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Gott in deiner Geschichte finden- "weisst du denn nicht mehr?" Wenn wir im eigenen Blickwinkel gefangen sind.





"Und es erschienen ihnen diese Worte, als wär’s Geschwätz, und sie glaubten ihnen nicht. 12 Petrus aber stand auf und lief zum Grab und bückte sich hinein und sah nur die Leinentücher und ging davon und wunderte sich über das, was geschehen war. " (Lk 24, 5, rev. Elberfelder 2006)
"Aber auch einige Frauen von uns haben uns aus der Fassung gebracht, die am frühen Morgen bei der Gruft gewesen sind
23 und, als sie seinen Leib nicht fanden, kamen und sagten, dass sie auch eine Erscheinung von Engeln gesehen hätten, die sagen, dass er lebe.
24 Und einige von denen, die mit uns sind, gingen zu der Gruft und fanden es so, wie auch die Frauen gesagt hatten; ihn aber sahen sie nicht." ( Lk 24, 22 ff)


Meine lieben Freunde, liebe Follower,


als die Jünger bei Emmaus auf einen Mann stießen, der sie über die jüngsten Ereignisse in Jerusalem ausfragte, erkannten sie ihn nicht.

Wie können sie innerhalb weniger Tage das Aussehen, die Stimme, die Art, das ganze Wesen Jesu vergessen haben?


Nun, sie haben es nicht wirklich vergessen - aber es war ad acta gelegt, verworfen und im wahrsten Sinne des Wortes zu Grabe getragen. Die Geschichte dieses Buches war für sie- so traurig es auch war- einfach vorbei. Mit Jesus- rechnete keiner mehr.


Was blieb, waren die Reaktionen der Menschen auf die jüngsten Ereignisse:


Gespräche über die Enttäuschung, darüber, dass sie alle dachten, Jesus sei ein besonderer Prophet gewesen. Naja, manche, die sogar sagten, er sei der wiedergeborene Elia! Einige seien noch weiter gegangen und hielten ihn sogar für den Messias. Und jetzt? War er gekreuzigt worden als Gotteslästerer, als Hochstapler, als Gaukler, ein Volksaufwiegler, und sie? Sie alle? Waren ihm auch noch gefolgt. Wie sehr hatte er sie genarrt! Nein, das passierte ihnen nie, nie wieder. Diesen Schwur der Jünger kann man deutlich aus den folgenden Geschichten herauslesen:


Ich glaube, wir sollten Petrus nicht verübeln, dass er plötzlich doch nicht mehr so sicher war, dass das, was er mit Jesus erlebt hatte, real war. Das, was er da sah- es war hundertausend Mal realer: Das Peitschen, das Demütigen, der Spott, die Übermacht des Hoherats und der Römer. Auch er war unter den Jüngern, die in Emmaus auf den Auferstandenen trafen.

Ja, es gab Gerüchte, verbreitet von Frauen, die sagten, Jesus sei auferstanden, unter anderem von Jakobus' Mutter. Frauengewäsch. Dem Zeugnis von Frauen durfte man ohnehin nicht glauben, das wusste man doch als guter Jude. "Die halluzinieren, die Weiber."


Wut, Frust, tiefe Resignation.

Desillusionierung ist ein schlimmes Gefühl. Enttäuschte Hoffnung ist herzzerreißend. Auf etwas zu warten, mit ganzem Herzen, dass man dann nicht erhält, es zerstört die Seele. Das kann jedes Paar bestätigen, das schon mal ein Kind verloren hat. Die Leere, die sie gefühlt haben müssen, war allumfassend.

Die Kreuzigung Jesu ist wie ein Schlag ins Gesicht all jener, die an ihn glaubten. Sie hinterließ sie nicht nur traurig, sondern verwüstet. Und das, was man dann tut, was wir alle tun, in solchen Situationen, ist, uns am Einfachen festhalten. Wir träumen nicht mehr, wir wollen nicht träumen. Wir wollen auch nicht hoffen. Wir wollen nicht mehr hoch hinaus. Wir wollen das, was wirklich real ist. Wir wollen anfassen und begreifen.


Und allem anderen- vertrauen wir nicht mehr.


Und dann ist da noch die eigene Version der Geschichte, die wir erleben:

Im Falle der Jünger war es die verzweifelte Erkenntnis, dass ihr Herr, der unbesiegbare Herr, der glorreiche Gottessohn, tot war. Gestorben wie jeder andere Mensch auch, und das auch noch auf solch schändliche Weise.

Statt herrlicher Zukunft- zurück in die Realität. Hat nicht funktioniert, hat nicht geklappt. War ein schöner Traum- irgendwie, das mit Jesus. Dazu kommt eine natürliche Reaktion auf erfahrenes Leid: Es färbt unsere Wahrnehmung noch dunkler, noch finsterer, als die Realität eigentlich ist. Und unsere Erzählungen werden auch immer finsterer, unsere Wahrnehmung immer aussichtloser, fatalistischer und schrecklicher.


