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Gefallene Welt- zwischen geistlichem Kampf und Selbstverantwortung.

Aktualisiert: 22. Dez. 2021
















"Seid nüchtern, wacht! Euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen kann. 9 Dem widersteht standhaft durch den[8] Glauben, da ihr wisst, dass dieselben Leiden sich an eurer Bruderschaft in der Welt vollziehen" (1. Petrus 5,8 ff, Elberfelder Übersetzung)



Meine lieben Freunde,


wir leben in einer dunklen Zeit. Das ist die Wahrheit. Die Wahrheit ist auch, dass die Dunkelheit sich durch eine Abwesenheit von Liebe auszeichnet, die erschreckend ist.


Eine gottlose Welt nennt man das. Eine Welt, in der längst andere Mächte, Gewalten und Motive als Gott das Ruder übernommen haben. Und als wäre das nicht genug, kommt auch noch eine unsichtbare Bedrohung über die ganze Erde, die uns dazu aufruft, uns voneinander zu distanzieren und uns das mulmiges Gefühl vermittelt, dass unsre Nähe für den anderen leid- oder gar todbringend sein könnte.


Wir tun uns doch ohnehin schon schwer mit Nähe zueinander- und nun - nun scheint die Bestätigung frei Haus geliefert zu werden, dass es besser ist, auf Abstand zueinander zu gehen.


Ja, die gefallene Welt ist real. Wir können das beschönigen oder wegerklären. Aber wenn wir dann ehrlich den Blick nach außen richten, dann fühlt es sich an wie ein schwerer Orkan, der über die Erde fegt und alles kurz und klein haut,was sich ihm in den Weg stellt.


Glaube ich an den Ankläger, die Hölle, Satan?


Ich bin keine Esoterikerin, ich bin Christin. Natürlich glaube ich an die eine wie an die andere Seite der Medaille. Ich glaube jedoch nicht, dass sie gleichberechtigt sind. Ich glaube nicht an Yin Yang und ich glaube nicht daran, dass diese Dualität noch eine reale Berechtigung hat. Dennoch- den Vorgeschmack der Hölle sehen wir auf dieser Welt so deutlich wie die Vorahnung des kommenden Königreiches. Beides steht uns deutlich vor Augen: Leid, Krankheit, Zerstörung, Hass, Verachtung. Abwertung. Unterdrückung, Unfreiheit, Sklaverei, Tod. Schlimmer noch: Ignoranz, Gleichgültigkeit, Leere, Egozentrik, Ziel- und Sinnlosigkeit. Auf der anderen Seite, für die, deren Augen offen sind: Gottes Schönheit, Liebe, Freundschaft, Nähe, Glück, Leben, schöpferische, bewahrende Kraft.


Wir lernen so brav. Wir lernen so brav auswendig, dass Jesus am Kreuz den Sieg errungen hat über diese Dunkelheit. Dass sein Opfer uns ein für allemal aus der Dunkelheit von Sünde und Tod freigekauft hat. Aus der Dunkelheit der Zielverfehlung.

Zielverfehlung?


Es ist die ursprüngliche hebräische Bedeutung für Sünde. Einfach mal am Ziel vorbeigeschossen. Den Weg verfehlt. Verlaufen. Die falsche Entscheidung treffen. Die falschen Prioritäten wählen. Das Ziel aus den Augen verlieren. Sich von der Wahrheit ablenken lassen. Auf das falsche Pferd setzen. Zweifel statt Vertrauen wählen. Der falschen Stimme folgen.


Als ich heute Jesus dieses Thema vorlegte, um darüber zu schreiben, tat ich es mit Magenkrämpfen. In der Tat ist vieles, was ich schreibe, absolut kompatibel mit den allermeisten etablierten Glaubensrichtungen. Wenn es jedoch um das Thema spirituelle Kampfführung geht, mache ich innerlich eine Kehrtwende um 180 Grad. Das, was sich in unsren Gemeinden abspielt, ist so zutiefst mit Dunkelheit verbunden, dass ich in Deckung gehen will.


Im Versuch, Autorität zu ergreifen, werden Bastionen von Dämonen angegriffen, Engeln und dem Heiligen Geist befohlen. Eigene Verantwortung wird abgegeben und auf den Einfluss falscher Geister und Anfechtung geschoben. "Ich war angefochten, ich kann nichts für mein Fehlverhalten" "Oh, das war nicht ich, Satan hat meine Worte verdreht."

