• sibyllezion

Weiter Raum und ungeteiltes Herz- über die Freiheit, du selbst zu sein.

Aktualisiert: 27. März








"Behüte dein Herz mit allem Fleiß, denn daraus quillt das Leben." (Sprüche 4,23, Revidierte Elberfelder Übersetzung)


"Und ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben; und ich werde das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben." (Hesekiel 36,26, rev. Elberfelder Übersetzung)


"Unser Brief seid ihr, eingeschrieben in unsere Herzen, erkannt und gelesen von allen Menschen;

3 von euch ist offenbar geworden, dass ihr ein Brief Christi seid, ausgefertigt von uns im Dienst, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf steinerne Tafeln, sondern auf Tafeln, die fleischerne Herzen sind." (2.Korintherbrief 3,2 ff, rev. Elberfelder Übersetzung.)


Meine lieben Weggefährtinnen,


ein wenig musste ich schmunzeln, als ich Jesus fragte, wie ich diesen Blog am besten beginnen sollte. Heute ist diese Website fertig geworden, lange habe ich überlegt, konzipiert, bin ausgewichen und habe doch immer wieder nachgesonnen, wie ich das, was ich als Vision nun schon so lange in mir trage, nach Deutschland bringen kann.

Es ist unfassbar, auf welchen Wegen mich Gott in den letzten Monaten geführt hat, damit ich erkenne, wie sehr die Botschaft seiner Liebe bei seinen Töchtern ankommen soll. Und ja, ich bin nervös, habe das Gefühl, dass es einfacher war, diese Botschaft mit jenen zu teilen, die in Amerika leben. Sie sind es sehr viel mehr gewohnt, sich gegenseitig zu ermutigen, ihre Herzen zu teilen und daran zu glauben, dass Gott sich in unsrem Leben immer real bemerkbar macht. Die Art, wie sie ihre Herzen, ihre Kämpfe und ihren Glauben miteinander teilen, ist wirklich erbauend und beeindruckend.


Aber ich lebe hier, so wie ihr auch. Als eine von vielen Christinnen in Deutschland, in dem ständiges Suchen nach dem Haken quasi zum "guten Ton" gehört. Vertraue deinen Träumen nicht. Vertraue dem schmerzhaft-süßen Ruf deines Herzens nicht. Kontrolliere dich. Erfülle den Status Quo. Werde den Anforderungen gerecht. Überprüfe jede Quelle, und vergiss nicht, demütig zu sein! Maß dir nichts an, reihe dich ein. Und deinen Schmerz- den lächle tapfer weg. Warum soll es dir besser gehen als anderen?


Ist es nicht so? Ach, ich lächle. Natürlich ist es so, und es nicht zu sagen, macht es doch auch nicht besser. Meister der echten, unbefangenen Herzlichkeit sind wir nicht gerade.


Als ich vor vielen Jahren auf eine Leiterschaftsschule in Neuseeland kam und dort dreieinhalb Monate verbrachte, fand ich die ständige Ermutigung und Betonung von Schönheit -furchtbar. Automatisch betrachtete ich misstrauisch jeden, der mir mit einem "awesome" oder "you are so beautiful!" entgegentrat. "Da ist was faul im Staate Dänemark", dachte ich leicht ironisch mit hochgezogenen Augenbrauen, "das ist doch alles nur Heuchelei". Ich will Wahrheit. Echtheit. Und ich bin überhaupt nicht "beautiful" heute! Wenn du wüsstest, wie dunkel meine Gedanken manchmal sind. Wie sehr ich innerlich kämpfe. Und außerdem kennst du mich doch garnicht!


Als ich nach drei Monaten zurückkehrte, sah ich das anders. Ganz anders. Die Freundlichkeit, die mich lange getragen und umhüllt hatte, wich wieder dem distanzierten Grau-in Grau der mürrischen Kontrolleure in der Kölner U-Bahn. Plötzlich waren sie wieder da- die distanzierten Abstufungen zwischen Gemeindeschwester, flüchtiger Bekannter, Freundin. Wie dicke Mauern umhüllen Meinungen, Tapferkeit, Standpunkte und Abgrenzung unsre Herzen. Was wir damit bezwecken, ist Selbstschutz. Was wir damit jedoch vermeiden, ist Nähe und Zuwendung. Was wir versäumen, ist Heilung und die Erfahrung, dass Jesus Liebe real ist. Nicht nur zu uns, sondern auch und gerade untereinander.


"Behüte dein Herz mit allem Fleiß, denn daraus quillt das Leben."


