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Ein neues Gebot- und warum Gott Liebe ist.

Aktualisiert: 22. Dez. 2021




"Er antwortete und sprach: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft und deinem ganzen Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst«

(Lk, 10,27, Luther)


"Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt."

(Joh. 13,34, Luther)



Meine lieben Freunde,


ein neues Gesetz gebe ich euch. Neu.


Ich bin jetzt seit 43 Jahren mit Jesus unterwegs, konsequent, also auf eine Weise, die man wohl am besten als "Gottes Wege gehend" beschreiben würde, seit 17 Jahren. Das ist eine ordentliche Wegstrecke, die man mit Gott zurückgelegt hat, ein langer Weg durch Höhen und Tiefen. Irgendwann denkt man dann ja schon, dass man die Kernbotschaften alle intus hat, oder?


Aber immer noch finde ich Bibelstellen, die ich lese und denke: "Moment mal, wieso denn eigentlich...neu, Jesus?"

Ich unterstelle Jesus eine große Präzision in der Wahl seiner Worte. Tatsächlich bin ich auch überzeugt, dass Gott sein Wort bewahrt. Wieviele Übersetzungen über die Jahrhunderte auch erfolgt sein wollen, ich glaube, dass Gott in Kontrolle ist und dass das, was wirklich essentiell ist, unbeschadet wie ein archäologisches Fundstück durch die Jahrhunderte kommt.

Also lasst uns mal annehmen, dass das so ist. Ein neues Gebot. Warum ist es neu, einander lieben zu sollen? Ich dachte darüber nach, und ehrlich gesagt ist es verblüffend und tatsächlich sehr offensichtlich:


Wenn man das Alte Testament liest, dann dreht sich alles um den richtigen Weg, Gott zu ehren, zu folgen und zu lieben. Das allererste Gebot ist es, das von ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzem Gemüt zu tun. Dreifach abgesichert, sozusagen, damit auch ja keiner behaupten kann, er hätte nicht gehört, dass Gott geliebt werden will. Niemanden sonst, bitte. Keine Götzen, fremde Gottheiten, keine goldenen Kälber. Ich bin dein Gott. Liebe mich! Nicht irgendwas, was du dir zusammenbastelst, nicht das Gesetz, nicht meine Abbilder in der Natur, mich, mich, mich!


Ich kann diesen Ruf verstehen. Wir werden auch oft für das geliebt, was wir zu bieten haben. Und wenn wir es nicht mehr zu bieten haben, werden wir auch nicht mehr...ihr versteht schon. Geschätzt auf der Arbeit solange, bis wir etwas massiv verbocken, krank werden oder den Mund endlich aufmachen, weil jeden Abend der Kopf überfordert rauscht. Geliebt für diese tollen Abendessen, dafür, dass wir immer brav den Kummerkasten geben. Geliebt vielleicht für unsre positive, lebensbejahende Art. Vielleicht auch dafür, dass wir immer so tolle Geschenke aussuchen, den Haushalt wuppen, oder ein Ministry leiten, das uns segnet. Abbilder sind Rollen, die wir erfüllen.


Aber auch wir wollen geliebt sein um unsretwegen. Mit einer tiefen Sehnsucht in uns. Häufig mit dem Gefühl, dass wir es dann doch nicht werden, dass wir nicht erkannt sind. Oder dass wir die Schattenseiten von uns selbst zu gut kennen, als dass wir qualifiziert wären für eine solche Liebe. Wieviel mehr also muss sich Gott nach unsrer Liebe sehnen? Er, der perfekt ist, in dem kein Schatten ist. Er, der pure Liebe ist. Welchen Grund sollte sein Volk haben, ihn nicht haben zu wollen, ihn nicht sehen zu wollen, ihn nicht lieben zu wollen? Liebt mich, ruft der Schöpfer und Vater allen Seins.


Und da sind wir schon mitten im Thema, nicht? Aber lasst uns nochmal zurückgehen für einen Moment:

In der Tat findet sich im Alten Testament nur sehr versteckt der Hinweis, dass es darum geht, einander zu lieben. Jesus sagt, dass in dem kombinierten Gebot: "Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und ganzem Gemüt und deinen Nächsten wie dich selbst" das ganze Gesetz und die Propheten erfüllt sind.