Auf der anderen Seite werden Menschen mit physisch-mentalen Krankheiten für ihr Leid verantwortlich gemacht, ihre Angststörung, ihre Depression, ihre chronische Erschöpfung wird einer Dämonenbessenheit oder eigener Schuldhaftigkeit zugeschrieben. Eltern mit autistischen Kindern werden in skurrilen christlichen Gemeinschaften vom Gottesdienst ausgeschlossen, weil ihr Kind dämonenbesessen sei und damit nicht "rein". Superreiche christliche Leiter fliegen mit dem Privatjet zu ihren Auftritten, weil sie die Gegenwart von diesen "dämonenbesessenen Normalbürgern" nicht ertragen können. Ehrlich, es ist blankes Entsetzen, das all diese Glaubensansätze in mir auslöst. Elitär, totalitär, faschistisch und zutiefst magisch sind die Schutzrituale, die gesprochen werden. Anmaßend ist es, dem Heiligen Geist, Gott zu befehlen. Laut hallt der Kriegsschrei durch die Gemeinden, frenetisch, aggressiv, zerstörerisch. In ihm übernimmt Satan die Macht. Ich habe einmal einen Hilferuf einer Frau gelesen, der in einer Selbsthilfegruppe veröffentlicht wurde. Sie war verängstigt, zu Tode verängstigt. Ein anderer Christ hatte ihr gesagt, dass sie von Hexen angegriffen werden würde. Sie bekam es mit der Angst zu tun - vorher war sie sicher. Die Angst legte sich erst, als ich ihr sagte, dass sie sicher ist. Das Grübeln über den vermeintlichen Angriff brachte sie aus der Ruhe und war somit der eigentliche Angriff. Die Angst vor Dämonen und Geistern und der ständige Kampf dagegen rauben uns die Zeit zur Ruhe, zur Anbetung, zur Suche nach Gott. Und führen zu übergriffigem Verhalten ohne Maß.


Gott sagt, dass er für uns ist. Die spirituelle Kampfführung ist aber nicht für. Sie ist gegen. Sie kämpft gegen einen unsichtbaren Gegner, den wir nicht einschätzen können. Und nicht selten werden Menschen Opfer dieses Kampfes. Hat Jesus uns das befohlen?


"Bekämpfe Feuer mit Feuer". Müssen die Waffen, die wir nutzen, nicht andere sein als die der magischen, dämonischen Horden, die uns überfallen? Besiegen Elfen Zwerge mit Äxten? Besiegt Jesus die Dämonen mit ihren Waffen?


Nein.

Ich war einige Jahre in der esoterischen Szene. Das, was so niedlich anmutet, so Licht und Liebe mäßig, ist gut getarnte Dunkelheit. Ziel ist Isolation in Selbstverwirklichung. Gottgleichheit. Spirituelle Erfahrung zum Nulltarif. Handel mit Mächten für eigenes, manipulatives Wohlbefinden. Der Mensch wird zum Zentrum allen Seins, die Sonne, die sich um sich selbst dreht. Für immer.


Doch der Mensch und sein Heil ist nicht das Zentrum allen Seins. Der Mensch ist einem viel größeren, wunderbaren Plan zugeordnet. Wir Christen sind - jeder einzelne- Zellen im großen Leib Christi. Und wenn wir nicht zu Harmonie und Liebe in ihm finden, bricht das ganze Gebäude zusammen. Wir erfahren, wer wir sind, nicht durch Selbstanalyse noch durch Selbstversenkung. Wir erkennen uns im Spiegelbild des anderen. Unsre Bestimmung, unser Ziel, unsre wahre Identität erkennen wir durch Jesus Augen allein.


Menschen sind Beziehungswesen. So wie Gott Beziehung sucht.



Wenn die Gefallenheit der Welt durch irgendetwas bestimmt ist, dann durch Spaltung, Trennung und Gleichgültigkeit. Eine Lichterkette kann nur leuchten, solange sie verbunden ist. Was Satan macht, ist die Verbindungen angreifen. Was Satan zerstören will sind zwei Beziehungsebenen: Die Beziehung zu Gott, die Beziehung zueinander. Satan geht gezielt gegen die Liebe und gezielt gegen die Einheit im Geist vor.


Die Folge sind gestörte Beziehungen. Je wichtiger eine Verbindung zwischen Menschen ist, desto stärker wird sie attackiert. Ins Lächerliche gezogen, mit Lüge überlagert. Die Schlange träufelt ihr Gift des Zweifels, des Infragestellens, des Machtanspruches.


Der Schauplatz des geistlichen Kampfes- es sind weder Bastionen des Bösen noch dämonische Portale wie in dem Elder Scrolls Klassiker "Oblivion", die mit Fähigkeit und steigendem Level geschlossen werden können. Geistlicher Kampf ist kein Online-Rollenspiel.


