• sibyllezion

Gott lieben, uns lieben-warum Liebe mehr ist als nur ein Gefühl.







"Und  ich sage euch: Bittet, und es wird euch gegeben werden; sucht, und ihr  werdet finden; klopft an, und es wird euch geöffnet werden!"

(Lukas 11,9 Elbersetzer Übersetzung)


"So spricht der HERR, der es tut, der HERR, der es bildet, um es festzusetzen[1], Jahwe ist sein Name:
3 Rufe mich an, dann will ich dir antworten und will dir Großes und Unfassbares[2] mitteilen, das du nicht kennst."

(Jeremia 33,2ff Elberfelder Übersetzung)




Eine Umarmung erhalten

"Eine Umarmung ist immer eine doppelte Bewegung des Öffnens und Schließens.
Ich öffne meine Arme, um in mir Raum für den anderen zu schaffen.
Die offenen Arme sind ein Zeichen der Unzufriedenheit darüber, nur ich selbst zu sein, und des Wunsches, den anderen einzubeziehen.
Sie sind eine Einladung an den anderen, einzutreten und sich bei mir zu Hause zu fühlen, zu mir zu gehören.
In einer Umarmung schließe ich auch meine Arme um die anderen - nicht fest, um sie zu erdrücken und gewaltsam in mich aufzunehmen, denn das wäre keine Umarmung, sondern ein versteckter Machtakt der Ausgrenzung; sondern sanft, um ihnen zu sagen, dass ich nicht ohne sie in ihrem Anderssein sein will.
Ich will sie in ihrer Offenheit.
Ich will, dass sie unabhängig und ihrem wahren Selbst treu bleiben, dass sie ihre Identität bewahren und als solche Teil von mir werden, damit sie mich mit dem bereichern können, was sie haben und ich nicht habe." 
( Judith M Gundry-Volf, Miroslav Volf)



Meine lieben Freunde,


ich erinnere mich gut an ein Gespräch mit meiner besten Freundin. Frustriert war ich, suchend. Wir saßen auf der Terrasse vor ihrem Haus, sie hochschwanger mit ihrem ersten Sohn, der jetzt bereits 24 Jahre alt ist.

"Es ist doch einfach so, Grit," sagte ich hilflos; das Einzige, dass ich wirklich will und das ich wirklich kann, ist lieben und durch Liebe heilen. Aber damit verdien' ich weder Geld noch sichert es mir mein Leben ab. Manchmal hasse ich das. Echt! Was ist das schon wert in unsrer Welt?"


Ihre Antwort werde ich nie vergessen. Grit ist nicht sonderlich emotional, sie ist eher verschlossen. Doch in diesem Moment brach es aus ihr heraus, entgeistert, fast wütend, als würde ihr Herz über meinen Worten brechen.


" Du weißt das echt nicht, Bille, oder? Du hast keine Ahnung, was für einen Eindruck du bei Leuten hinterlässt, was du ausstrahlst, oder? Wie geborgen man sich bei dir fühlt, wie angenommen, was für eine Wärme du vermittelst, oder? Nein, offenbar hast du wirklich keine Ahnung. Sag nie wieder, das sei nichts wert, hörst du?"


"Sag nie wieder, das sei nichts wert"


Liebe ist in unserer Welt etwas geworden, das man als "nice to have" bezeichnen könnte. Nein, in der Tat lässt sich mit einem liebenden Herzen kein Geld verdienen und die Welt nicht gewinnen. Man kann es nicht verschachern, man kann es auch nicht stoppen zu lieben, Mitgefühl zu empfinden oder das Gute im Gegenüber zu sehen selbst dann, wenn das Gegenüber es selbst nicht erkennt. Man kann die Liebe nicht dazu bringen, die Hoffnung zu verlieren, dem anderen das Beste zu wünschen und zu leiden, wenn man sieht, wie eigene Schönheit abgelehnt wird, wie sich das Gegenüber "fertigmacht"- durch Selbstablehnung und -Anklage, durch Süchte, durch Selbstvernachlässigung oder Härte, die wie ein stacheliger Schutzpanzer die ganze Person zu umschließen scheint.