In einer solchen Situation also treffen die Jünger auf ihrem Weg nach Emmaus auf Jesus. Und sie erkennen ihn nicht, sind so gefangen in ihrer eigenen Version der Geschichte, dass es jemanden braucht, der ihr Bild korrigiert:


"Und er sprach zu ihnen: Ihr Unverständigen[6] und im Herzen ⟨zu⟩ träge[7], an alles zu glauben, was die Propheten geredet haben!" ( Lukas 24,25, rev. Elberfelder). 

Was Jesus hier macht, ist die eigene Sichtweise korrigieren, ergänzen und erweitern.


Die Jünger haben schlichtweg einen Großteil dessen, was über den Messias geschrieben stand, überlesen und ignoriert. Was in ihrem Kopf noch vorhanden war, war das positive Narrativ, die positive Erzählung: Das 1000jährige Friedensreich, das nun nicht kam. Die Wunder und Zeichen, die sie gesehen hatten, die Lahmen, die gingen, die Blinden, die sahen, die (in sich) Gefangenen, die freigesetzt wurden, die Toten, die auferstanden. Naja, und das war ja nun eindeutig vorbei.


Jesus offenbart sich ihnen nicht einfach. Nein: Er beginnt, ihnen die Schriften auszulegen.


Er ergänzt ihre eigene Erzählung um das Leiden des Gottesknechtes, wie es in Psalm 22 vorangekündigt war, wie es auf Schriftrollen Jesajas konserviert wurde. Ab Jesaja 52, 11 vervollständigt sich das Bild des Messias, weg von all der Glorie hin zum Leid. Und indem er das Bild vervollständigt, und sagt: Es war geschrieben, und so musste es geschehen" schaffte er Trost, Verständnis, und gab ihnen ihren Glauben zurück. Offensichtlich braucht es jemanden von außen, der die Geschichte neu erzählt, Irrtümer aufdeckt und den Blick erweitert.


Auch wir neigen zu Halbwahrheiten- in Bezug auf beides:


Auf das, was Jesus uns vorangekündigt hat und das, was unsere persönliche Geschichte angeht. Und es wirft uns umher wie lose herumfliegendes Spreu.

Viele neigen zu Beschönigung, wenn sie ihre eigene Geschichte erzählen, wieder andere neigen zu Dramatisierung und zur Wahl eines viel dunkleren Narrativs als das, was real ist. Unsere Perspektive ist gefärbt und unvollständig.

Das Problem ist: Wenn wir nicht das Gesamtbild sehen, dann verlieren wir uns in Annahmen, die nicht stimmen, wir bleiben stecken in Unlösbarkeiten, in Hoffnungslosigkeit, in Fehlannahmen, die wir bis aufs Blut verteidigen- obwohl sie uns schon längst in den Händen zerbröckeln.


Und auch mit der Geschichte, die Jesus weitererzählte und vorankündigte, und die unsere Zukunft setzte, ist es nicht anders:


Wir empören uns über Erdbeben, Katastrophen, Irrlehre. Wir verstehen nicht, warum Menschen aufhören zu lieben, und wir gehen völlig unter in jeder Form der Dunkelheit, die diese Erde überschwemmt. Wir echauffieren uns über falsche Propheten, wir sind entsetzt, wenn wir aus einer Diskussion mit einem Schriftgelehrten herausgehen und das Gefühl haben, gegen eine sture Wand harter Gesetzlichkeit gerannt zu sein. Wir reagieren völlig verloren, wenn die Welt uns für Liebe und Wahrheit hasst. Wir reagieren total schockiert, wenn wir sehen, wie Menschen, die beidem dienen: Geld und Jesus, sich offensichtlich für Geld entscheiden. Ja, mehr: Wir verurteilen sie bitter für ihre Wahl, die Zerrissenheit dahinter zu sehen, sind wir offensichtlich nicht in der Lage.


Wir stöhnen und ächzen und zweifeln unseren Glauben an, wenn unsere Geschichte belastet ist.

Wenn wir ausgegrenzt sind, auf Unvergebenheit stoßen, wenn wir Krankheit, Verfolgung und Not erfahren. Wir sind bis ins Mark erschüttert, wenn wir für Aufrichtigkeit und die Ablehnung von Ungerechtigkeit öffentlich ausgepeitscht und exkommuniziert werden. Wir reagieren verstört auf all jene, die uns für den Wunsch, mit den Sündern zu essen, der Unheiligkeit bezichtigen. Und wenn uns Geistesgaben, übernatürliche Führung ereilt, so sind wir darüber zwar erfreut - aber eigentlich wollen wir das, in unserem normalen Alltag, so nicht haben, weil es uns unserer Kontrolle und Struktur beraubt.