Warum?


Nun. Zunächst einmal, das Gesetz, von dem Jesus spricht, sind die Steintafeln, die zehn Gebote, das müssen wir als erstes feststellen. Diese erklärt Jesus als "das Gesetz", nicht die hunderttausend menschlichen Auslegungsregeln.

Viele davon stammten aus einem angeblich mündlich überlieferten, zweiten Gesetz, den "Satzungen der Ältesten", die die Pharisäer als (deshalb!) "Gesetzeshüter" als besonders ausgezeichnete Priesterkaste "anvertraut" bekommen zu haben beanspruchten. Jesus konfrontiert sie ständig mit ihren Auslegungen und ignoriert sie konsequent. Er, der Sohn Gottes, erkennt sie schlicht nicht an, bezeichnet sie als heuchlerisch und Schlimmeres. Das erklärt auch, warum Paulus in 2. Korintherbrief 3,2 ff von "Nicht auf steinerne Tafeln, sondern auf fleischerne Herzen" spricht. Paulus wusste das und hatte das so akzeptiert.


Die dem ersten Gebot folgenden neun Gesetze, deren Kenntnis ich jetzt mal voraussetze, selbst dort, wo es keinen tiefgegründeten christlichen Hintergrund gibt- was braucht man eigentlich, um diese zu erfüllen?

Oh, ich sage es euch: Respekt. Wertschätzung, Mitgefühl, Demut. Achtsamkeit. Ehrlichkeit. Freundlichkeit. Selbstbeherrschung. Freude- in einem Wort: Liebe. Die Gesetze sind nur zu erfüllen, wenn ich liebe. Ich bestehle niemanden, den ich liebe. Ich töte niemanden, den ich liebe- weder durch Worte noch Taten. Ich beneide niemanden, den ich wirklich liebe- ich freue mich mit ihm über seinen Erfolg. Wenn ich meinen Ehepartner wirklich liebe, dann passiert mir kein Ausrutscher, dann bin ich entschieden, auch in Trockenzeiten zu ihm zu stehen. Wenn ich meine Eltern liebe, will ich ihnen durch mein Leben keinen Kummer machen. Keine kriminellen oder schlechten Wege wählen ( das Gebot heißt im kulturellen Kontext: "Bring deine Eltern zu Ehre- mach was aus deinem Leben, verschwende es nicht"). Ach ja, auch Pornographie und Prostitution- wisst ihr, die Frauen- die sind in einer desolaten Lage. Sie werden entwürdigt, benutzt, bezahlt für ihren "Dienst"- ihre Intimität zu schenken. Oft, um ihre Kinder irgendwie durchzubringen. Oft, weil der Ausstieg nicht mehr möglich ist. Wenn ich liebe- benutze ich sie nicht.



Soweit, so gut, aber warum sind auch die Propheten in diesem Gebot erfüllt, wie Jesus sagt?


Nun, die Propheten, sie mahnten und riefen zur Umkehr auf, immer dann, wenn das Volk Israel mal wieder beschlossen hatte, ihren Gott zu verschachern. Für den eigenen Vorteil. Wenn sie in "Gottvergessenheit" lebten.

In Jeremia 17,9 steht die Bibelstelle, an der sich eine ganze Christenheit zu orientieren scheint: "Trügerisch ist das Herz, mehr als alles, und unheilbar ist es. Wer kennt sich mit ihm aus?"


Anscheinend klappt das aus eigener Kraft nicht mit dem Lieben, so wie es gedacht ist. Anscheinend ist der eigene Vorteil, die eigene Bequemlichkeit, die eigene Gier nach Sicherheit, nach Wohlstand und Wohlergehen immer wichtiger.

Amos war ein Prophet, der auftrat, als es Israel mal wieder so richtig vermasselte. Und was er angeklagt hat, war Unterdrückung, Missbrauch von Untergebenen, Grausamkeit, Machtgier. Lieb-losigkeit. Wenn Gott zur Umkehr aufrief, rief er immer aus zwei Gründen zur Umkehr auf: Die Menschen vergaßen, dass er Liebe ist, dass er zuallererst geliebt werden wollte. Der zweite Grund war der Ruf der Umkehr zur...Nächstenliebe- durch und in seiner Liebe. Seinen Ordnungen und Prinzipien- der Liebe.


