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Kann man einen König lieben?




"Da sprach Pilatus zu ihm: So bist du dennoch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es: Ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeuge. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme. (Johannes 18,37)

"Siehe, in Gerechtigkeit wird ein König regieren, und Fürsten werden herrschen, wie es recht ist, 2 dass ein jeder von ihnen sein wird wie eine Zuflucht vor dem Wind und wie ein Schutz vor dem Platzregen, wie Wasserbäche am dürren Ort, wie der Schatten eines großen Felsens im trockenen Lande. 3 Und die Augen der Sehenden werden nicht mehr verklebt sein, und die Ohren der Hörenden werden aufmerken. 4 Und das Herz der Unvorsichtigen wird Klugheit lernen, und die Zunge der Stammelnden wird fließend und klar reden. 5 Es wird nicht mehr ein Narr Fürst heißen noch ein Betrüger edel genannt werden. 6 Denn ein Narr redet Narrheit, und sein Herz sinnt auf Unheil, dass er Ruchloses anrichte und rede über den HERRN lauter Trug; dadurch lässt er hungrig die hungrigen Seelen und wehrt den Durstigen das Trinken. 7 Und des Betrügers Waffen sind böse, er sinnt auf Tücke, um die Elenden zu verderben mit falschen Worten, auch wenn der Arme sein Recht vertritt. 8 Aber der Edle hat edle Gedanken und beharrt bei Edlem. (Jesaja 32, 1 ff)



"Ich  suche die verloren gegangenen Schafe und bringe alle zurück, die sich  von der Herde entfernt haben. Wenn sich eines der Tiere ein Bein  gebrochen hat, will ich es verbinden, und den kranken helfe ich wieder auf. Die fetten und starken Tiere aber lasse ich nicht aus den Augen! Denn ich bin ein Hirte, der gut und gerecht mit seinen Schafen umgeht."  (Hesekiel 34, 16)



9 Ich allein bin die Tür. Wer durch mich zu meiner Herde kommt, der wird gerettet werden. Er kann durch diese Tür ein- und ausgehen, und er wird saftig grüne Weiden finden. 10 Der Dieb kommt, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten. Ich aber bringe Leben – und dies im Überfluss. 11 Ich bin der gute Hirte. Ein guter Hirte setzt sein Leben für die Schafe ein. 12 Anders ist es mit einem, dem die Schafe nicht gehören und der nur wegen des Geldes als Hirte arbeitet. Er flieht, wenn der Wolf kommt, und überlässt die Schafe sich selbst. Der Wolf fällt über die Schafe her und jagt die Herde auseinander. 13 Einem solchen Mann liegt nichts an den Schafen. 14 Ich aber bin der gute Hirte und kenne meine Schafe, und sie kennen mich; 15 genauso wie mich mein Vater kennt und ich den Vater kenne. Ich gebe mein Leben für die Schafe. 16 Zu meiner Herde gehören auch Schafe, die nicht aus diesem Stall sind. Auch sie muss ich herführen, und sie werden wie die übrigen meiner Stimme folgen. Dann wird es nur noch eine Herde und einen Hirten geben. 17 Der Vater liebt mich, weil ich mein Leben hingebe, um es neu zu empfangen. 18 Niemand nimmt mir mein Leben, ich gebe es freiwillig. Ich habe die Macht und die Freiheit, es zu geben und zu nehmen. Das ist der Auftrag, den ich von meinem Vater bekommen habe." (Johannes 10, 1 ff)

"Denn der Sohn des Menschen ist Herr auch über den Sabbat." ( Matthäus 12,8)


Meine lieben Freunde und Geschwister,


"Aber er ist mein Papa! Er liebt mich! Ich bin sein Kind so wie Jesus auch! Er gibt mir genau dasselbe wie Jesus! Er ist mein Bruder!"


Wütend stampfen kleine Füßchen vor dem Thronsaal auf den Boden.


Ich lächle. So ist es, nicht wahr?


Warum tun wir uns so, so schwer damit, Jesus als (zukünftigen) König anzuerkennen und uns der Herrschaft Gottes zu unterwerfen? Warum tun wir uns so schwer uns jemandem zu beugen?


Nun, schauen wir uns doch mal an, wie ein Königreich so funktioniert:

Da gibt es unter Umständen eine ganze Schar von Prinzen und Prinzessinnen. Einen König- und ....einen Kronprinzen. Jemanden, der das Königreich eines Tages regieren wird.

Er ist der Erstgeborene, der Erwählte, der "besondere".


