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Die vierte Dimension, ein Theaterstück und die pöbelnden Horden.Teil 2/3

Aktualisiert: 23. Mai






Meine lieben Freunde,


Vor vielen Jahren führte ich Co-Regie in einem Theaterstück. Es war Dantons Tod von Georg Büchner. Viele Stunden hatten mein Mitregisseur und ich über dem Stück gebrütet, um unsre Grundbotschaft, die Art der Inszenierung abzusprechen. Wir hatten diskutiert, um die Rollen zu definieren, den Ausdruck, die Art des Spiels und das, was man dramatischen Höhepunkt nennt, richtig zu besetzen. Es ist wichtig, wenn man Regie führt, dass man die richtige Besetzung für die entsprechenden Rollen aussucht. Nur so wird das Theaterstück am Ende ein Erfolg. Nur so entsteht Faszination und Spannung.


Es wurde niemals aufgeführt.


Warum? Waren wir so schlecht? Ach, nein. Aber es war eine offene Theatergruppe, eine Laienspielgruppe. Und wir hatten die Maßgabe, dass jeder in die Gruppe aufgenommen werden musste, der eben dazustoßen würde. Die Gruppe war so derart gemischt und die Charaktere so derart verschieden, dass wir wirklich in Ärger kamen: Leute, die noch nie auf der Bühne standen, aber die Hauptrolle spielen wollten. Leute, die schon ewig spielten und wenig Verständnis für jene aufbrachten, die neu dazukamen. Leute, die der Meinung waren, sie könnten das Stück besser interpretieren als wir als Regisseure und einfach nicht bereit waren, Führung anzunehmen.


Man kann machen, was man will- wenn die Mitglieder sich verweigern und ihren eigenen Weg wählen, zudem in dieser Position auch völlig uneinsichtig sind, dann verzweifelt man und schmeißt irgendwann hin. Besonders, wenn es keine Möglichkeit gibt, einzelne der Gruppe zu verweisen oder sich abzugrenzen. Konflikte eskalieren- nicht nur zwischen der Regie und den Schauspielern, sondern auch untereinander. Chaos bricht aus.


Wir hatten Leute, die unbedingt eine Hauptrolle wollten- aber nicht bereit waren, ihren Text zu lernen. Wir hatten Leute, die sich für so brilliant und einzigartig hielten,dass sie ohne Rücksicht auf Verluste ihre eigene Interpretation über die vorgesehene legten.

Ich schmunzle ein wenig: Jeder Regisseur, jeder, der schon einmal Theater gespielt hat, kennt jene, deren kreativer Selbstausdruck einem die Tränen in die Augen treibt, wenn schon wieder der Ruf ertönt: "EPISCH!" (fantastisch ausgedrückt, nichts auslassend, nicht steigerungsfähig). Ich finde diese meine Interpretation EPISCH!" Das Problem ist: Epische Momente erschafft der Regisseur in "Zusammenarbeit" mit dem Skript oder Drehbuch, nicht der Schauspieler. Er- spielt seine Rolle in einem vorgegebenen Interpretationsrahmen. Und in diesem - ist er frei, aber nicht darüber hinaus.


Lange Rede, kurzer Sinn:

Am Ende war die ganze Gruppe hoffnungslos und bis zur Auflösung zerstritten. Die Ehrgeizigen waren sauer auf die, die ihre Rolle nicht lernten, wir als Regisseure waren sauer über die Uminterpretationen, das Zusammenspiel funktionierte nicht, die Beziehungen waren zerrüttet. Und da alle recht hatten und niemand einlenkte, gingen wir, obwohl wir vorher eine überregional bekannte Theatergruppe mit ausverkauftem Haus waren, getrennte Wege. Wir schmissen scheiternd die Brocken.


Was hat das mit geistlichem Kampf zu tun?

Alles, liebe Freunde und Geschwister. Simpel: Alles.


Wenn wir aus dem Blick verlieren, was der Regisseur für ein Ziel verfolgt, wenn wir nicht nach ihm fragen, sondern unsere Rolleninterpretation als einzig wahre empfinden, ganze Szenen einfach streichen, Textstellen kürzen und uns im einzelnen Akt verbeißen, dann bricht Chaos aus.


Ich habe in den letzten Jahren mit mehr als Magenkrämpfen beobachtet, was in der christlichen Gemeinde vor sich geht: Von völliger Neuinterpretation des Christentums, spiritistischen Praktiken, "völliger Gesetzlosigkeit", wie Jesus das nennt, bis hin zu roboterhaftem, engstirnigem und verdammenden Tendenzen ist im Christentum alles zu finden. Aber das markanteste, das traurigste ist:

Alle streiten.

