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Gebet, Widerstand und Glaube- wenn Glaube sichtbar wird. Im Wort wandeln Teil 2.

Aktualisiert: 20. Sept.




"Ausbildung auf dem Kampffeld ist härter als Training im Lager. Aber sie  macht bessere Soldaten. Herr, ich trete in deinen Dienst ein. Mache mich  willig, mich willig machen zu lassen, deinen Willen zu tun."  (Corrie ten Boom)


"Zerreißt den Mantel  der Gleichgültigkeit, den Ihr um Euer Herz gelegt!» «Ich kann es nicht  begreifen, dass nun dauernd Menschen in Lebensgefahr gebracht werden von  anderen Menschen. Ich kann es nie begreifen und ich finde es  entsetzlich. Sag nicht, es ist für's Vaterland." (Sophie Scholl)


"Jesus ruft nicht zu einer neuen Religion auf, sondern zum Leben." (Dietrich Bonhoeffer) 


"31 Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sich setzen auf den Thron seiner Herrlichkeit, 32 und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet, 33 und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken. 34 Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! 35 Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. 36 Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen. 37 Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben? Oder durstig und haben dir zu trinken gegeben? 38 Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen? Oder nackt und haben dich gekleidet? 39 Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? 40 Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. 41 Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln! 42 Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir nicht zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben. 43 Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich nicht gekleidet. Ich bin krank und im Gefängnis gewesen und ihr habt mich nicht besucht. 44 Dann werden auch sie antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig gesehen oder als Fremden oder nackt oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient? 45 Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan. 46 Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben." (Matthäus 25,31 ff) 




Meine lieben Freunde, liebe Frauen Gottes,


Wofür leben wir? Für welche Ideale, für welche Wahrheit? Für wen leben wir?

Was ist unsere innere Wahrheit? Unser inneres Streben? Wer ist unser Christus?



Jener, der nur will, dass es uns gutgeht, so wie es auch all die positiven Denken Kalendersprüche wollen?


Vor einigen Monaten stieß ich auf ein Meme, das eine sympathische und bestätigende Aussage hatte. Es ging um Selbstliebe, um Freude und Blumenwiesen-Wärme. Ich schaute in die Kommentare und mannigfaltig las ich "Amen.", gerne auch "Hallelujah- Amen".


Es war die Seite eines New Age Couches, der positives Denken, das Gesetz der Anziehung und noch so allerlei weitere Selbstfürsorge lehrte. "Hallelujah. Amen."


Vor einigen Monaten, am 13.07.2022 verstarb Beni Johnson nach langer, unheilbarer Krebserkrankung. Bill Johnson kämpfte sichtlich mit sich, mit seiner Erschütterung, Trauer und darum, trotz allem an dieser Zerstörung seines eigenen Glaubensansatzes, dass "Jesus immer heilt", wie ein Ertrinkender festzuhalten, jemand, der sich den Tatsachen nicht stellen will, das Gegenteil bewiesen bekommen zu haben dort, wo es am meisten schmerzte. Doch...er beugte sich auch, vor Gott, vor Jesus und unterstellte sich seiner Herrschaft. Er weigerte sich auch, Gottes Gutsein in Frage zu stellen.


"Gott will nur, dass es uns gutgeht." Vor einer ganzen Weile schrieb mir diesen Satz eine reife Christin, die ich wirklich schätze. Doch die Halbwahrheit in diesem Satz zog mir den Boden unter den Füßen weg.


Ja. Gott will, dass es uns gutgeht, dafür starb sein Sohn. Ja, Gott will uns wiederherstellen, das hat er in Jesaja 35 unter anderem versprochen. Ja, wir leben im Neuen Bund, das hat Paulus mit Bezug auf Hesekiel 36,26 oft bestätigt. Aber es geht hier nicht um ein bequemes Wohlfühlleben.


Die meisten inneren Konflikte, die wir Menschen erleiden, sind Konflikte mit unseren Überzeugungen.


Mein Vater sagte irgendwann einmal resigniert zu mir, dass man sich arrangiere. Man verliere seine Wildheit, seine Träume, und man passe sich den Gegebenheiten eben an. Man gleiche sich der Welt an. Man steht nicht mehr auf wie mit 18 Jahren, wenn man Ungerechtigkeit sieht. Man wirft sie niemandem mehr vor. Man spricht Wahrheit nicht mehr konfrontativ. Man unterwirft sich der Etikette des Weißwaschens, des Heuchelns, des lieben Friedens. Unter der Oberfläche aber brodelt es. Wir wissen, wenn wir heucheln. Wir wissen, wenn wir unsere Überzeugungen unterdrücken, unseren Gerechtigkeitssinn, unser "Herz", wie es die Bibel nennt.


