• sibyllezion

"Ich will dich kennen"-über kennenlernen, Nähe und ins Unsichtbare vertrauen.

Aktualisiert: 10. Apr.







Meine lieben Freunde,


vor vielen Jahren habe ich meinen Mann kennengelernt.


Es war eine Begegnung an einem für christliche Ehen eher ungewöhnlichem Ort- in einem Punkrock-Untergrund Club in Köln, der genauso auch hieß: "Underground".


Als ich Armin kennenlernte, ging es mit uns drunter und drüber. Irgendwie- wussten wir beide von Anfang an, dass das mit uns "sein sollte". Aber wir beide scheuten zurück vor der Romanze, die da wartete. Fanden Ausflüchte, tanzten um den heißen Brei herum, fanden Gründe, warum nicht. Allein: Aus irgendeinem Grund heraus fühlten wir grenzenloses Vertrauen zueinander, ohne uns wirklich zu kennen. Es war nicht das, was man mit Feuerwerk und Schmetterlingen beschreiben würde- nein: Es war heimkommen, und im Kamin brennt ein gemütliches Feuer. Eine Kerze auf der Fensterbank, die den Wanderer leitet und begrüßt.


Allein, die Romanze, von der alle sprechen und die so unabdingbar ist, wenn man sich verliebt, die blieb irgendwie- aus. Es war ein wenig angespannt zwischen uns, manchmal holperten Gespräche, und irgendwie mochten wir uns und dann merkten wir doch- irgendwas fehlt.


Irgendwann, nach einigen Wochen, gab es eine Aussprache.


Beide waren wir aus einer nicht gerade zuträglichen Beziehung entkommen. Beide hatten wir umsonst geliebt, umsonst gesorgt, und waren leer zurückgeblieben.

"Jesus sagt, das hat Sinn mit uns, hörst du das auch?" "Ja, aber irgendwie klappts nicht."

"Aber wenn Jesus das will, dann wird der Rest schon kommen, oder? Er kennt uns doch besser als wir uns selbst."


Wir redeten über Angst. Angst, sich wieder einzulassen. Angst vor Nähe. Angst davor, wieder auf einem Scherbenhaufen sitzen zu bleiben.


Und plötzlich schauten wir uns an und sagten: "Vielleicht müssen wir uns einfach nur..entscheiden. Entscheiden, das anzunehmen, was Jesus uns geben will."

Das taten wir, und danach- startete eine Romanze ohnesgleichen. Ich bin noch nie so umworben worden. Er fühlte sich noch nie so bestätigt. All das, was so unerreichbar schien, so nicht vorhanden- wurde über uns ausgegossen wie ein Füllhorn des Segens, und mündete in einer gesegneten, guten, stabilen Ehe. Einer entschiedenen Ehe. Einem Ja, das unverbrüchlich alle Stürme überkommt. Warum? Weil es Jesus Wille war, nicht unsrer in erster Instanz. Das vergessen wir nicht, und wir wissen, sein Ja steht unverbrüchlich.


Ich möchte über Dialog mit Jesus schreiben. Über Beziehung. Über Gesehen-sein.


Ich möchte über das schreiben, wonach sich so viele sehnen, und was so wenige zu erfahren scheinen-seine Stimme und Antwort wirklich wahrzunehmen und geleitet zu werden von ihm. Beziehung zu Jesus ist das essentiellste im Christentum- und doch auch oft das Schwierigste.

Viele, mit denen ich rede, empfinden so wie wir beide am Anfang unsres Kennenlernens: Es fehlt etwas. Ja, das soll so sein mit dem "Jesus gehören",und gehorsam nimmt man es an. Aber die Rosen, die tiefen Gespräche, das Prickeln...all das fehlt. Irgendwas..bleibt leer.

Geschäftig versucht man dann, das zu füllen. Mit Bibellesen, Gottesdienst, Lobpreis, Bibelstudien, Dienst, regelmäßiger Seelsorge und Gebet um Schutz und Segen. Allein...all das ist wie Essen gehen -und das Gespräch stockt mittendrin.


Was ist denn jetzt mit dem allen in der Bibel, Jesus? Mit der Freude, mit der Freiheit, mit der direkten Führung, den Abenteuern, auf die deine Kinder geschickt werden, Vater?

Was ist denn jetzt mit der Apostelgeschichte, was haben wir denn nur verloren? Gute Taten tun und sich selbst klein fühlen, das kanns doch nicht sein, oder?


Aber an die Realität glauben, wirklich daran glauben, dass es passiert- dass Gott redet, rettet, Gebete erhört- es fühlt sich an wie der Versuch, sich auf die Luft zu legen und zu fliegen. Wie auf den See steigen und davon ausgehen, über Wasser laufen zu können.


Am Ufer ist es doch sicherer! Hier, wo der Schilf wächst, auch, wenn der Blick noch so weit sehnsüchtig auf den See hinausgeht.


Mit Jesus reden bedeutet Intimität und Freundschaft, tiefes Erkanntsein und Nähe.