Liebe. Alle seufzen. Ja, geliebt werden wollen wir alle. Und doch scheint es so zu sein, dass wir sie weder begreifen noch fassen können. Es ist ein inneres Erleben, etwas, wofür uns die Worte ausgehen und was so vage bleibt, dass wir es lieber wegerklären oder versachlichen.


Aber was ist denn Liebe eigentlich? Wie äußert sich Liebe und was vermittelt sie?



Liebe ist eine Entscheidung.


Liebe ist in allererster Linie ein entschiedenes "Ja" zu einer anderen Person mit allem, was sie mitbringt.

Hochzeiten und mit ihnen einhergehend das Eheversprechen sind wohl der deutlichste Ausdruck dieses "Ja's", gemeint, um alle Hintertürchen und Zweifel auszuschließen, das Versprechen, bei dieser Entscheidung lebenslang zu bleiben. Der Fokus ist gesetzt, komme da, was wolle. "Ja, ich will dich. Dich, deine Stärken, dein Wesen, dein Herz. Ja, ich will dich, deine Schwächen und Konflikte, deine Fehler und deine Ängste, deine Geschichte und Verletzungen. Ja, ich will dich, um mit dir in eine Richtung zu gehen, mit dir zu lernen und zu dir zu stehen, wenn du fällst, wenn du zweifelst. Ja, ich will, dass du voll und ganz du selbst wirst, will dich fördern und unterstützen, bereichern und vor aller Welt bekennen, dass wir zusammen gehören. Ich vertraue dir genug, um mich dir anzuvertrauen, mit all dem, was ich bin, was ich mitbringe, um mein Innerstes, mein Äußerstes, mein Alles mit dir zu teilen".


Diese Entscheidung ist keine, die man leichtfertig treffen sollte, unüberlegt, sie ist weit mehr als ein romantisches Gefühl. Sie erfordert Wertschätzung, Achtung, Achtsamkeit. Sie erfordert Anerkennen von Anders - sein, die Bereitschaft zu akzeptieren, dass die Ziele, die Wünsche auseinandergehen können. Sie erfordert Respekt und den Willen, nachzugeben, kompromissfähig zu bleiben. Vor allem aber erfordert sie Glauben. Wer liebt, muss glauben. Wer liebt, muss hoffen und bereit sein, Schmerz und Zeiten des Nicht- Verstehens zu ertragen.


Lieben bedeutet Wachstum.


Wenn ich liebe, dann vertraue ich darauf, dass im tiefsten Inneren ein Band existiert, dass nicht zerreißt. Es bedeutet nicht, dass dieses Band immer sichtbar ist. Wer in dieser Illusion lebt, wird böse erwachen. Das weiß jeder, der verheiratet ist, jeder, der lebenslange Freundschaften pflegt. Es bedeutet auch nicht, den anderen für Gemeinsamkeiten zu lieben noch für das, was er uns gibt. Zweckgemeinschaften- sind nicht Liebe.


Liebe - im besten Falle- wird zu einem sturen Bekenntnis zu der Gutheit des Gegenübers und der Entscheidung, die man getroffen hat, das Schlechte nicht zurechnend, das Gute ermutigend.

Liebe ist konfrontierend. Durch die Andersartigkeit des Gegenübers werde ich herausgefordert- in Freundschaften nicht weniger als in Beziehungen und Ehen. Ich stelle mich und meine Ansprüche und Meinungen wiederholt in Frage. Im Wunsch, den anderen zu lieben, zu erheben und zu respektieren setze ich mich mit Widersprüchen auseinander. Lerne zu akzeptieren, dass es verschiedene Sichtweisen auf dieselben Standpunkte und Wahrnehmungen gibt. Konfrontiere dort, wo diese Sichtweisen den anderen nicht erheben, sondern Schaden zufügen. Nicht, weil ich mein Gegenüber verändern will, nicht verurteilend, sondern freisetzend. Das Ziel der Liebe ist immer, dass mein Gegenüber zu mehr Freiheit findet, zu mehr Frieden, zu mehr Heilung.


