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Die vierte Dimension, ein Autor und was Leben im Heiligen Geist damit zu tun hat.Teil 1/3

Aktualisiert: 23. Mai






Meine lieben Freunde,


bevor ich mit dem Schreiben über Gott begonnen habe, war ich vertieft in die Recherchen und ersten Entwürfe zu einem Roman, der in der Reformationszeit spielte. Ich besuchte Orte, um ein Gefühl zu bekommen, eine Idee zu entwickeln. Ich suchte mir eine Protagonistin aus, über die in historischen Quellen nicht viel überliefert war-und entwarf eine zweite Persönlichkeit, deren Name historisch war- aber über die keine weiteren Daten vorlagen.


Ich begann Geschichten zu schreiben- sie zu entwerfen, zu planen, zu charakterisieren. Ich erschuf Settings und begrenzte Wirkungsbereiche, legte ihren sozialen Status fest und die Art und Weise, wie sie mit anderen interagierten. Welche Beziehungsnetze? Was braucht dieser Charakter für ein Gegenüber, um sich zu entfalten? Mit viel Liebe entwarf ich jeden einzelnen.


Und dann...geschah das Erstaunliche, Verrückte, etwas Wirre- das jeder, der schreibt, kennt: Die Charaktere begannen ihre eigenen Wege zu wählen. Die Geschichte entspann sich vor meinen Augen- und plötzlich war es so, als würde ich sie selbst erst kennenlernen müssen. Sie erwachten quasi- zum Leben. Manchmal wusste ich nicht, wie sie sich verhalten würden- mit Situationen konfrontiert, in die ich sie setzte. Ich wusste es erst dann, wenn ich die Stelle erreichte, während der größere Plan sich längst vor mir entfaltet hatte.


Dennoch- ich verlor nie den Überblick.


Das Schöne am Schreiben ist, dass man alles löschen kann, dass man Nebenstränge einweben kann- jederzeit. Man kann Szenen komplett umschreiben, man kann ein "nein" setzen oder sie weiterlaufen lassen und sich an ihren erfreuen. Man weint mit dem Kummer seiner Protagonisten, man lacht über ihren Übermut, man bastelt vielleicht in schöne Situationen noch ein Extragoodie ein.


Diese Vollmacht hat man, weil man - außerhalb des Geschehens steht. Alles entspringt einem selbst- und es ist völlig irrelevant, ob man die Änderungen am Anfang, in der Mitte oder am Ende der Geschichte einfügt, wo man "die Fäden entwirrt und auflöst".


Man lässt seine Charaktere vor für sie ausweglosen Situationen stehen und geht in ihre Perspektive, um zu wissen, wie sie sich fühlen werden- wissend, dass die Lösung vier Kapitel später in ihre Hände fallen wird.

Umso gekonnter man diese Art von Schreiben beherrscht, desto klarer, desto lebendiger und authentischer werden die entworfenen Charaktere- und das macht dann den Unterschied zwischen Groschenroman und beispielsweise Ken Follet aus. Vielleicht hat man geplant, einen Charakter zu einem bestimmten Zeitpunkt sterben zu lassen- und liebt ihn dann doch so sehr, dass man seine Geschichte weiterschreibt. Vielleicht hat sich der Gute zum Bösen entwickelt- und seine Entscheidungen entsprechen überhaupt nicht mehr dem Plan. Dann muss man ein Ereignis erschaffen, dass den ganzen Plot umschreibt, ändert, eine Wende einläutet. Doch was man niemals, niemals verliert- das ist der rote Faden. Es ist das, was man erzählen will. Die Botschaft, die Ereignisse. Es gibt Meilensteine in jeder Geschichte- und sie sind gesetzt- oftmals vorbereitet von langer Hand. Dinge fallen plötzlich in Höhepunkten an ihrem Platz zusammen. Und nie verliert man die Kontrolle, das, was für den einzelnen bestimmt ist, auch zu erfüllen.


Ihr versteht das Prinzip.


Gott ist ewig. Heilig. Perfekt. Er steht über den Dingen. Er ist Autor, Schöpfergott, einzig wahrer Gott. Aus ihm und zu ihm hin ist alles erschaffen, aus ihm entspringt die Quelle des Lebens.


Ja, das bekennen wir, und dennoch ist da der kleine Teufel auf der Schulter, der uns einreden möchte, dass wir sehr wohl die Fäden der eigenen Geschichte in den Händen halten.

In Wahrheit sind wir Teil der Geschichte, die Gott in unendlicher Sorgfalt webt, spinnt,schreibt. Wir sind die Gefäße, nicht der Töpfer. Und wir sind begrenzt. Unsre Wahrnehmung ist dreidimensional. Und in uns allen tickt unsre Lebensuhr. Bleibt sie stehen- dann endet unser (irdisches) Leben.