Alle ziehen übereinander her.

Alle geben die Schuld am Nicht-Gelingen der anderen Seite.

Einzelne behaupten, sie hätten die einzig wahre Richtung gefunden und verdammen alle weiteren. Andere reagieren daraufhin über, Neulinge brechen unter dem erbarmungslosen Druck zusammen, während eifrig einzelne falsch mildlächelnd versuchen, die Schauspieler nach und nach in andere Gruppen abzuziehen, mit Versprechen, die sie nicht halten werden, die aber verlockend harmonisch wirken. Und dann gibts noch die gemäßigten, die, die in der Mitte zermalmt werden, weil sie fassungslos auf diesen Bürgerkrieg in der christlichen Gemeinde schauen, der die Spaltung immer weiter vorantreibt. Die fassungslos zuschauen, wie sich Geschwister gegenseitig mit Äxten und Pfeilen angreifen und sich gegenseitig teeren und federn.


Naja. Wie soll ich es sagen?

Das IST der geistliche Kampf, Freunde. Wer nicht sieht, dass der Leib Christi sich gerade selbst verdaut, während triumphierend Satan auf den Tischen tanzt und im Hintergrund die Fäden zieht, der muss schon blind sein. Von Zusammenspiel kann nicht die Rede sein.


"Die mit ihrer Gesetzlichkeit sind schuld! Wir müssen den religiösen Geist austreiben!"

"Die mit ihrer inneren Heilung sind schuld! Denen ist auch gar nichts heilig! Hier geht es nicht um uns, sondern um Gott!"

"Der hat sich scheiden lassen, er ist unheilig! Sowas duldet Gott nicht!"

"Die schließen die Gebrochenen aus der Gemeinde aus, Jesus würde sich ihrer schämen!"

"Die sind so kalt und lieblos, dass man echt nur fliehen kann!"

"Die wollen doch nur ein Wohlfühlevangelium, als würde Jesus alles verzeihen!"

...

und währenddessen lacht sich Satan ins Fäustchen und schaut gelassen zu, wie seine Saat der Zwietracht erfolgreich aufgeht.

Irgendwann hat nämlich niemand mehr Bock, alle sind unglücklich und die, die neu dazukommen, fliehen so schnell sie können in die Arme des alles verstehenden, alles tolerierenden Welteinheitgottes, der einem so wunderbare, weltliche Dinge verspricht- und dessen Schergen ein gutes Geschäft mit der Verwirrung machen. Naja, und die draußen? Die, die angeworben werden sollen für das Königreich Gottes? Die, die ums mal so krass zu sagen, wie es ist: Aus der tiefsten Dunkelheit und vor Verdammnis, Angst und Verlorensein in Sünde gerettet werden sollen? Ehrlich? Die gucken sich das an und denken, dass es das ja wohl nicht sein kann.


Und recht haben sie damit.


Ohje. Ohje, wir sind tief im Schlamassel miteinander.


Aber was ist denn das Ziel?


Nun, Jesus war in diesen Punkten sehr klar:



"Er antwortete und sprach: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft und deinem ganzen Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst" (Lk 10,27)



"Und wenn ihr steht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemanden habt, damit auch euer Vater im Himmel euch vergebe eure Übertretungen." (Mk 11,25)


Wisst ihr, ich habe mich kürzlich gründlich mit dem Sündenfall auseinandergesetzt, mit der Erbsünde, die, um das mal klar zu sagen, am Kreuz mitgesühnt wurde. Jesu Opfer ist ein endgültiges Opfer der Wiederherstellung hin zur versöhnten,ursprünglichen Beziehung mit Gott.


Das Problem ist, dass wir ja alle anerkennen, dass der Sündenfall die Beziehung der Menschen zu Gott zerstört hat, und eifrig bis übereifrig danach streben, diese Beziehung wieder in altem Glanz und Glorie zu erleben und zu pflegen. ABER:

Es gibt eben noch einen Aspekt in diesem Sündenfall, eine zweite Ebene der Sünde- und diese ist passiert zwischen Adam und Eva:


"Die Frau, die du mir zugesellt hast, gab mir von dem Baum und ich aß" (1.Mose 3, 12)


"Ich kann gar nichts dafür. Du hast mir diese (wertlose) Frau an die Seite gestellt. Und sie hat dafür gesorgt, dass ich esse. "

Weder nennt Adam Eva meine Gefährtin, noch nennt er sie meine Frau. Er weist sie für ihr Versagen zurück und wertet sie ab.


