme schließen, geheilt und wiederhergestellt. Und manchmal, auch, wenn so vieles ungelebt blieb, soviel Schmerz entstand, rieche ich den Geruch von Pfeife und frisch gesägtem Holz. Und dann lächle ich wehmütig und denke: Papa. Wir sehen uns wieder. Und dann machen wir es besser.


Gebet:


" Vollkommener Vater, Abba, lieber Papa. Ich trete vor dich, gerechtfertigt und angenommen durch Jesus, und danke dir, dass ich dein Kind sein darf. Papa, vieles steht zwischen uns. Ich weiß nicht, wie es richtig geht- eine Beziehung zu dir zu haben. Oft scheue ich zurück und warte auf das Donnerwetter. Oft schreibe ich dir Härte zu, die garnicht von dir ist. Oft habe ich Angst vor Zurückweisung, vor Tadel und Verurteilung. Deine Größe erschreckt mich. Ich weiß, wie mächtig du bist, ich weiß, dass ich dein persönliches Eigentum bin. Und doch fällt es mir schwer, deine Liebe und Stärke als etwas nährendes, schützendes und versorgendes zu sehen. Es ist unglaublich, dass ich immer zu dir laufen kann, dass ich nie zu alt werde, um von dir getröstet und getragen zu werden, dass du immer für mich kämpfst und deine Liebe für mich keine Grenzen kennt. Ich danke dir, dass meine Schuld, meine Fehlentscheidungen nicht mehr zwischen uns stehen. Ich danke dir, dass du mich heilen und befreien willst, dass du mich an dein Herz ziehen willst. Ich bitte dich, mir zu zeigen, wie du wirklich bist. In all deiner Schönheit. In all deiner Liebe und Güte. Ich bitte dich, dass du mich versorgst und mich in deine Geborgenheit hüllst. Ich bitte dich, mein Herz dort zu berühren, wo ich deine Liebe nicht zulassen kann. Ich bitte dich, mir zu helfen, mein Bild von dir zu korrigieren. Ich bitte dich, deine Versorgung, deine Freude über mich und deine Pläne für mich annehmen zu können. Zeig mir, dass unser Verhältnis wiederhergestellt ist, und dass nichts und niemand etwas daran ändern kann. Hilf mir, deine Vaterschaft für mich anzunehmen und zu erfahren. Es ist unglaublich, dass du als Schöpfer aller Dinge mich siehst, mich willst, mich liebst, meine Nähe suchst. Dass dich meine Sorgen und Nöte, meine Träume und Sehnsüchte interessieren. Dass du hinschaust, wenn ich dir etwas zeigen will, dass du mit Lob und Anerkennung nicht geizt. Ich danke dir, dass meine Bedürfnisse dir nicht egal sind, dass meine Situation dir nicht egal ist. Und ich bitte dich um eine Offenbarung deiner Liebe, in der ich erkenne, dass du mich wirklich kennst. Begegne mir, Papa. Bitte lauf mir entgegen und beuge dich so weit herab, dass ich mich traue, in deine Arme zu laufen.


Darum bitte ich dich heute. Lass dein lebendiges Wasser fließen und alles wegspülen, was zwischen uns steht. Ich liebe dich, und danke dir für alles, was du bist.


Im Namen Jesu,

Amen.



Quellen:

Lobpreis:Brian Doerksen: "The Father's House: Song for the prodigals.

Die Bibel. Luther Übersetzung. Zitiert nach: www.bibleserver.com

Zitat: Brennan Manning

Foto: Wix.com


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