Nein, der Schauplatz ist unser Herz.


Diese Energien, diese Geister existieren wie der Heilige Geist auch. Das ist wahr. Aber dennoch können sie nur da etwas bewirken, wo vordem die Saat des Zweifels, der Angst, der Selbstsucht oder Scham gesät wurde. Und diejenigen, die impulsiv Feuerpfeile aufeinander abschießen, das....sind wir. Nichts trifft das Gegenüber so sehr wie eine Infragestellung der eigenen Motive. Nichts trifft so sehr wie der gezielte, rachsüchtige Hieb eines Freundes. Vertrauensbruch. Mangelnde Loyalität. Liebesentzug. Übervorteilung. Die tiefsten Verletzungen des geistlichen Kampfes erleiden wir dort, wo wir am sichersten sein sollten: In engen Beziehungen.


Ja, Satan arbeitet auch global. Es gibt globale Katastrophen.

Er versucht uns mit allem zur Strecke zu bringen. Mit Krankheit, mit Tod, er raubt und stiehlt Lebensfreude , wo er nur kann- und schiebt es dann Gott in die Schuhe. Erschafft Illusionen, die uns in Desillusionierung enden lassen`, nachdem sie uns lange gefangenhielten.


Doch das, was uns am Ende wirklich verunsichert, fallen lässt, straucheln lässt- es ist der Mangel an Liebe und Halt untereinander. Verweigere jemandem Lob und Anerkennung über lange Zeit und sieh, wie er oder sie eingeht. Verweigere Unterstützung, Nähe, Umarmungen, und du wirst sehen, wie er oder sie friert. Gewalt, Vernachlässigung und unsichere Bindungen sind die Grundtraumata der Kindheit.


Was wir vergessen ist, dass die Bibel nicht von nur einer Form der Sünde spricht- sie spricht von Sünde und Schuld:

Sünde, es ist Fehlverhalten, Abweichen von Gottes Plan. Schuld- es ist das nicht Erfüllen des Auftrages. Es ist das, was wir nicht geben, obwohl wir es könnten. Und ja: Wir versündigen uns aneinander, durch Abwertung, Verurteilung, abschätzende Bemerkungen und verachtenden Stolz. Durch Entzug von Unterstützung, von Liebe, Respekt, Wertschätzung und echter Zuneigung. Wir lassen uns gegenseitig verhungern. Warum?


Weil wir selbst in uns noch immer gebrochen sind. Weil wir die Liebe nicht vollständig erkannt haben.


Was also ist die Waffe der geistlichen Kampfführung?


Die Wahrheit. Die Wahrheit von Gottes Liebe. Du schützt nicht vor dem tobenden Sturm, in dem du ihn mit einem Wasserwerfer versuchst zu bekämpfen. Du schützt vor dem Sturm, indem du einen Unterstand baust.

Du bekämpfst den Geist des Todes nicht, indem du ihn vor die Tür schickst, sondern indem du Leben, Schutz, Fülle und Gottes Gegenwart aussprichst. Wir können Feuer nicht mit Feuer bekämpfen.

Wir bekämpfen Feuer mit- Liebe. Lobpreis. Anbetung. Vertrauen. Wir bekämpfen Feuer mit lebendigem Wasser. Mit Jesus. Und deshalb....mit Liebe. Satan...er kann Gottes Gegenwart nicht ertragen. Er wird fliehen.


Was also ist es, was uns auf Zeit stabil werden lässt? Das Anerkennen, dass wir in einer gefallenen Welt leben. Das Anerkennen, dass es Plätze in unsrem Herzen gibt, in denen wir angreifbar sind für die Versprechungen des Antagonisten, für Zweifel, für Gottgleichheit und Stolz. Und indem wir an Wiederherstellung und den Sieg am Kreuz glauben. Dort, wo wir angreifbar sind und uns entscheiden zu verletzen statt zu nähren, haben wir für uns die Liebe noch nicht in Anspruch genommen. Ich beneide, wo ich selbst Mangel erfahre. Ich entziehe Liebe, wo ich selbst getroffen bin. Bitten wir also um Bewusstwerdung, Heilung- und Umkehr aus Verstehen und Vertrauen heraus.


Was die Tore schließt, ist das Anerkennen, dass Satan wie ein Verstärker, wie ein Megaphon unsre eigenen Wurzeln des Zweifels und der inneren Verlorenheit immer wieder triggert, um sie für seine Zwecke der Zerstörung zu nutzen. Es ist die Erkenntnis, dass wir die Verantwortung tragen dafür, welchem Geist wir Macht in unsrem Leben einräumen, und die Bitte an den Heiligen Geist, diese Bereiche endgültig für sich in Besitz zu nehmen.