Die fatalste Fehlinterpretation des heutigen modernen Christentums ist der Begriff des Herzens, der mit Emotion gleichgesetzt wird. Aber das ist viel zu kurz gegriffen:


Der hebräische Begriff "Leb" der in Sprüche 4,23 gebraucht wird, umfasst den inneren Menschen. Es ist deine innere Haltung, nicht dein Gefühl noch dein Verstand. Es sind deine Interessen, deine Überzeugungen, deine Prägungen. Es ist dein Gefühl, dein Nachsinnen,deine Werte und Moral. Es ist deine Persönlichkeit. Nichts ist von dem Begriff leb ausgenommen: Deine politische Meinung nicht, deine Handlungen nicht, deine Beziehungen nicht, deine Gedanken nicht, deine Ernsthaftigkeit nicht, deine Lebensfreude genauso wenig wie deine persönlichen Erfahrungen. Eine innere Haltung ist vielleicht am ehesten zu übersetzen als all das, was dein Wesen ausmacht und deinen Charakter formt. Mit Herzchenwolken, tanzen auf der Blumenwiese und Romantik hat das nur sehr entfernt etwas zu tun- es ist deine Essenz, die sich nach außen hin ausdrückt in deinen Taten, Handlungen, Worten und Leben.


Ich habe mich gefragt, welche Menschen für mich eine solche innere christliche Haltung auf eine Weise bezeugt haben, dass sie sowohl Christen als auch Nichtchristen mit einer Achtung bis heute erfüllen, die diese Herzenshaltung widerspiegeln. Wo wir nicht ins "Ja, aber!" verfallen sondern mehr in das: "Würdig wie Stephanus bei seiner Steinigung!" "Überzeugend wie Petrus nach der Befreiung durch einen Engel". Gibt es Menschen, die den Heiligen Geist, die Christus in der modernen Zeit so sehr reflektiert haben wie diese so weit entfernt wirkenden Apostel?


Ja, es gab sie. Es wird sie immer geben. Es sind die, die ihr Leben angenommen und gelebt haben, die ihr Herz über allem hüteten und Jesus über jede weltliche Autorität stellten.


Heute morgen habe ich eine Dokumentation gesehen, über eine Uhrmacherin aus Haarlem/Niederlande. Eine Uhrmacherin, deren Familie bekannt war für ihre Liebe untereinander. Für ihren fröhlichen Umgang mit Juden. Für ihre Wärme und Zuneigung- und für ihren christlichen Glauben. Für ihre Fürsorge für jene, die keinen Platz in der Gesellschaft hatten, ihr freigebiges Teilen von Heim und Herd, von Herz und Verstand, praktisch, unmittelbar, unter Entbehrung, die ihnen zur Freude wurde.


Die Uhrmacherin- sie war nicht charismatisch, pfingstlerisch, baptistisch, kontemplativ noch mosaisch. Sie war nach den heute angesetzten Standards "nicht anständig neugeboren, sondern NUR Namenschristin". Sie war evangelisch-reformiert.

Wenn man den pfingstlerischen Extremkreisen also glauben wollte, dann konnte sie den Heiligen Geist nicht mal kennen. kein C.P.Wagner hat sie jemals zur Prophetin gesalbt, kein Bill Johnson ausgebildet. Ohne Bekenntnistaufe war sie demnach nicht einmal gerettet noch der Gemeinde hinzugefügt.


Die Rede ist von der meistzitierten christlichen Autorin und Überlebenden der Nazizeit überhaupt- einer Glaubensheldin, einer Frau, die erstaunliches vollbrachte, als sie ihrem Verräter vergab und mit einer Liebe begegnete, die ihn in der Todeszelle zu Gott führte. Die Rede ist von Corrie ten Boom.


Auch der zweite, der zu einem Symbol christlichen Widerstandes im Dritten Reich wurde- zu einem Nationalheld ebenso wie zu einem Glaubensvorbild, das Glaubensgeschwister international den Hut ziehen lässt, war niemals etwas anderes als ein Lutheraner, ein konservativ-evangelischer Landeskirchler, konfirmiert und mit einer Lutherbibel, die vordem seinem Bruder gehörte: Dietrich Bonhoeffer.