Diese Begrenztheit gestehen wir nicht gerne ein. Nein, wir verdrängen sie, denn die Geschichte läuft ja. Unsre Geschichte, unsre Lebendigkeit ist ja echt! Und uns sind eine Menge Gaben gegeben, unsre Rolle ist wichtig. Dass wir dreidimensionale Wesen sind, das ist für uns so selbstverständlich, dass wir darüber gar nicht nachdenken. Wir denken, wir übersehen, planen alles autonom, sind gefühlt keinen Grenzen unterworfen.


Sind wir denn schließlich nicht die Krone der Schöpfung?

Und so schauen wir mitleidig auf die Zecke, deren ganze Wahrnehmung auf Tasten und Geruch reduziert ist- sie sieht nicht, sie riecht nur, sie redet nicht, die ganze innere Welt der Emotion und Vorstellungskraft bleibt ihr verschlossen. Währenddessen staunen wir über den Fakt, dass das Sehvermögen eines Adlers unser Sehvermögen massiv in den Schatten stellt.


Dennoch glauben wir, alles auf die einzig richtige Weise wahrzunehmen.


Gott, der Schöpfer.


Während wir gefangen sind in Zeit, in Dreidimensionalität und dem, was diese Erde, diesen Epos, seine Geschichte ausmacht, dem, was er uns erlaubt, wahrzunehmen und dem, was er unsren Augen vorenthält zu sehen und zu begreifen,

überblickt er alles in endloser Souveränität. In solcher Souveränität, dass er freien Willen zulassen kann, weil er die Fäden einer jeden einzelnen Geschichte geschickt so lenken kann, dass er sein Ziel dennoch nicht verfehlen wird.


Sein ganzes Herzblut schenkt er uns, gibt sich zu erkennen in unendlicher Fülle und Schönheit. Ja, das Setting, dieser Planet, den er geschaffen hat für uns, es ist so derart vielfältig, komplex, durchdacht und wunderschön- dass jeder Wissenschaftler eingesteht, dass jede beantwortete Frage drei neue aufwirft.


Was ein Ruhm, welch ein Genie ist unser Gott!


Wir als neugeborene Christen haben ein Geschenk erhalten. Wir haben die Erkenntnis erhalten, dass, wenn die letzte Seite unsrer Geschichte geschrieben ist, Band 2 sicher folgen wird- völlig anders, völlig neu. Uns ist Ewigkeit eingehaucht worden, durch den Heiligen Geist- das Versprechen der Unsterblichkeit in Jesus.

Das Versprechen, dass nach dem ersten Band voller Krieg und Leid, voller Sünde und Verlorensein ein zweiter folgen wird:

Ein Band des Friedens, der die Geschichte neu und in allem Glanz erzählt.


WOW. Man muss das erst einmal sacken lassen!


Zudem haben wir ein unschätzbares Geschenk erhalten:


Während viele ihre eigene Geschichte so gut wie möglich zu erkennen versuchen, mit blinden Augen durch die Welt stolpern, Fehlentscheidungen treffen, ihr Potential und ihre Bestimmung nicht erkennen oder sogar hassen, öffnete uns Gott durch die Jesus die Augen für seine Herrlichkeit, tritt mit uns in Kontakt, zeigt Güte, Schönheit, Gnade und Barmherzigkeit. Er schrieb sich selbst in die Geschichte ein, durch seinen Sohn, mit ihm eins und in ihm eins. Machte ihn greifbar für uns. Zeigte den Weg. Zeigte, dass es möglich ist, seinen Willen zu leben. Mehr noch, er schenkte uns allen den Heiligen Geist, jedem, der den Tod, die Erlösung durch Jesus annimmt- und den vordem nur jene hatten, die er gezielt auserwählte: Propheten, Könige, Priester, die seinen Willen erkundeten und verkündeten


Mehr noch: Er schrieb ein Heiliges Buch in sein Buch, in dem er uns sein Wesen und alles, was wir wissen müssen, offenbart. Und selbst dieses Buch ist in sich so tief und komplex, dass man mit ihm niemals an ein Ende kommt.


Ahnst du die Größe Gottes?

Können wir sein wie Gott? Unfassbar kurzsichtig und lästerlich wirkt es, es aus dieser Perspektive auch nur anzunehmen, nicht?



Doch wer ist der Heilige Geist?


Er ist jener, der durch uns handelt, der uns führt und lehrt. Durch ihn sind wir mit dem Autor, dem Regisseur rückverbunden. Vertrauen wir uns ihm an, dann leitet er uns durch unsre Geschichte auf sicheren Pfaden. Er weckt andere auf, führt sie zum Kreuz und zur Rückverbindung mit dem Vater- durch Jesus. Er korrigiert die vorher falschen Handlungsstränge und leitet in die ganze Wahrheit der Geschichte- und der Erkenntnis des Einzigen. Er enthüllt uns die Wirklichkeit Jesu.