Viele von uns -kennen das gar nicht. Zuhause wurde nie über Gefühle geredet, Selbstausdruck war unwichtig oder gar unerwünscht. Im Job wirds nicht gern gesehen, wenn private Gespräche geführt werden. In der Gemeinde soll es ja schließlich um Jesus gehen, nicht um dich. Und selbst Ehen sind oft Zweckgemeinschaften, mehr als das erste Flitterjahr kann man ja schließlich nicht erwarten, jede Beziehung schläft ein.

Neulich sagte meine Schwiegermutter nach einem liebevollen Sticheln meinerseits in Richtung meines Mannes ( irgendwas mit "Blumen wären mal wieder schön"): "Aber das muss ja auch nach 13 Jahren nicht mehr sein." "Doch", antwortete ich, "doch, auf jeden Fall"


Nähe, Liebe, Vertrautheit, Erkannt sein.

Die große Angst, die wir haben, wenn es darum geht, Jesu Stimme zu hören, ist, dass wir uns irren, dass wir betrogen werden.

Die große Angst, die wir haben, ist die vor unsrer echten eigenen Stimme- vergraben unter unsrer wissenden Fassade, unsrem religiösen Glaubensschild.

Und die Frage dahinter ist: "Kann ich dir vertrauen? Bist du gut? Liebst du mich?"


Jesus Stimme zu hören und daran zu glauben- es rückt einen doch gefährlich nahe an den Rande des Irrationalen, oder? Also reduzieren wir es lieber auf greifbares. Schieben die Gedanken weg, von denen wir denken: "Wo kam das denn jetzt her?".

Was wir wahrnehmen könnte alles genauso gut Einbildung sein, oder? Und wie kann man sicher werden im Erkennen seiner Stimme?


Oh, sage ich. Nur mit Zeit. Nur mit genauem Hinhören. Nur, indem man ihn wirklich kennen will.

Wisst ihr, die Evangelien- die sind doch schnell gelesen, oder? Und ja, wir alle kennen die moralische Bedeutung von barmherzigen Samariter, und die Saat, die auf Fels, Straße und in den Acker fällt. Also lesen wir Paulus, stundenlang, Jesus- ist abgefrühstückt.

Aber kennen wir die Gleichnisse wirklich? Sie sind ein guter Anfang, um Jesu Stimme hören zu lernen. "Lies sie mit mir und zeige mir etwas, was ich noch nie erkannt habe". Sie sind der einzige Schlüssel, um ihn kennenzulernen: "Wieso hast du so gehandelt? Warum hast du diese Frage gestellt? Wie verhält sich Jesus- wie nicht?"


Achte auf deine Gedanken, Erkenntnisse, liebevolle Hinweise. Achte darauf, wie sich dein Bild von ihm verfeinert, verändert, wie er dir begegnet. Es ist ein guter erster Schritt.


Weißt du, Jesu Stimme hören- das können und müssen wir nicht lernen. Wir müssen einfach nur offen werden, ihr Raum zu geben.


Mit Jesus und der persönlichen Beziehung ist es wie mit jeder anderen Freundschaft auch:

Ja, ihr könnt zusammen im Gottesdienst sein, arbeiten, essen gehen, du kannst seine "Mag ich, mag ich nicht" Listen auswendig lernen. Du kannst versuchen, ihm zu gefallen.


Aber das, was eure Beziehung begründen wird, ist das Gespräch in der Küche beim Abendessen. Es ist der gemeinsame Spaziergang ohne alle anderen. Es ist das tiefe Gespräch mit einer Flasche Rotwein am Lagerfeuer.

Nichts davon ist jemals einseitig. Aber Jesus Stimme- sie ist stets leise. Er wirbt leise um dein Herz. Und wenn du nie das Kopfkissen morgens anhebst, um darunter zu sehen- dann wirst du die kleinen Liebesnotizen und Tüten mit Gummibärchen auch nie finden.


Jesus kennenlernen, die eigene Beziehung, aus der alles andre wächst- sie braucht das, was jede Freundschaft braucht- Zweisamkeit. Offenheit. Den Wunsch, ihn zu kennen. Die Sehnsucht, ihm nah zu sein. Und das Wissen, dass du dazu eingeladen bist, zu seinen Füßen zu sitzen.


Wo das verloren geht, wird Liebe zu Zweckgemeinschaft.

Wo diese Beziehung, diese Sehnsucht verloren geht, gehen wir verloren.


Oft wird dies auf "stille Zeit" reduziert, fromm, Bibellesend und häufig unter innerem Zwang. Das ist nicht das, was ich meine. Nein. Wie du Beziehung aufbaust, das weiß ich nicht. Jeder hat da so seine Lieblingswege.


Vielleicht ist das beste, was ich dir heute mitgeben kann, ein Hinweis einer liebenden, weisen Seelsorgerin:


"Setz dich mit Jesus hin und frage ihn: "Jesus, was mag ich gerne? Was sind die Träume, die du in mich gelegt hast? Welche meiner Wünsche gefallen dir?"


"Was magst du an mir, Jesus? Wo willst du mich haben?"


Und dann sammle einfach mal. Er wird gerne mit dir Zeit verbringen, während du das tust, was du gerne magst.

Aber einladen, dich zu begleiten- das musst du ihn schon selbst.



Sei gesegnet,

Sibylle.


Quellen:

Foto: Pixabay

Song: Samuel Harfst: In your presence



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