Seien wir doch mal ehrlich: Wenn man nach all dem deklarierenden und proklamierenden Süßholzgeraspel mal ein paar Bratkartoffeln mit Speck braucht, dann liest man Bonhoeffer, C.S.Lewis oder Corrie ten Boom. Dann geht man zur Quelle zurück, um durchzuatmen und endlich mal wieder eine Wahrheit zu finden, wie man sie in Bach findet, wie man sie in alten christlichen Hymnen findet, wie man sie in der Bibel findet.


Der Unterschied, den diese Menschen machten, es war gelebter Glaube. Es war ein Glaube, der handfeste Konsequenzen hatte. Bonhoeffer erwartete nicht von Gott, ihn zu verschonen noch dass er "nur wollte, dass es ihm gutgeht". Er ruhte sich nicht aus darauf, "nur aus Gnade gerettet zu sein", sondern er kehrte zu Beginn der Nazi-Ära nach Deutschland zurück, aus dem sicheren Amerika, um in diesen Zeiten Trost zu schenken- bis hin zum offenen Widerstand.


Corrie ten Boom hätte sicher im Rahmen der Selbstfürsorge besser darauf verzichtet, Juden zu verstecken, Lebensmittelmarken zu organisieren und ihr Leben in die Waagschale für andere zu werfen.


Sophie Scholl hätte ihre Wut und ihre Empörung besser runtergeschluckt und gehofft, dass sich der Krieg von selbst erledigt, anstatt ihrer inneren Überzeugung zu folgen und Flugblätter ins Auditorium der Uni zu werfen.



"Wir werden uns nicht verneigen!" ist die Botschaft, die sie hinausschrien, die sie einsetzten, der sie folgten wie Daniel und seine Gefährten angesichts des Feuerofens.


Jemand sagte mal zu mir: "Christen, die leben wie die Made im Speck, sie hacken aufeinander ein und bringen sich gegenseitig um. Sie verdrehen und diskutieren und reiben sich an Nichtigkeiten auf, aus geistlicher Langeweile. Aber wenn du Bedrängnis kommen siehst, Verfolgung, dann kannst du wahre Größe erkennen,da erkennst du, wessen Herz ungeteilt Gott gehört."


Vielleicht brauchen wir Christen diese Erfahrungen. Vielleicht ist das Wirken des Heiligen Geistes nur da frappierend deutlich zu sehen, wo Menschen vor Entscheidungen gestellt werden, ihre innere Überzeugung zu leben oder zu verraten.


Dazu aufgerufen sind wir alle- doch es sind nur wenige, die als Christen ihre wahre Mündigkeit auf Erden annehmen. Indem sie sich einsetzen. Indem sie leben, an den sie glauben. Indem sie nicht philosophieren, Weltflucht begehen und Macht beanspruchen, sondern einander und auf der Welt dienen-in aller Bedrängnis. Weil Jesus es auch getan hätte. Weil er es gesagt hat.


Dein Herz, das du behüten sollst mit allem Fleiß, es ist deine innere Haltung, Einstellung und Prägung. Lass es grade sein vor deinem Gott. Denn aus ihm fließt das Leben. Auf dass es dir wohlergehe im Leben und im Frieden Gottes, der allen Verstand übersteigt, und auf dass du die Kraft erkennen mögest, die Jesus von den Toten auferweckte.


Kannst du Flöhe und Läuse als ein Geschenk Gottes anerkennen, in einer Baracke mit 200 gefangenen Frauen?

Corrie ten Boom tat es.

Es waren jene Flöhe und Läuse, die die Wachen aus der Baracke fernhielten, und die es ermöglichten, ein wenig Himmel in die Hölle zu bringen- zweimal am Tag.

Sie hatte keine christliche Kaffeetasse, keine warme, behagliche Seminarumgebung, keine App, keinen Lieblingsplatz und keinen Kaffee. Sie hatte eine kleine Taschenbibel, ein Herz und eine unglaubliche Hoffnung: Dass die Hoffnung Christi realer war als der Terror der Welt.


Mögen wir das wieder erkennen. Und mögen wir einen Unterschied machen in dieser Welt.



Seid gesegnet.


Sibylle/Zionstochter.


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