Im Zentrum des Alten Testamentes steht die Liebe und Hingabe an Gott als höchstes Gebot. Jesus weist auf eine zweite Sache hin: Ihr sollt euch lieben. Liebt Gott, liebt einander. Darin erfüllt ihr alles, was ihr braucht, um in das neue Königreich einzutreten. Ein Königreich der göttlichen Liebe.



Christen bekämpfen ihr Herz, ihre Gefühle, ihre Sehnsüchte wie etwas, das es unter allen Umständen zu kontrollieren und zu unterdrücken gilt. Ehrlich, die meisten christlichen Geschwister, die ich kenne, glauben, Selbstbeherrschung hieße Emotionslosigkeit und eine gewisse Form der Gleichgültigkeit. Das Resultat ist Freudlosigkeit, Anspannung, verkrampftes Bemühen um Perfektion. Aufgesetzte Fröhlichkeit und ein permanenter Kampf mit sich selbst. Aber wisst ihr..lieben, wie es uns aufgetragen ist, das können wir nur echt, authentisch frei, und ohne Angst.


Wie ist das möglich?

Nun, indem das Herz gut wird.

Und wie wird es gut? Aus eigenen Bemühungen?


Nein.

Es wird gut nur einzig und allein, indem Gottes Gesetz in die Herzen geschrieben wird. Indem wir ein neues Herz empfangen, einen neuen Geist. ( Hesekiel 36,26) Und das tun wir - einzig und allein durch Jesus. Er hat uns freigekauft. Er macht das Angebot des neuen Bundes- mit dem Heiligen Geist, mit Agape- mit ihm- und hierdurch mit einem Herz, das lieben kann. Mit einem Herzen, auf das das Gesetz geschrieben wurde, das wir fühlen, das wir als richtig und gut anerkennen, aus tiefstem Inneren.


Wir können darum bitten, dass er uns das neue Herz schenkt. Dass er uns den neuen Geist schenkt. Und es passiert tatsächlich.

Und so ist der neue Bund ein Bund des neuen Herzens, des neuen Geistes und des neuen Lebens. (vgl. Hebräer). Ein bisschen übersinnlich, oder? Naja, mal ernsthaft, das ist alles, was wir sonst so tun, auch. Beten und glauben, dass Gott es hört und beantwortet. Segnen. Um Schutz bitten. Funktioniert es? Ja, ja, das tut es.

Was Gott tut, ist göttliche Liebe in unsre Herzen ausgießen. Es ist real, versteht ihr, nicht ein Konzept. Es ist real, dass wir dann beginnen, anders zu lieben. Anders zu sein. Nicht aus eigenen Bemühungen, sondern frei und in Freude.


"Ein neues Gesetz gebe ich euch."


Ist unser Herz also noch "trügerisch und unberechenbar", wenn wir Jesus gehören?


Atme aus. Freue dich.

Nein. Nein, dein Herz, deine innere Resonanz, sie sind gut in Jesus, durch Jesus, durch deine Auferstehung in ihm. Aber um zu deiner wahren Schönheit aufzublühen, musst du es begreifen, verinnerlichen, verstehen.

Du bist angenommen, du bist geliebt. Du bist erwählt, und Jesus heiligt dein Leben. Doch dazu müssen wir "von der Intensivstation", wie John und Stasi Eldredge es so treffend in "Captivating" sagen, weg wollen. Wir müssen annehmen, dass das möglich ist. Und (an)-erkennen, dass aus Gnade gerettet nicht bedeutet, ewig in all den Verletzungen und unsrer inneren Gebrochenheit bleiben zu müssen. Dass es möglich ist, Gott wirklich zu lieben. Dass er uns wirklich liebt. Also, uns. Und dass wir nicht nur aufgerufen sind, Gott zu lieben, sondern auch "unsren Nächsten wie uns selbst".


Warum bist du Christ(in)?