Die gute Nachricht ist: Umso mehr wir uns Jesus anvertrauen, ihm diese Plätze zur Heilung übergeben, desto weniger werden diese Mechanismen greifen. Umso mehr wir Jesus erlauben, diese verletzten Plätze in uns mit seiner Liebe zu berühren, sie zu verändern und zu heilen, den Raum in uns einzunehmen, desto weniger werden wir anfällig dafür, Werkzeug der Gegenseite zu sein.


Ja, die Dunkelheit ist real. Ja, der geistliche Kampf ist real. Doch unsre Aufgabe ist es nicht, Dämonen zu bekämpfen. Unsre Aufgabe ist es nicht, in die Dunkelheit gezogen zu werden.

Unsre Aufgabe ist es, Salz und Licht zu sein, Licht in der Dunkelheit, die uns umgibt.

Und das werden wir durch persönliche Heilwerdung in ihm. Durch Wachsen in ihm. Durch die Fähigkeit, ihm alles hinzulegen und ihn zu bitten, es durch seine Wahrheit zu ersetzen.


Das ist ein tiefer Weg, ein Weg, der Selbstverantwortung und -verpflichtung erfordert. Ein Weg, der Gott an erste Stelle stellt- in einer liebenden Beziehung, bereit geführt zu sein. Es ist sein Weg. Der Weg der Heiligung- und der Einheit untereinander.


Gehen können wir ihn nur- wenn wir ihn einladen. Und seiner Realität und Kraft mehr vertrauen als der Dunkelheit, die so frappierend ist.


In Liebe, Sibylle.



INTERAKTIV:


Fragestellungen diese Woche:


Wo verbringst du mehr Zeit damit, über die Dunkelheit nachzudenken als über Gott?


"Die Schlange war's!" In welchen Bereichen vermeidest du Konfrontation mit dir selbst und suchst den Schuldigen im Außen?


In welchen Bereichen neigst du dazu, unangemessen abwertend, urteilend oder gleichgültig zu reagieren? Warum? Bring diese Frage zu Jesus und warte auf seine Antwort.


Bist du dir der Realität des geistlichen Kampfes bewusst? In welchen Bereichen greift er deine Beziehungen an? Bete für diese Beziehungen. Für Liebe, Verbundenheit, Klärung.

Stelle dich bewusst gegen die Angriffe und Versuche der Isolation.


Bist du dir bewusst, dass Lobpreis, Danksagung und die Bitte um Schutz und Freude in Jesus wirksame Waffen der spirituellen Kampfführung sind?


Dass Jesus wirklich heilt und klärt, für deine Verletzungen und offenen Lebensfragen kommt, wenn du ihn in diese Bereiche deines Lebens einlädst- hältst du das für möglich? Lade den Heiligen Geist ein, einen dieser Bereiche mit seiner heilenden, klärenden Kraft einzunehmen. Bleibe zunächst bei einer Fragestellung.




Wochengebet:


Lieber Vater. Lieber Jesus. Lieber Heiliger Geist.

Oft ist die Dunkelheit in unsren Leben soviel realer als deine Gegenwart. Wir fühlen uns erschöpft, entmutigt, machtlos. Oft fühlen wir uns allein, und klagen uns dann an, deine Nähe nicht genug zu suchen. Zeige uns, dass das nicht die Realität ist, zu der wir berufen sind. Schüre die Hoffnung auf die totale Wiederherstellung in dir, in deinen Sieg über Tod und Dunkelheit und wende unsren Blick auf dich, dort, wo er wie erstarrt auf die Dunkelheit fixiert ist. Führe uns in deine Wahrheit, deine Liebe, Heiliger Geist. Führe uns in Lobpreis und in deine Schönheit. Wende unser Herz allem zu, was ehrbar, lieblich, gut ist. Richte unsren Blick auf die Fülle deiner ruhmreichen Schönheit. Dort, wo wir uns bedrängt fühlen, Herr, bitten wir dich eine Feuerwand zu sein um uns herum. Unsre Burg, unser Schutz und für uns zu kämpfen, während wir in dir ruhen. Jesus, wir bitten um deinen Frieden und Schutz, deine Geborgenheit und Versorgung, deine Heilung und deine Gnade. Sei mit allen, die diesen Artikel gelesen haben, und dort, wo sie herausgefordert sind, begegne ihnen mit deiner Weisheit, deiner Erkenntnis, deiner Liebe. Wir bitten dich ganz besonders um Gemeinschaft und Erfahrbarkeit in dieser Woche.


In deinem Namen, Jesus.

Amen.


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