Im Falle dessen, was uns die Bibel lehrt, ist er der einzig gezeugte Sohn, durch dessen Tod wir den Status von Kindern erhalten. Wenn wir ihn akzeptieren und sein Sühneopfer, dann werden wir zu Gottes Kindern- durch ihn. Weil er uns so sehr liebte, dass er sein Leben gab für uns, dürfen wir zu Gott zurücklaufen und rufen: "Abba, lieber Vater!", aber nicht aus Geburtsrecht heraus, sondern weil der über alles geliebte, einzige Sohn sich für uns hingab. In der Tat ist das ursprüngliche Wort für die Kindschaft etwas, das im Zusammenhang mit Adoption gebraucht wird. Als Kinder angenommen, aber nicht leibliche Kinder. Geliebt, natürlich, mit dem Recht, die Vaterschaft zu beanspruchen, natürlich, aber eben nicht- eingeboren.


Entsprechend regiert Jesus auch über uns, denn wir werden seinem zukünftigen Königreich hinzugefügt. Dankt Gott damit ab? Nein, er bleibt souverän, ewig. Aber sein Sohn wird gekrönt und er übernimmt all jene, die durch ihn gerettet werden. Wo? Auf Erden, an dem Tag, an dem alles wiederhergestellt wird. Und wir, die wir treu dienen, ihm folgen, tun, was er uns sagt, setzt er als Oberste in seinem neuen Reich ein. Er vergibt Lehen, sozusagen. Wie es ein weltlicher König auch tun würde, nur sehr viel ...gerechter.


Ich glaube, es gibt keinen größeren Zwiespalt im Christentum als genau diesen: Jesus ist König und wir unterstehen ihm, und gleichzeitig ist er Bruder, Freund, Retter und Gott ist unser Vater.


Aber es ist kein Widerspruch, gar nicht. Das Problem ist nur, dass wir mit Herrschaft, gerade, wenn sie in einer Hand liegt, wirklich miserable Erfahrungen gemacht haben.


Caesar. Napoleon. Hitler. Mussolini. Stalin. Honecker. Putin. Für uns ist Herrschaft mit Unfreiheit verbunden. Wir erwarten Opfer, wir erwarten Verlust. Und wir vertrauen einer solchen Führung deshalb nicht. Herrschaft und Macht hat doch immer nur Schmerz und Leid gebracht. Übersehen werden, Ständegesellschaft, Bereicherung der Reichen und Verelendung der Armen. Und wer sich nicht an die Regeln hält, wird verdammt, wird ins Exil geschickt oder gleich hingerichtet. Immer muss man was abgeben von dem wenigen, das man hat. Wenn man von jemandem regiert wird, der beansprucht, die ganze Autorität zu haben, dann kann man doch einpacken. Ist doch viel besser, wenn wir alle zusammen arbeiten.

Ist es nicht so? Doch, schon. Das ist der Grund, warum wir uns gegen Autorität auflehnen. Das ist der Ursprung allen Bemühens, den Herrschaftsanspruch Jesu zu relativieren und uns auf eine Stufe zu stellen- der Ursprung all dessen-ist Angst vor Missbrauch.


Woher kommt diese Angst, und gibt es denn eigentlich eine biblische Begründung dafür?

Aber sicher!


Wisst ihr, Gott hat damals davor gewarnt, menschliche Könige einzusetzen. Sein Volk, Israel, sie wollten unbedingt sein wie alle anderen Völker auch. Also beauftragten sie Samuel, Gott auszurichten, sie wollten nun einen menschlichen König, der sie regiert.

Gott fand das nicht gerade optimal. Er warnte sie, dass ein menschlicher König nicht sei wie er, dass er sich an ihnen bereichern würde, über sie verfügen würde, wie er wolle, ohne dass sie etwas dagegen tun könnten. Er gab der Bitte nach, weil er selbst seiner Krone beraubt wurde mit dieser Bitte. Aber er stellte klar, dass menschliche Herrschaft niemals seine sein würde- nicht gerecht, nicht gnädig, nicht in Gleichheit, sondern in Dominanz, in missbrauchter Autorität und "von oben herab". Das Volk- wollte es trotzdem und es wurde ihm gewährt. (vgl. 1. Samuel 8). Das Resultat war das, was angekündigt wurde: Unterdrückung, Abhängigkeit, Ausgeliefert sein.