Liebe benutzt nicht.


Ich hatte eine Arbeitskollegin vor vielen Jahren. Sie hatte einen riesigen Garten und in mühsamer Kleinarbeit hatte sie Frühlingsblumenzwiebeln im Herbst in einer riesigen Wiese eingepflanzt. Sie freute sich unbändig, als diese Schönheit im Frühling hervorbrach.

Ein kleines Nachbarmädchen war zu Besuch. Und plötzlich sprang sie ins Wohnzimmer, den Arm voller abgerissener Krokusse und Tulpen, Narzissen und Hyazinthen. Strahlend hielt sie meiner Kollegin die Blumen entgegen, der in diesem Moment nichts gutes schwante. Und richtig: Ihr Garten, ihre Mühe des Pflanzens, es war zerstört in wenigen Augenblicken. Das, was langfristig Freude bringen sollte, lag nun ausgerissen in den Armen des Mädchens. Sie wollte ihr eine Freude machen. Freude bringen. Und hatte dennoch unwissentlich gründlich danebengehauen. Was es rettete, war das reine Kinderherz. Das Motiv. Doch hätte ein Erwachsener dasselbe getan...und wie oft tun wir es, unwissentlich, unüberlegt.


Liebe wässert und pflegt.


Sie reißt nicht aus, sie benutzt nicht. Sie fragt nach den Motiven des anderen. sie fragt, wie sie Freude bringen kann. Sie interessiert sich für das Gegenüber. Liebe entscheidet sich, involviert zu werden. Liebe gibt freudig, setzt sich mit dem Gegenüber auseinander, und sie wächst zwischen den Personen und niemals als Selbstzweck.


Jesus sagt nicht umsonst, dass er da, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, er mitten unter ihnen ist. Liebe braucht zwingend ein Gegenüber, entwickelt sich in Zwischenräumen, so wie eine Brücke, die Herzen verbindet.


Gott ist Liebe. Um ihn zu lieben, müssen wir ihn kennen.


Ich bin überzeugt, wir können viel tun, ohne ihn jemals wirklich zu kennen.

Wie Fans, die alles glauben,über ihren Star zu wissen, aber niemals nach ihm fragen. Ihn konsumierend und entsetzt seiend darüber, wenn dieser "Star" über Einsamkeit klagt. Wir sind es gewohnt, zu konsumieren, und wir Christen konsumieren Gott in einem Ausmaß, das erschreckend ist. Er gibt gerne. Aber oft beanspruchen wir, ihn so gut zu kennen, dass wir in speziellen Situationen überhaupt nicht mehr nach ihm fragen. Eine ganze Gemeinde, eine ganze Welt sucht nach Geistesgaben. Es gibt kaum eine Debatte, die hitziger geführt wird als die um den Heiligen Geist und wie er sich äußert, wie sich das mit den Geistesgaben verhält und wer welche Gabe weshalb hat. Wie eine Superpowerkraft wird der Heilige Geist angepriesen.


Der Heilige Geist aber- ist eine Person. Der Heilige Geist ist Gott, und darüber hinaus wurde uns gesagt, dass wir auf Fragen Antworten erhalten werden. Von ihm selbst. Aber fragen wir? Fragen wir nach Gott? " Vater, was willst du durch mich bewirken heute? Vater, ich verstehe diese Bibelstelle nicht, erklärst du sie mir?" " Oh gosh, Jesus, ich verstehe es nicht. Ich versteh nicht, wie du zulassen konntest, dass ich so verletzt wurde. Warum? Warum ist das passiert? Das bist doch nicht du? So bist du nicht! Ich fühle mich im Stich gelassen von dir, wo warst du?" "Herr, wie siehst du mein Gegenüber? Ich versteh grade nicht, wie er/sie handelt. Was steht dahinter? Schenk mir deinen Blick auf diese Person. Deine Weisheit. Was willst du durch mich tun?" "Jesus, ich weiß nicht, was ich beten soll, bete du durch mich, lass mich zurücktreten und übernimm du. Du kennst dieses Herz. Lass mich Segen sein."