Das hebräische Wort, das mit Herz übersetzt wird, ist "lab". Im jüdischen Denken umfasste "lab" alles, was wir heute als inneren Menschen bezeichnen würden. Unser Seelenleben, unsre Einstellungen. Die Art, wie wir auf das Leben zugehen. Unser Denken und Fühlen. Alles, was uns im Innersten ausmacht. Das jüdische Menschenbild unterscheidet nicht zwischen einzelnen Aspekten des menschlichen Seins. Denken heißt wörtlich übersetzt "Nachsinnen in meinem Herzen". Es gibt dort weder eine Abstufung der Gedanken gegenüber den Gefühlen noch ein abstraktes Trennen in Außen und Innen, keine Körperfeindlichkeit. Was ich bin, drücke ich im Außen aus. Die Hände, die arbeiten, sie segnen auch. Wir sind Seelen in einem durch den Sündenfall, durch den Fall der Welt sterblichen Körper. Wir haben nicht eine Seele, wir sind eine Seele. Und durch Jesus sind wir wieder verbunden mit dem richtigen Geist, mit dem Heiligen Geist, der uns Gottes Gebot aufs Herz schreibt. Der Gott ist . Eigentlich- sollten wir doch jubeln, oder? Obendrauf packt Jesus dann noch die Aussicht auf volle Wiederherstellung von allem, also auch von uns persönlich. Sagt, er kommt wieder. Und sagt, er ist bis dahin immer mit uns.


Warum klappt das also nicht, das mit dem Glücklich-Sein? Offenheit fühlt sich an wie nackt auf dem Marktplatz tanzen. Und wenn man sich verletzlich macht, muss man sich nicht wundern, wenn man verletzt wird. Oder?


Vor allem aber hüte dein Herz.

Unser Herz ist das Zentrum unsres Seins. Wenn es aufhört zu schlagen, dann sterben wir. Unser Herz, unser inneres Sein, es lässt uns leben.

Wenn wir verletzt werden, durch jemanden, der uns nahe steht, dem wir vertrauen, dann fühlen wir einen Schlag, einen Stich im Herzen. Ein Feuerpfeil des Satans ist mitten hineingerammt in unser Wohlbefinden, wir sind konfus, fühlen uns verloren.

Jeremia schreibt, dass die Worte Gottes wie Feuer in seinem Herzen brannten.

Geschenke, die von Herzen kommen, schenken uns einen wohligen Schauer der Freude, des Gesehen seins. Worte, die herzlich ausgesprochen werden sind wie ein Wasserquell in der Wüste. Und wenn wir lieben, wird uns warm ums Herz.


Das Problem ist: Genauso oft wird uns das Herz gebrochen. Genauso oft haben wir gehört, dass das, was wir sind, zuviel oder zuwenig ist. In uns drin, so ganz tief, da fühlen wir einen Mangel, den wir glauben, akzeptieren zu müssen. Mit unsrer Geschichte müssen wir halt leben, sagt eine harsche Stimme. Mit unsren Schwächen müssen wir kämpfen, sie ausmerzen. Und wenn wir's versemmeln, dann ist der Ankläger doch der erste, der sagt: "Das hast du dir schon ganz allein versaut!".

Gnaden-los. Herz-los. Un-barmherzig.



Was wäre denn eigentlich, wenn...

Gott gut wäre?

Was wäre denn eigentlich, wenn...

es Wege gäbe, sich selbst zu verstehen?

Was wäre, wenn wir eingeladen wären, Jesus all diesen Schmerz zu bringen, und wenn er tatsächlich befreien würde?

Was wäre, wenn wir Frauen gebraucht, gesehen und erkannt wären?

Was, wenn wir das Recht hätten, uns an Gottes Liebe sattzutrinken und bis zum Übermaß gefüllt würden?

Was wäre, wenn Gott gar nicht fern, sondern hautnah wäre, wenn der Heilige Geist immer in uns wäre, und wir diejenigen sind, die ihr Herz abwenden? Aus Angst, Scham, aus Stress oder Rebellion?

Was wäre, wenn du genau so gedacht wärest, wie du bist, und das Ziel keine andere Version von dir, sondern eine gesund geliebte wäre?


Mit diesen Fragen beschäftigt sich dieser Blog in den nächsten Wochen. Grundlage all dieser Überlegungen sind drei Bücher: "Becoming myself" von Stasi Eldredge (deutsche Version nur Kindle: "Werden, wie du mich siehst", Brunnen Verlag Gießen), Kenneth E. Bailey: "Jesus war kein Europäer", (SCM Verlag 2016) und natürlich die Bibel. Doch zuallererst meine persönliche Liebesbeziehung zu Jesus und alles, was er noch dazu zu sagen hat.


Bist du dabei? Dann freue ich mich. Lasst uns doch blühen und Gemeinschaft finden, anstatt in unsichtbaren Gefängnissen zu leben, die am Ende nur einsam machen. Denn deine Geschichte zählt.


Seid behütet und gesegnet,


Mit Glauben,

Sibylle.






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