Der Grund dafür, dass wir so reagieren, ist, dass wir unser Herz bestürzen lassen, wie Jesus es nennt.


Weißt du noch?

Jesus hat das angekündigt, dass das passieren wird, wie Jesaja sein persönliches Leid ankündigte. Und wenn wir zurückrechnen, dann war das so, wie ein Prophet, der 1284 nach Christus, irgendwo im Hochmittelalter, mal gesagt hätte, was heute passiert- nicht ein paar Seiten vor Beginn des Neuen Testaments!


Weißt du noch?

Es muss so kommen. Unser Herz soll nicht bestürzt werden.


Wenn es um unsere eigene Geschichte geht, gibt es nichts wichtigeres, als uns zu erinnern, wo Gott schon da war, wenn wir wie die Jünger auf dem Weg nach Emmaus im Dunkeln tapsen. Wir brauchen zwei Dinge: Wir müssen uns gegenseitig daran erinnern, wie Gott im Vorfeld schon gewirkt hat:


  • "Weißt du noch, als du dachtest, dass du diese Krise nie überstehen würdest? Wie Gott dich gehalten hat, wie plötzlich Leben zurückkehrte?

  • Weißt du noch, wie du dachtest, du könntest den Flug nach Neuseeland niemals bezahlen und es wäre alles nur ein Traum gewesen? Wie du fischen gehen wolltest? Und wie dann plötzlich das Telefon klingelte und du auf Freimeilen geflogen bist?

  • Weißt du noch, wie du diese Frau getroffen hast, die dich gelehrt hat, bevor du auch nur über die Tischkante schauen konntest? Weißt du noch, wie die Lehrerin dich gesehen hat, und dich mit wenigen Worten wieder aufbaute, als du so alleine warst?

  • Weißt du noch? Erinnerst du dich?


Und was wir brauchen, als Zweites, ist die Erinnerung daran, dass Jesus uns ankündigte, dass mit ihm gehen nicht einfach würde:


  • "Ja, siehst du denn nicht, dass all das geschehen muss?

  • Siehst du denn nicht, dass Jesus ankündigte, dass man dich zu Unrecht anklagen würde? Dass man dich auspeitschen würde, mit Worten, mit Taten, dass du ausgeschlossen würdest?

  • Ja, erinnerst du dich denn nicht, dass Jesus sagte, dass man auf Zeit zwischen Geld und ihm zerrissen werden würde, wenn man beiden dienen möchte?

  • Erinnerst du dich denn nicht, dass er sagte, dass unter den Ungläubigen gerechtere Menschen zu finden seien als unter Gläubigen und Leitern und Lehrern? (Der barmherzige Samaritaner).

  • Erinnerst du dich nicht, dass Jesus sagte, dass einige derjenigen, die sehen würden, wie falsche Propheten eine Show abziehen würden und viele in die Irre führten, diejenigen, die sehen würden, wie ein Großteil der Gemeinde abfällt und die Gesetzlosigkeit überhand nimmt in egozentrischer Selbstbezogenheit und Kälte, diejenigen seien würden, aus deren Reihen einige nicht sterben würden, bevor er wiederkommt?


Wir müssen da, wo wir feststecken, schauen, was wir nicht hören (wollen). Wo uns ein Teil der Geschichte fehlt. Vielleicht ist es der Gute, der Heilbringende Teil, den wir nicht hören. Vielleicht ist es aber auch das, was Jesus über die Endzeit sagte, ankündigte, was unserer Seele Frieden zurückbringt.


In jedem Fall schließen die Jünger mit:

"Brannte nicht unser Herz in uns, wie er auf dem Weg zu uns redete und wie er uns die Schriften öffnete?"

Es brannte wieder, ihr Herz. Das Leben kehrte zurück.

Manchmal müssen wir jemanden haben, der uns die Schriften richtig auslegt.


Und manchmal brauchen wir jemanden, der uns zeigt, wie Jesus in unserer Geschichte wirkte.

Manchmal brauchen wir jemanden, der uns daran erinnert, dass Jesus keine Geschichte aus 1001 Nacht ist, sondern mit uns geht, uns immer begegnet.


Dass er, der König aller Könige, nicht nur auferstanden ist.

Er...ist WAHRHAFTIG auferstanden.


Seid gesegnet.

Zionstochter.


Literatur:

Elberfelder Bibel 2006, © 2006 SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH, Holzgerlingen (www.scm-brockhaus.de), mit freundlicher Genehmigung von SCM.

Foto: Wix.com

Musik: Yonder Dale: Benevolent.


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