Ich hoffe, weil du verstanden hast, dass das Christentum die Botschaft von perfekter Liebe ist. Und dass in dieser inneren Haltung des Herzens alles zu finden ist, was du über deinen Weg der Heiligung wissen musst. Es ist der Eingang zu dem, was man heilige Romanze nennt.



"Weiter, Brüder und Schwestern: Was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was einen guten Ruf hat, sei es eine Tugend, sei es ein Lob – darauf seid bedacht!

9 Was ihr gelernt und empfangen und gehört und gesehen habt an mir, das tut; so wird der Gott des Friedens mit euch sein."

(Philipper 4,9, rev. Elberfelder)



In Liebe, mit Segenswünschen,

Sibylle.


INTERAKTIV:


Wöchentliche Challenge:


- Bist du dir sicher, dass dein Herz gut ist? Dass du das neue Herz, den neuen Geist in dir trägst? Bitte Jesus darum, dir ein neues Herz und einen neuen Geist zu schenken, wenn du unsicher bist. Und erwarte, dass er es tut. Denn er ist vertrauenswürdig.


- In welchen Bereichen kämpfst du gegen deine Gefühle, Sehnsüchte und dich selbst an? Bitte Jesus, dir in diesen Bereichen zu begegnen.


- Was ist Liebe für dich? Und was bedeutet es für dich, Gott zu lieben? Liebst du ihn oder hast du Angst vor ihm? Vertraust du ihm oder versuchst du, ihm zu gefallen?


- Frage Jesus, wie er dich siehst. Frage Jesus, ob er dich schön findet, ob er dich liebt. Und erwarte seine Antwort.



Wochengebet:


Lieber Vater. Lieber Jesus. Lieber Heiliger Geist. Wir danken euch. Wir danken euch für eure unendliche Liebe und für das Ziel, lieben zu dürfen. Wir danken für unsre Rettung und für den neuen Bund. Danke, dass du gut bist, Vater, dass du uns siehst, wirklich kennst und dich nach uns sehnst. Danke, dass wir um das neue Herz und den neuen Geist bitten dürfen, täglich, immer, dass du unsre Herzen verbinden und heilen willst. Danke, dass in dieser Liebe kein Platz für Angst ist, sondern nur für Freiheit, Freude, für grenzenlosen Reichtum des überfliessenden Lebens. Jesus, wir bitten dich: Sei uns nah. Öffne unsre Herzen für den Mut, dich mehr und mehr zu lieben- nicht irgendwie fern, sondern mit ganzem Herzen. Wir danken dir, dass wir befreit und mit unverhüllten Gesichtern zum Vater laufen können, dass wir wiederhergestellt sind durch dich und deine Gnade, dass wir jubeln und in seine offenen Arme laufen dürfen, rufend: Abba, lieber Vater. In dir ist nur Licht. In dir sind wir sicher. In dir sind wir geliebt.

Jesus, wir bitten dich, dass wir neu gefüllt werden in deinem Geist. Wir bitten dich um Hingabe an dich. Wir bitten dich, dass du in jene Bereiche des Herzens kommst, die deine Liebe abwehren. Ich bitte dich, geliebter Freund, Vater, Herr, Heiler, dass du mit jedem bist, der oder die diesen Beitrag gelesen hat. Begleitend, tröstend, freisetzend. Du bist wunderschön, und wir loben dich für diese Schönheit. Wir danken dir, dass du uns lehrst, zu lieben- dich, andere, uns selbst. Danke, Herr, dass du bist, der du bist. In deinem Namen, Jesus, Amen.



Sources:

Bibel, hier zitiert nach Luther. Entnommen: www.Bibleserver.com. Bibelstellen wie angegeben.

Stasi & John Eldredge: "Captivating". Unveiling the mystery of a woman's soul. Expanded edition, Nelson books, 2021, Seite 93.

"Die Satzungen der Ältesten" Wikipedia. Google. Dr. Kenneth E. Bailey.

Dr. Kenneth E. Bailey: "Jesus war kein Europäer. Die Kultur des Nahen Ostens und die Lebenswelt der Evangelien. SCM Verlag 2018.

Dr. Kenneth E. Bailey: "Paul through Mediterranean Eyes". Cultural studies in 1.Corinthians, InterVarsity Press, London 2011.




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