"Folgt mir nach!" sagt der Gottessohn, der auf die Erde kam, um sich und damit auch das Wesen und den Willen des Vaters zu bezeugen. Die Überraschung: Ein rundum guter, gerechter und liebender Gottessohn offenbart sich uns. Einer, der heilt. Einer, der aufrichtet. Einer, der die Herde führt, einer, der Frieden bringt und nicht Verdammnis. Einer, der zuhört, der gerechte Urteile fällt, einer, der dient, statt zu herrschen und hierdurch alle Autorität besitzt. Einer, der sich gegen menschliche Herrschaft stellt und den Weg zurück zum Vater zeigt. Einer, der daran erinnert, wer Gott wirklich ist. Und der vormacht, wie es geht: Der jedes Machtstreben ablehnt, der gegen alle Lüge angeht. Der zum Lieben auffordert. Zu Augenhöhe untereinander, und Akzeptanz von seiner Vollmacht. Und was passiert? Die, die ihn erkennen, entbrennen in Liebe und Hoffnung auf das kommende Königreich. Diejenigen,die sich in ihrer eigenen Machtposition bedroht fühlen, lehnen ihn ab. Verfolgen ihn. Töten ihn, und er lässt es zu, denn er wird wieder auferstehen. Er kehrt zurück. Und versorgt nach seiner Rückkehr auf seinen rechtmäßigen Platz alle, die an ihn glauben, mit einer Flatrate zu ihm, indem er den Heiligen Geist ausgießt, der ihnen dann Vollmacht verleiht, wenn sie seine Herrschaft anerkennen. Er geht noch weiter und sagt, dass er zurückkehrt und uns nach unsrer Treue vergelten wird: Er wird Oberste einsetzen, die dann mit ihm herrschen.


Dann. Wenn er wiederkommt. Wenn sie seiner Stimme gefolgt sind. Nicht- jetzt.



Kann man einen König lieben?


Ich sage: Selbstverständlich. Ich kann doch Kind eines Königs sein?! Ich kann doch Schwester des Kronprinzen sein?! Das einzige, was ich nicht tun darf, ist ihm seinen Anspruch auf den Thron absprechen. Ich muss schon einsehen, dass der Kronprinz in die Geschäfte unsres Vaters eingeweiht ist und ich eben nicht. Und ich muss eben verstehen, dass mein Vater ewiger König und Schöpfer ist. Ich darf zu ihm laufen, mit allem,das ich bin, und er wird eine ganz persönliche Beziehung zu mir haben. Aber er hat eben auch ein Königreich zu regieren, und wenn ich mit dem, was ich tue, die innere oder äußere Sicherheit gefährde, dann ist das- suboptimal. Wenn ich zu seinem Königreich gehöre, dann bin ich seinen Gesetzen unterworfen insofern, als ich mich mit ihnen identifiziere. Was mein Vater als Gesetz erlassen hat, das gilt für mich. Und was ist das Gesetz? Die 10 Gebote des Königreiches, die ein friedliches Miteinander gewähren.

Damit ich sie nicht vergesse, werden sie mir ins Herz geschrieben. Irgendwie hat das mit dem Auswendiglernen nie funktioniert. Und was muss ich tun, um sie zu verstehen? Nun, ich muss davon ausgehen, dass sie gut sind. Dass sie mir zum Segen und nicht zur Einengung dienen. Und wie mache ich das? Indem ich den Vater bitte, mir sie zu erklären, statt sie einfach nur dominant nach außen hin zu demonstrieren, oder sie als Machtinstrument gegenüber anderen verwende.


Warum ist Gott so krass in seinem Herrschaftsanspruch? Nun, zuviele Köche verderben den Brei, und wer sich in einem Königreich nicht an die Regeln hält, zerstört es von innen. Da wir das aber ja nicht schaffen mit dem immer gerecht sein, gibt uns Jesus den Heiligen Geist als Lehrer, als Tröster, als Verbindung zu ihm. Er zeigt uns, wie es geht. Er lässt uns zum König hinwachsen.


Wisst ihr, das ist alles völlig logisch.


Die Frage ist nur: Reicht es uns, Prinzen und Prinzessinnen zu sein, oder wollen wir auf Jesus Thron? Die Frage muss man sich stellen. In all dem ist keine Härte, keine Verdammnis, nichts anderes als Liebe. Aber es ist Akzeptanz, dass wir niemals wie Jesus sein werden, sondern ihn als Freund, Bruder und ...Herrn haben. Er hat uns schon gezeigt, dass er uns liebt, und wie sehr. Wie sehr lieben wir ihn? Wie sehr vertrauen wir ihm?


Mit diesen Fragen entlasse ich euch in diese Woche. Und über Wege der Heilung und des Ankommens schreibe ich in den nächsten Wochen. Wir müssen uns gar nicht streiten, wisst ihr- denn es ist beides: Gotteskindschaft in endloser Liebe- und Akzeptanz von Führung, Herrschaft und Liebe. Was dazwischensteht ist Missbrauch, Leid und Angst.


Die gute Nachricht ist, dass für all diese Angst davor bei Gott kein Grund besteht.


Seid gesegnet,

Sibylle


Quellen:

Foto: Wix.com/ Christliches Viertel Jerusalem

Song: Fernando Ortega: Lord of Eternity


Die Bibel. Luther Übersetzung, hier nach: www.bibleserver.com










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