Noch mehr: Er klagt Gott an, dass "diese Frau, die er ihm gegeben hat", ein Totalausfall ist. Er richtet, obwohl er keinen Deut besser war als sie.


Naja, und dann ist da noch dieses Abwälzen von Schuld:

"Eva ist schuld! Und du, Gott! Ich bin ein Opfer der Umstände geworden."

"Und der HERR, Gott, sprach zur Frau: Was hast du da getan! Und die Frau sagte: Die Schlange hat mich getäuscht[5], da aß ich." (1.Mose 3,13)


"Ich bin nicht schuld, es war die Schlange, die hat mich getäuscht. Und deswegen hab ich gegessen, Gott."


Schuld sind ja immer die anderen, nicht wahr?


Schuld sind immer die anderen. Und wertlos sind sie auch. Und im Zweifelsfalle, wenn garnichts mehr geht, war es bis heute immer... die Schlange.


Ich frage mich, wie die Geschichte dieses Versagens ausgegangen wäre, wenn einer von beiden sich selbst überwunden hätte. Wenn sie, egal mit wieviel Angst und Scham besetzt, gesagt hätten: "Ich bin nicht vollkommen, Vater, ich bin nur sehr gut geschaffen, das erkenne ich jetzt. Bitte vergib mir, ich habe die Lektion verstanden."


Sie haben es nicht getan, und so sind beide Beziehungsebenen zerbrochen: "Nach deinem Mann wird dein Verlangen sein, er aber wird über dich herrschen! "(1. Mose 3,16)

Auch die zwischenmenschliche Ebene der Augenhöhe wurde vom Sündenfall zerstört.

Und so sagt Gott auch Adam: " Weil du auf die Stimme deiner (!!) Frau gehört und gegessen hast von dem Baum, von dem ich dir geboten habe: Du sollst davon nicht essen (..,) (1. Mose 3,17)

Weil du auf die Stimme deiner Frau gehört hast. Nicht auf die Stimme der Frau, die "ich dir zugesellt habe". Du hast auf die Stimme deiner Frau gehört.


Gottes Ziel ist die Wiederherstellung von Beziehung untereinander und seiner perfekten Ordnung aller Dinge. Dafür ist Jesus gekommen.


  • Wo stehen wir als Gemeinde in unserer Beziehung zueinander?

  • Wie behandeln wir unsre Mitgeschwister?

  • Wie bereit sind wir, Liebe zu leben, Schuld zu uns zurückzunehmen, ohne sie abzuwälzen auf andere- oder die Schlange? Wie bereit sind wir, wirklich einzusehen, dass wir nicht vollkommen sind?


`Satan, wisst ihr- er setzt alles dran, dass Beziehungen zerstört und zerrüttet bleiben und durch Eigenliebe, Hierarchie und Streit, Abwertung und Zurückweisung hoffnungslos den Bach runtergehen.


Aber ein Theaterspiel, ein Epos- kann nur dann gelingen, wenn alle eins sind in ihrem Streben, eins mit dem Stück und sich gegenseitig in ihren Rollen bereichern.


Möge Einheit in die Gemeinden kommen, unverbrüchlich, damit die Welt uns daran erkennt, wie sehr wir geliebt sind und lieben. Denn Gottes Ordnungen sind nicht sehr gut, sondern vollkommen. Im Gegensatz zu uns.


Ach ja: Die pöbelnden Horden...

Wisst ihr, Spirits, Geister und Dämonen sind körperlos. Ohne die Einwilligung, sich von ihnen beeinflussen zu lassen, bewirken die gar nichts. Dafür brauchen sie Wirte, die ihren Impulsen und Einflüsterungen folgen.

Die, die den Schaden dann anrichten- das sind schon wir.



Wöchentliche Impulse zum Beitrag werden Mittwoch, Freitag und Sonntag auf meiner Social Media Präsenz und den zugehörigen Gruppen veröffentlicht:

https://www.facebook.com/Sibyllezion


Für heute schließe ich mit der Frage: Wie siehts so aus mit deinem Respekt gegenüber anderen? Wo in dieser Schlacht stehst du?

Teil 3: Über die vierte Dimension, einen Autor und erfolgreiches Zusammenspiel folgt nächste Woche.


Seid gesegnet.

Ich freu mich drauf.

Sibylle/ Zionstochter


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