"Bitte, und dir wird gegeben werden. Suche, und du wirst finden. Klopfe an, und dir wird aufgetan."


Wisst ihr, genau darum geht es. Stellt euch vor, ein Mann wohnt in einem Haus auf einem Berg in der Nähe einer Stadt. Es wird viel geredet über ihn. Reich soll er sein. Einflussreich. Andere sagen, dieser Ruhm führe dazu, dass er permanent gelobt werden will für seine Schönheit, für seine Kraft und Macht. Wenn man es nicht tue, dann werde er zornig und unberechenbar. Es gibt ganze Vereine, die bestimmte Verhaltensregeln aufgestellt haben, wie man sich diesem Mann nähern kann, und wer sie nicht einhält, stirbt auf dem Weg zum Gartentor. Er hat mal ein Buch geschrieben, sagen sie, und man muss wortwörtlich umsetzen, was da steht. Das Problem ist, es gibt verschiedene Vereine, und alle widersprechen sich in der Auslegung. Streiten untereinander wie die Kesselflicker....

Was aber ist die Wahrheit?


Nun. Die fünf Freunde, die drei Fragezeichen- kleine Helden in Kinderbüchern, sie würden neugierig, ein wenig ängstlich und nicht wissend, was geschieht, zu dem Haus gehen, und aufgeregt klingeln. Und dann würde sich die Tür öffnen. Die Person auf dem Berg in ihrem Haus, in all ihrer Macht, würde sich freuen. Freuen, dass endlich jemand kommt und nach ihm fragt. Sie hineinbitten. Alle stürmischen Fragen beantworten. Sich anhören, was sie zu sagen haben. Graderücken und bestätigen.

Aber zu ihm zu gehen, kostet Mut.


Ich kenne niemanden, der zu ihm gegangen wäre und jemals zurück in den Verein wollte. Es lohnt sich. Es lohnt sich, nach ihm zu fragen- und zu erwarten, dass er antwortet.



Mit Liebe,

Sibylle.



INTERAKTIV:


In dieser Woche biete ich nur eines an:


Es ist ein Bekenntnis der Liebe, der Hingabe und des Vertrauens. Ich hoffe, dass viele es sprechen. Es öffnet eine Tür, ist ein Ausdruck der Sehnsucht und des Anvertrauens. Sei sicher: Wenn du dieses Gebet sprichst, dass es gehört wird.


"Mein VATER,
ich überlasse mich Dir,
tu mit mir, was Dir gefällt.
Was immer Du mit mir tun magst,
ich danke Dir.
Ich bin für alles bereit, ich nehme alles an.
Wenn nur Dein Wille in mir erfüllt wird
und in allen Deinen Geschöpfen,
wünsche ich mir nichts mehr, mein Gott.
 
In Deine Hände lege ich meine Seele;
Ich gebe sie Dir, mein Gott,
mit der ganzen Liebe meines Herzens,
weil ich Dich liebe,
und weil diese Liebe mich antreibt
mich Dir zu übergeben,
mich in Deine Hände zu begeben,
ohne Maß,
mit grenzenlosem Vertrauen;
denn Du bist
mein VATER." 

(Charles de Fouceault.)


Quellenangabe:

Bibelstellen: Sein Wort- meine Welt. Revidierte Elberfelder Übersetzung, zitiert nach: www.bibleserver.com

Judith M Gundry-Volf, Miroslav Volf: A spacious heart: essays on identity and belonging. Continuum International Publishing Group, 1997.

Charles de Fouceault: https://www.charlesdefoucauld.org/de/priere.php

Foto: Pixabay.

Background Bibelstellen, indirekt: 1.Joh 4,8/ 1.Joh 4,16/ Mt 22,37/ Joh, 13,34/ Mt 7,22/ 1.Kor 12/ 1. Kor 13 und weitere.

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