Er erinnert uns an die Wahrheit, dass diese Welt nicht das Ende ist. Dass wir "eine Ebene drüber stehen". Nicht über anderen- über dem Geschehen der Welt. In Christus herrschen wir. Er erinnert uns an das Wesen Gottes- und dass er vollkommene Liebe ist. Und er- steht außerhalb von Zeit und Raum.


Mehr noch:

Jeder einzelne, der nach ihm, dem Schöpfer fragt, zu ihm umkehrt, bekommt Gaben des Dienstes: Dort, wo eigene Wege ins Unglück führten, werden wir als persönliches Eigentum genutzt, als Botschafter, den Willen des Vaters weiterzugeben- die komplette Wiederherstellung seines Planes. Durch Zeichen seine Herrlichkeit zu verkündigen. Durch Heilung Erlösung zu bringen. Wir sind gerufen, die Gefangenen und Bedrückten, die Ausgegrenzten und Versprengten zu befreien.


Doch soviel Gefallenheit ist in uns, soviel erneutes Einschlafen und Gott vergessen- dass es eine Bedingung gibt, um in seine Fülle zu kommen: Wir müssen bitten. Und wir müssen willens sein, unsre Interpretation der zugedachten Rolle ihm zu überlassen. Wir müssen ihn als wahr anerkennen und ihn weder beherrschen noch befehligen wollen, wir müssen ihm erlauben, sich durch uns auszudrücken. Du durch mich, Christus, nicht ich als du. Du als Quelle in mir, die zu anderen überspringt- nicht ich als Quelle, nicht ich als Leiter, nicht ich als Chef. Ich trete hinter dir zurück und überlasse mich deiner Autorität in meinem Leben.


Wir müssen akzeptieren, was viel zu lange als Religiösität und veraltet bekämpft wurde- Hingabe, Übergabe und Demut.


"Heiliger Geist, bete du durch mich!" "Jesus, lass mich mit deinen Augen sehen, nicht meinen!" "Vater, gib, was ich wirklich brauche, nicht, was ich mir wünsche"


Das aber funktioniert nur, wenn wir endgültig verstehen:


Gott gewährt uns Freiheit und Entfaltung- aber er hat unsre Grenzen festgesetzt.

Gott liebt uns unermesslich, er hat Freude an uns- und doch sind wir sein besonderes Eigentum.

Gott liebt das von uns als solches empfundene Abenteuer- er liebt es, Risiko und Spannung in die Geschichte zu weben, Gefahr und epische Wendungen- aber am Ende des Tages verliert er nie die Kontrolle.


Wir haben einen Verstand, wir haben ein Herz, wir sind vernunftbegabt, Gott ähnlich geschaffen. Wir haben Sehnsüchte und Träume, alles in uns hineingelegt, alles anvertraut. Doch es ist geschenkt. Es stammt aus ihm, und unsre Wahrnehmung ist begrenzt. Den Schlüssel uns zu enthüllen, uns ans Ziel zu bringen- er liegt bei ihm, nicht unsrem Streben.


Die wahre Weisheit, die wahre Erkenntnis liegt bei ihm. Und darum müssen wir bitten.


Ich habe keine Vorstellung davon, wie groß Gott ist.


Ich habe jedoch eine Ahnung, wie sich sein Frieden, seine Liebe, seine Freude, wie sich Glaube an ihn und Geborgenheit in ihm anfühlen- und ich weiß, dass seine Wege immer gute sind- auch, wenn aus meiner Perspektive zeitweise die Handlungsstränge lose in der Luft flattern.


Wir müssen uns anvertrauen, wenn wir uns in alle Fülle leiten lassen wollen- und nicht herrschen wollen.


Gott selbst hat einen Schlüssel, eine Grenze gesetzt, um Missbrauch seiner Gaben zu verhindern- sie funktionieren nur, wenn wir von Herzen um sie bitten. Und bitten können wir nur jemanden, mit dessen Antwort und frohem Geben wir auch rechnen- und an dessen Güte und Liebe wir zutiefst glauben.


Im Heiligen Geist leben ist ein wenig wie sich auf die Luft zu legen und darauf zu vertrauen, dass sie einen tragen wird. Es ist der Wunsch, alle Kontrolle in seine Hand zurück zu legen.


Das kann man aber nur, wenn man begriffen hat, dass Gott Liebe ist.

Sonst fürchtet man sich zu Tode.


Mögen wir es lernen.


Seid gesegnet,

Sibylle/Zionstochter.


Wöchentliche Impulse zum Artikel: Dienstag, Donnerstag und Samstag auf meiner Social Media Seite https://www.facebook.com/Sibyllezion und in den mit ihr verbundenen Community-Gruppen.

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